Fast zwanzig Grad unter Null herrschten am Sonntagmorgen etwa in Moskau, als sich auf der vom Schnee geräumten Flaniermeile Arbat 300 Frauen postierten, um ihre Solidarität mit dem inhaftierten Regimekritiker Alexej Nawalny zu demonstrieren. Die Frauen hielten ein langes weißes Band in den Händen, das für sie am Valentinstag den Einsatz "für Liebe und gegen Gewalt" symbolisierte, wie eine der Frauen der Agentur AFP berichtete.

Nach den Massenfestnahmen bei Kundgebungen seit der Rückkehr Nawalnys aus Deutschland hatte sein Team alle größeren Proteste vorerst abgesagt. Erst im Frühling sollten die Unterstützer des im Sommer vergifteten und im Jänner verhafteten Oppositionellen wieder auf die Straße gehen, hieß es. Die Behörden waren im Jänner und Februar mit Härte gegen die Demonstranten vorgegangen, mehr als 10.000 Menschen wurden festgenommen.

Das weiße Band am Arbat.
Foto: Sergei Karpukhin via www.imago-images.de

Stattdessen hatte das Unterstützerteam Nawalnys für Sonntag zu neuen und sichereren Formen des Protests aufgerufen. So wie in der Hauptstadt Moskau kam es am Sonntag in mehreren russischen Städten zu dezentralen Protestkundgebungen. In St. Petersburg etwa fanden sich etwa hundert Frauen vor dem Denkmal für die Opfer politischer Repressionen ein, hielten Blumen in den Händen und zitierten Gedichte der Poetin Anna Achmatowa, deren Mann und Sohn unter Stalin lange inhaftiert waren. Am Abend waren Aktivisten auf der zugefrorenen Newa unterwegs.

Die tiefen Temperaturen ermöglichen eine Protestkundgebung auf der Newa.
Foto: AP Photo/Valentin Egorshin

Am Abend, so Nawalnys Assistent Leonid Wolkow, sollten Unterstützer 15 Minuten lang in den Hinterhöfen ihrer Häuser leuchtende Handys, Taschenlampen oder Kerzen in den Himmel halten und Bilder davon auf Onlineplattformen stellen.

Kreative Demonstranten.
Foto: AP Photo/Pavel Golovkin

Doch auch an prominenten Orten, etwa dem Roten Platz im Zentrum Moskaus, drückten meist junge Leute ihren Unmut aus.

Protest im Zentrum der Macht.
Foto: Dimitar DILKOFF / AFP

Die russischen Behörden verdächtigen die Opposition, auf Geheiß der Nato auf die Straße zu gehen. Man werde "kein Katz-und-Maus-Spiel" mit den Demonstranten betreiben, warnte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.

In diesem Wohnblock in St. Petersburg folgte man dem Aufruf zu Hinterhofprotesten.
Foto: REUTERS/Anton Vaganov

In Tomsk, jener sibirischen Stadt, in der Nawalny im vergangenen Sommer vergiftet wurde, ließen Aktivisten ein elektronisches Spruchband von der Fassade eines Hochhauses leuchten: "Liebe ist stärker als Angst" war darauf zu lesen. (red, 15.2.2021)