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Im Kampf gegen verstörende Inhalte und Falschinformationen haben die Moderatoren sozialer Netzwerke viel zu tun. Immer wieder gab es in den vergangenen Monaten Berichte über die prekären Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter, die oft nicht direkt, sondern bei Personalvermittlern angestellt sind.

Auch Facebook geriet in diesem Zusammenhang immer wieder in die Kritik. Ein Bericht des "Guardian" dürfte daran wenig ändern. Demnach hat Facebook versucht, die Moderatoren am Standort in Dublin unter Druck zu setzen, damit sie bei einem Besuch des irischen Vizepremiers Leo Varadkar nicht ihre Arbeitsbedingungen thematisieren.

Unklare Kommunikation vor Besuch des Vizepremiers

Obwohl auch in Irland ein Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie das öffentliche Leben weitgehend lahmgelegt hat, verlangt Facebook, dass viele Mitarbeiter im Büro erscheinen. Im Vorfeld des Termins mit Varadkar wollten sie sich garantieren lassen, dass sie von ihrem Arbeitgeber nicht sanktioniert werden, wenn sie über ihre Arbeitsbedingungen reden.

Doch das Unternehmen wollte keine umfassenden Zusicherungen machen. Es sei "kein Problem", über "Dinge in Zusammenhang" mit der Arbeit oder allgemein Bekanntes zu reden, erklärte man. Aber: Die Mitarbeiter dürften keine Informationen preisgeben, die unter die Verschwiegenheitspflichten in ihrem Arbeitsvertrag fielen. Eine Anfrage an Facebook und das Vermittlungsunternehmen Covalen zwecks Übermittlung einer Kopie der Geheimhaltungsvereinbarungen blieb unbeantwortet. Laut der Kanzlei Phoenix Law, die die Moderatoren vertritt, hatten die Betroffenen diese Vereinbarung zuletzt gesehen, als sie ihren Arbeitsvertrag unterschrieben hatten – und seitdem auch keine Kopie davon erhalten.

Obwohl Facebook noch kurz vor dem Gespräch mit Varadkar gewarnt hatte, dass jedes Besprechen der Arbeit außerhalb des Büros als Disziplinarverstoß angesehen werde, betonte der Konzern, selbst gar keine Geheimhaltungsvereinbarung mit den Moderatoren zu haben – sondern nur ihr eigentlicher Arbeitgeber, Covalen. Dieser beteuerte, dass die Mitarbeiter im Rahmen ihrer Einstellung eine E-Mail mit Vertrag und Geheimhaltungsvereinbarung erhielten. Im Falle des Verlustes fertige die Personalabteilung unkompliziert Kopien aus. Zudem habe man ein internes Prozedere zur Lösung von Problemen im Arbeitsumfeld.

Deftige Kritik

Trotz der Warnungen machten die Moderatoren gegenüber Varadkar ihren Ärger deutlich. Sie kritisierten nicht nur die Anwesenheitspflicht, sondern auch die Schweigeklauseln, Beschränkungen des Versammlungsrechts und der Meinungsäußerung, die minutiösen Zeitaufzeichnungen und Arbeitsbewertungssysteme sowie weitere Überwachungsmaßnahmen. Das sorge nicht nur für unnötige Stressbelastung, sondern auch für ein "würdeloses" Arbeitsumfeld. (red, 15.2.2021)