Schweißgebadet wachte Simon Pagenaud, Indianapolis-Sieger 2019, auf. "I had a dream!" – und was für welchen: Beim Indy-Klassiker 2035 werden alle Rennwagen von Frauen gesteuert, die Streckensprecherin flötet den Satz: "Ladies, please start your engines", auf der Ehrentribüne – umgeben von weiblicher Entourage – lächelt die US-Präsidentin, #MeToo regiert den Rennsport. Pagenauds Traum ist natürlich Fake, aber das Thema Frauen im Motorsport ist weiterhin mit Diskriminierung und Zurücksetzung belastet. Billiges Argument: Frauen sind körperlich nicht geeignet, ihnen fehlt die entsprechende Voraussetzung.

Lella Lombardi 1975 am Nürburgring.
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In der Formel 1 beschränkte sich bisher die Frauenquote auf leicht geschürzte Grid-Girls. Eindeutig hingegen das Statement der 2016 verstorbene Maria Teresa de Philippis: "Körperliche Stärke ist kein Argument, wenn es knapp 170 cm große Männer schaffen. Industrie und Sponsoren zeigen eben kein Interesse, Lewis Hamilton bringt mehr." Die Italienerin bewies schon in den frühen 1950ern ihre Klasse in der Formel 1, am Steuer eines Maserati 250F beim GP von Syrakus und Belgien, 1959 mit dem unterlegenen Behra-Porsche in Monaco.

Ewy Rosqvist, Rallye Monte Carlo 1964.
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In das gleiche Horn stieß die heute 55-jährige Deutsche Ellen Lohr, bis 2016 eine Wucht in der Truck-Europameisterschaft. Sie kämpfte mit Michael Schumacher in der Formel 3, ab 1991 sogar regelmäßig in der DTM auf Mercedes. In Hockenheim gelang ihr 1992 der Sieg mit einem Mercedes 190 2,5-16 EV, doch sie hielt nie mit ihrer Enttäuschung zurück: "In der DTM herrschte bei Mercedes und Audi reines Macho-Denken." Lohr handelte sich später in der Motorwelt den diffamierenden Untergriff "missbrauchte Tochter von Alice Schwarzer" ein.

Pat Moss 1965 mit Mann Erik Carlsson am Saab.
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Es geht auch anders

Kaum Nachteile erlebte dagegen die Schwedin Ewy Rosqvist, später Gattin von Mercedes-Manager Baron Korff: Einstieg in die Sportwelt 1960 auf Volvo, ab 1961 ein Leben unterm Mercedes-Stern. Gesamtsieg Argentinischer Tourenwagen-GP 1962 mit 127 km/h Schnitt, in den folgenden Jahren dann die Plätze zwei und drei. Wertvoll der Klassensieg auf Mercedes bei der Monte-Carlo-Rallye 1964.

Eliška Junková , auf internationalen Events als Elisabeth Junek unterwegs, 1924 am Bugatti-Steuer.
Foto: Böhlau Verlag

Doch zurück in die Formel 1. Lella Lombardi, Geburtsjahr 1941, schaffte beim Spanien-Gran Prix auf March 1975 einen halben WM-Punkt, sie beendete ihr Formel-Engagement beim GP von Österreich 1976 als Zwölfte. Nicht zu vergessen auch Elisabeth Junek aus Brünn. Ab 1924 auf Bugatti absolute Klasse, brillierte sie bei Bergrennen, auf der Targa Florio und am Nürburgring.

Michèle Mouton (rechts) auf Audi quattro, Rallye San Remo 1981.
Foto: Copyright McKlein / Reinhard Klein / Colin McMaster 2019

Im Rallyesport des 20. Jahrhunderts zählten etliche "schwache" Frauen zur Weltklasse. Michèle Mouton, heute 69 Jahre, gewann als erste Frau einen Rallye-WM-Lauf: San Remo auf Audi Quattro. Es folgten Gesamtsiege in Portugal, Griechenland und Brasilien, alles auf Audi, für Ingolstadt holte sie gemeinsam mit Stig Blomqvist und Hannu Mikkola sogar die Rallye-Weltmeisterschaft. Unvergessen ihr Sieg auf Audi Quattro Sport beim legendären Pikes Peak Bergrennen in USA 1984.

Jutta Kleinschmidt checkt 2007 ihren BMW.
Foto: Reuters

Rindts Mutter und Winston Churchill

Auf identem Niveau agierten Jutta Kleinschmidt und Pat Moss, Schwester des großen Stirling. Kleinschmidt stürzte sich ab 1987 auf dem Motorrad in den Cross-Country-Sport: Paris–Dakar, Pharaonen-Rallye, 1992 Damenwertung Paris-Kapstadt. Der Umstieg ins Auto bedeutete keine Komfortverbesserung, aber der Sieg bei Paris–Dakar 2001 auf Mitsubishi Pajero sowie tolle Platzierungen bei ähnlichen Klassikern in den Folgejahren wogen dies sicher auf.

Maria Teresa de Filippis 1959 in Silverstone.
Foto: pictur

Nach Olympia-Teilnahme als Springreiterin verlange Pat Moss nach mehr Pferdestärken. Die bekam sie als BMC-Werksfahrerin – Sieg bei Lüttich–Rom–Lüttich, Gesamtsieg Tulpen-Rallye, zweiter Platz RAC-Rallye. Später wechselte sie zu Saab, wo ihr Mann Erik Carlsson (wegen seiner Überschläge "Erik on the roof" genannt) Partner und Teamchef war. 1966 traf ich sie bei der Rallye München–Wien–Budapest, sie auf Saab 96 (Platz 9), ich auf Alfa GSV (Platz 23)

Kurios übrigens die "Verbindung" von Rindts Mutter Ilse Martinowitz mit Winston Churchill. Sie, ein großer Autofan, war auch Sportfliegerin, in Graz pilotierte sie einen Fieseler Storch. Und Churchill? Flog 1942 einen Beute-Fieseler in Nordafrika. (Peter Urbanek, 24.2.2021)