Die Künstlerin Molly Greene lebt und arbeitet in L.A. Ihre Haarbilder spielen mit dem Effekt der Entfremdung von etwas sehr Vertrautem. mollyagreene.com

Foto: Artwork Molly Greene "Coplanar"

Neid ist eine der sieben Todsünden, und vielleicht die schlimmste von allen, denn sie frisst die eigene Seele auf. Ich war und bin kein neidischer Mensch, mit einer Ausnahme. Jeder Mann in meinem Alter, der mehr Haare auf dem Kopf hat als ich, machte mich wehmütig oder wütend: "Warum er, warum nicht ich?" Den Schädel ganz abzurasieren, wie es andere Glatzköpfe tun, war nie meins.

Lange nachdem meine jugendliche Haarfülle sich verschämt auf den Hinterkopf zurückgezogen hatte, entschloss ich mich, etwas dagegen zu tun. Ein Toupet, das mir der Wind wegblasen könnte, kam nicht infrage. Aber es gibt schon seit Jahrzehnten eine bessere Technik, nämlich die der Eigenhaartransplantation – und die wurde zuletzt immer weiter perfektioniert.

In Kleinarbeit werden dabei die Haare samt Wurzeln von den Kopfregionen, wo sie im Überfluss wachsen, auf die kahlen Stellen übersiedelt. Und zum Glück hatte ich am Hinterkopf eine Haarreserve, die auf die Leere oberhalb der Stirn verpflanzt werden kann, wo sie bessere ästhetische Dienste leistet.

Besuch beim Platzhirsch

Platzhirsch für diese Therapie in Wien ist die Moser Medical Group, wo ich zur ersten Konsultation antrat. Nach einem Preisvergleich entschied ich mich für DHI, den europäischen Marktführer aus Griechenland, der neu auf den österreichischen Markt drängt und die meiste Erfahrung vorweisen kann. Ein griechischer Arzt, der perfekt Deutsch spricht, kommt regelmäßig nach Wien und führt in einem Ärztezentrum in Mariahilf die Transplantation durch.

Beim ersten Beratungsgespräch wurde zunächst gemessen, wie viel Haarfläche sich für die Ernte eignet und wie dicht die Haare dort stehen. Davon hängt ab, ob sich der Eingriff überhaupt auszahlt, wie viele Haare man insgesamt transplantieren kann, ohne dass es hinten zu schütter wird, und wo die neue Haarlinie verlaufen soll.

Einst wurden bei der Eigenhaartransplantation ganze Hautstreifen verpflanzt. Heute entscheiden sich die meisten Kunden für die sogenannte Einzelhaarmethode, bei der ein Arzt hunderte Follikel, die meist mehrere Haarwurzel aufweisen, vom Hinterkopf ausschneidet und sie vorn wieder einsetzt. Das ist genauso mühsam, wie es klingt, und während der Behandlung ziemlich unangenehm.

Kein Vergnügen

Eines Freitagmorgens traf ich in der Ordination ein. Kein Kaffee, damit der Blutdruck nicht steigt, wurde mir im Vorfeld ausgerichtet – ein besonders schmerzhaftes Zugeständnis. Zuerst wurde ich fast, aber nicht ganz kahlgeschoren, denn kurze Stoppel erleichtern die Arbeit für den Arzt. Dann lag ich insgesamt zehn Stunden, verteilt über eineinhalb Tage, auf einem Bett, zumeist mit dem Gesicht nach unten. Die Langeweile vertrieb ich mir mit Videos, die ich über eine spezielle Apparatur sehen konnte.

Inzwischen entnahm der Arzt die Follikel einzeln mit einem speziellen Instrument, eine Assistentin behandelte sie chemisch, und dann pflanzte er sie wieder an anderer Stelle ein. Der Schmerz hielt sich in Grenzen, gedämpft durch die Lokalanästhesie, die mir regelmäßig in die Kopfhaut gespritzt wurde. Ein Vergnügen war es allerdings nicht.

Unterschied zu früher

Das galt auch für die Tage danach. Ich trug zunächst einen dicken Verband, die Kopfhaut brannte vor allem am Hinterkopf, aber ich durfte mich dort keinesfalls kratzen. Noch sensibler war die vordere Kopfhaut, wo die eingepflanzten Follikel sich erst festigen mussten. Selbst beim Schlafen musste ich darauf achten, dass die neuen Haare das Bett nicht berühren.

Mein Kopf durfte nicht nass werden und nicht der Sonne ausgesetzt werden, aber auch eine Kappe aufzusetzen war verboten. All das kann die Pflanzungen gefährden. Bloß eine wässrige Lösung, die ich mir alle paar Stunden auf den Kopf sprayte, schaffte etwas Abhilfe gegen den Juckreiz.

Mit jedem Tag, der verging, konnte ich mich etwas mehr entspannen, und nach rund einer Woche kehrte mein Leben zur Normalität zurück. Die Haare hatten die Übersiedlung gut überstanden und sich in ihrem neuen Zuhause eingegraben. Bloß einen Fahrradhelm sollte ich länger nicht verwenden. Noch war mein Kopf leicht gerötet und ziemlich kahl geschoren. Aber nach und nach begannen die Haare wieder zu wachsen. Wenn ich in den Spiegel blickte, sah ich den Unterschied zu früher – und freute mich.

Davor und danach: In Kleinarbeit werden bei der Eigenhaartransplantation die Haare samt Wurzeln von den Kopfregionen, wo sie im Überfluss wachsen, auf die kahlen Stellen übersiedelt.
Foto: Cremer/privat

Erneuter Haarausfall

Einige Wochen später setzte die Enttäuschung ein: Die versetzten Haare fielen wieder aus, mein Haupt wirkte zunehmend schütter. Das sei, hatte mich der Arzt gewarnt, ganz normal. Tatsächlich: Nach drei Monaten spross das Haar wieder, und nach einem halben Jahr war der Verwandlungsprozess beendet – das Hinterhaar ist zwar etwas ausgedünnt, aber das fällt niemandem auf.

Dafür ist die Glatze vorn, die so lange mein Selbstbewusstsein erschüttert hat, Geschichte. Nun gehöre ich hoffentlich zu den Männern, die von anderen beneidet werden.

Die Behandlung ist nicht billig: Man muss mit Kosten zwischen 6.000 und 10.000 Euro rechnen, je nachdem, wie viele Haare versetzt werden sollen. Manche gehen es vorsichtig an und legen sich ein paar Jahre später ein zweites Mal unters Messer. Man muss sich den Kopf vor der Operation nicht kahlscheren lassen; wer das aus Eitelkeit will, zahlt deutlich mehr.

Diese Ausgaben treffen einen Mann nur einmal oder höchstens zweimal im Leben. Die meisten Frauen zahlen für die Haarpflege übers Leben gerechnet immer noch viel mehr als ich. Dafür beneide ich sie nicht. (Eric Frey, RONDO, 3.3.2021)