"From hero to zero": Noch 2014 war das Trump Plaza in Betrieb, ...

Foto: AP / Wayne Parry

... nun wird die Ruine gesprengt.

Foto: AP / Wayne Parry

George Clooney stand hier vor der Kamera: für "Ocean’s Eleven", in dem ein gerade aus dem Gefängnis entlassener Ganove alte Freunde rekrutiert, damit sie mit ihm den Tresor eines Kasinos ausrauben. Donald Trump hat hier neben Mike Tyson und Michael Spinks das Blitzlichtgewitter genossen, bevor die Schwergewichtsboxer um den Titel kämpften.

Damals, 1988, zahlte der Unternehmer elf Millionen Dollar, um Tyson und Spinks nach Atlantic City zu holen. Dennoch soll es sich für ihn gelohnt haben, konnte er doch die Werbetrommel für sein Kasinohotel rühren. Auf lange Sicht aber ging die Rechnung nicht auf: Beim Geschäft mit dem Glücksspiel hat sich Trump so kräftig verhoben, dass er in den Neunzigern dicht vor der Pleite stand und US-Banken ihm irgendwann kein Geld mehr liehen.

Am Mittwoch verschwand der Wolkenkratzer, mit dem er in die Branche einstieg, von der Bildfläche: Das Trump Plaza, 39 Stockwerke hoch, wurde gesprengt.

Gigantomanischer Flop

Am 14. Mai 1984 hatte es seine ersten Gäste empfangen. Die Spielhalle war eine Zeitlang die größte in Atlantic City, der Stadt, aus der Trump ein Las Vegas der Ostküste machen wollte. Kurz darauf setzte er mit dem Taj Mahal einen noch gigantischeren Kasinopalast an den Boardwalk, die berühmte Uferbretterpromenade. 1990 eröffnet, meldete das Taj Mahal 1991 zum ersten Mal Bankrott an. Es folgten ein kurzes Comeback und eine erneute Talfahrt; heute steht es leer. Carl Icahn, ein Milliardär, hat es gekauft, stieß es aber bald ab.

Auch für das Trump Plaza hat Icahn keine Verwendung mehr. Seit Jahren vergammelt es. Als einmal ein Frühjahrssturm über Atlantic City hinwegfegte, fielen Teile der Fassade herunter. Die Sprengung ist die logische Folge für Marty Small, den Bürgermeister.

Ein Jurist namens Stephen Dicht, eine Lokalgröße der Demokratischen Partei, schimpft, Trump habe schon genug Schaden in der Stadt angerichtet. "Ich wünschte, er würde verschwinden. So wie dieses Gebäude verschwindet."

Hoffnung auf Boom

Mit dem Schaden sind zum einen die Ruinen gemeint, das Ghosttown-Gefühl, das sie vermitteln. Als Trump auf den Kasino-Zug aufsprang, war in Atlantic City ein paar Jahre zuvor, 1977, das Glücksspiel legalisiert worden. Optimisten, keineswegs nur Trump, träumten von goldenen Zeiten. Als dann aber auch benachbarte Bundesstaaten – New York, Pennsylvania, Delaware und Maryland – Kasinos zuließen, ließ wachsende Konkurrenz den Traum zerplatzen.

Zum anderen machten kleine Baufirmen, denen Trump noch Geld schuldete, teils existenzbedrohende Verluste, als der Mogul seine Insolvenzen anmeldete – auch, um nicht zahlen zu müssen. "Atlantic City hat mir ein enormes Wachstum beschert. Unglaublich, wie viel Geld ich dort machen konnte", prahlte er im Wahlkampf 2016. In weiser Voraussicht, schob er hinterher, habe er die Stadt zum richtigen Zeitpunkt verlassen.

Zehn Dollar für guten Zweck

Small stößt das noch heute bitter auf. Angesichts der Vorgeschichte, argumentierte der Bürgermeister, sei es nur legitim, wenn die Kommune wenigstens aus dem Akt der Sprengung pekuniären Gewinn ziehe. Prominente haben Interesse angemeldet, ihn zu vollziehen. Die Schauspielerin Bette Midler, dem Ex-Präsidenten in inniger Feindschaft verbunden, teilte via Twitter mit, sie hätte große Lust, selbst auf den Sprengknopf zu drücken. Das Recht, den Kopf zu betätigen, sollte an den Meistbietenden versteigert werden. Der Erlös sollte an den gemeinnützigen Verein Boys & Girls Club gehen. Das Gebot lag bei 175.000 Dollar, es schien alles perfekt, bis Icahn Einspruch einlegte.

Immerhin konnte man von einem alten Flugplatz aus zuschauen, wie das Hochhaus in sich zusammenfällt. Für zehn Dollar Eintritt für einen guten Zweck.

Klage angekündigt

Kein guter Tag war es für Trump auch aus einem anderen Grund: Das Heimatschutzministerium kündigte eine Klage gegen den Ex-Präsidenten und dessen Anwalt Rudy Giuliani an. Im Kern geht es um den Vorwurf der Verschwörung im Zusammenhang mit dem Sturm von Trump-Anhängern auf das US-Kapitol am 6. Jänner. Der US-Senat hatte Trump in einem politischen Impeachment-Verfahren dazu freigesprochen, nun könnte ein juristischer Prozess folgen. (Frank Herrmann aus Washington, 17.2.2021)