Wien – Große Aufregung machte sich breit, als der Bitcoin-Kurs am Dienstag plötzlich jenseits der 50.000 Dollar stand. Man kann den Moment durchaus als historisch bezeichnen, galt diese Marke doch als nächster wichtiger Meilenstein für die digitale Währung. Seither springt der Kurs im Sekundentakt zwischen 49.500 und 50.500 Dollar. Eines darf nach einem solchen Kurshoch nicht fehlen: Die Kritiker, die laut "Blase" schreien, und die Befürworter, die sich ob der Entwicklung bestätigt sehen.

Ein nüchterner Blick auf die Zahlen zeigt eine rasante Entwicklung, denn vor einem Jahr kostete ein Bitcoin etwa noch 5.000 Dollar. Es folgte eine virusbedingte Weltwirtschaftskrise und ein beispielloser Höhenflug. Es gibt keinen Zweifel, wir befinden uns in einem massiven Bullenmarkt. Man muss sich aber auch bewusst sein, dass es in einem solchen jederzeit zu Kurskorrekturen von 20 bis 30 Prozent kommen kann. Rechnet man alle existierenden Coins zusammen, ist das Aushängeschild des Kryptomarkts um die 930 Milliarden Dollar wert. Zum Vergleich: Tesla steht bei einer Marktkapitalisierung von rund 780 Milliarden Dollar.

Bitcoin hat mit der 50.000-Dollar-Marke eine wichtige Hürde genommen. Das bedeutet aber noch nicht das Ende der Kursrallye.
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Kurstreiber Elon Musk

Wenn Tesla-Chef Elon Musk auf Twitter etwas von sich gibt, zieht das weltweit oft milliardenschwere Finanzflüsse nach sich. Einerseits kündigte er an, dass Tesla Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptiert, andererseits investierte er selbst 1,5 Milliarden Dollar in die Cyberdevise. Das gab dem Bitcoin-Kurs einen ordentlichen Schub. Es liegt freilich nicht allein an Musk. Die generelle Akzeptanz steigt, und in den vergangenen Wochen häuften sich Meldungen von Konzernen, die sich für Bitcoin öffnen. Dazu zählen etwa Mastercard oder Paypal – und sogar die BNY Mellon, das älteste Finanzinstitut der USA, will demnächst Bitcoins für die Kunden halten. Eine andere US-Großbank, JP Morgen, traut der digitalen Münze einen Kurs von bis zu 140.000 Dollar zu.

All das erhöht den Druck auf die Notenbanken und das klassische Geldsystem. In der Corona-Krise haben die Notenbanken ihre ohnehin schon lockere Geldpolitik noch wesentlich großzügiger ausgestaltet. "2021 ist noch jung, und es könnte das bedeutendste Jahr der Branche werden. Wir werden hier einen Paradigmenwechsel erleben, der die jüngere Generation weiter von den traditionellen Banken entfernt", sagt der Geschäftsführer des Wiener Kryptohändlers Bitpanda, Eric Demuth. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis Bitcoin das neue Gold wird und in die Bilanz der Zentralbanken aufgenommen werde, meint er.

Glaubensfrage

Der Bitcoin ist volatil, der Bitcoin polarisiert, der Bitcoin nimmt manchen Menschen aber auch die Angst vor einer steigenden Inflation. Die Staaten stützen Verbraucher und Unternehmen durch hohe Ausgaben, was die staatliche Schuldenlast stark steigen lässt. Aus dieser Entwicklung könnte eine erhöhte Inflation resultieren, die traditionelle Währungen entwerten würde. Einige Anleger fragen daher verstärkt alternative Anlagen wie Digitalwährungen nach.

Je nachdem, wem man glaubt, ist der Bitcoin die heilbringende Alternative zum Finanzsystem, eine neue Währung, das neue Gold, eine elektronisches Wertanlage oder eine Einladung zum Betrug.

Mittlerweile ist der Kurs wieder auf über 50.000 gestiegen.
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Vielseitige Kritik

Kritik gibt es am Bitcoin von vielen Seiten. In jüngerer Vergangenheit wurde die Kryptowährung aufgrund ihres dezentralen Charakters bei Erpressern beliebt. Nach Cyberattacken auf Firmennetzwerke lassen sie sich in Bitcoin bezahlen, um das System wieder freizugeben. Auch im Darknet ist Bitcoin eine prominente Währung. Andere sprechen von einem riskanten Spekulationsobjekt.

Viel Kritik hagelt es auch für den Energieverbrauch. Die Rechenprozesse beim Mining (dem Produzieren von Bitcoins) werden immer komplexer und brauchen immer mehr Energie. Kürzlich berechneten Forscher der Universität Cambridge, dass die jährlichen Bitcoin-Transaktionen etwa doppelt so viel Strom verbrauchen wie Österreich in einem Jahr. Das, und hier kommt der nächste Kritikpunkt, obwohl bei Bitcoins nur etwa sieben Zahlungen pro Sekunde möglich sind – ein Bruchteil der Kapazität konventioneller Systeme.

Langsame Blockchain

Der Bitcoin erlebte immer wieder herbe Kurseinbrüche. Nach der Kursrallye von 2017, als die 20.000-Dollar-Marke knapp nicht geknackt wurde, ging es steil bergab. Daraufhin rückte die Technologie, auf der alles basiert, die Blockchain, in den Vordergrund. Der Bitcoin sei Mittel zum Zweck, entscheidend für die Zukunft sei die Blockchain, hieß es. Sie dient dazu, Informationen nicht zentral, sondern in einem Netzwerk zu speichern.

Banken und Versicherungen weltweit experimentieren mit der Technologie. Wer nicht dabei sei, habe das Rennen um die Zukunft schon verloren, hieß es. Die Blockchain ist sicher und funktioniert auch. Sie ist aber ebenso langsam und unflexibel, und wirklich praxistaugliche Anwendungsfelder haben sich bisher kaum gezeigt.

Unbekannte Erfinder

Als Reaktion auf die Finanzkrise entwickelte eine Person oder Gruppe mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto 2008 die erste Kryptowährung: Bitcoin. Anders als bei klassischen Devisen kontrollieren hier weder Staaten noch Notenbanken den Wechselkurs. Er wird allein über Angebot und Nachfrage ermittelt. Was als gedachte Alternative entwickelt wurde, könnte aber genau in dieses System eingebaut werden. Nicht alle sind davon begeistert. Beispielsweise will die Chefin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, eine weltweite Regulierung von Bitcoin, und auch die neue US-Finanzministerin Janet Yellen sprach sich für Gesetzesanpassungen aus, um Missbrauch vorzubeugen. (Andreas Danzer, 17.2.2020)