Volle Muskelkraft voraus: Gal Gadot hat in "Wonder Woman 1984" wieder Ärger mit lästigen Männern.

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Wünschen darf man sich doch noch etwas! Warum keinen waschechten Blockbuster, also jenen hochgezüchteten Filmtyp, der das Kino vor der Pandemie mit ermüdender Regelmäßigkeit bestimmt hat – und vermutlich dorthin auch zurückkehren wird, denn die Regale der US-Studios biegen sich unter dem Gewicht fertiger Ware. Warum nicht ein Stück Normalität, eskapistischen Budenzauber fürs Heimkino?

Wunsch erfüllt! Wonder Woman 1984, das Sequel zu Patty Jenkins’ so erfolgreicher DC-Comic-Adaption, die 2017 eine supercharmante Superheldin ins Rennen schickte, ist ab 18. 2. auf Sky abrufbar. Der Film gehörte zur Verschubmasse von 2020, nach langem Hin und Her verkündet Warner, ihn im Dezember in den USA im hauseigenen Streamingkanal HBO Max zu veröffentlichen – als Teil einer geänderten Strategie des US-Majors. In Hollywood hatte dieser Schritt, mit dem sich Warner durch die Corona-Zeit retten will, viel Staub aufgewirbelt, befürchteten doch große Kinoketten, damit wichtiger Zugpferde verlustig zu gehen.

Warner Bros. Pictures

Unter gegenwärtigen Bedingungen scheint Wonder Woman 1984 – ein wenig wie die Amazonenheldin mit ihrem goldenen Lasso selbst – aus einer anderen Ära zu stammen. Nostalgie ist gleichsam bereits in die Form eingraviert: Wenn Diana im Prolog des Films als kleines Mädchen auf ihrer Kindheitsinsel gegen ausgewachsene Gladiatorinnen antritt, dabei über eine hydraulische Monsteranlage springt, reitet und auch noch mit Pfeilen trifft, dann sieht man nicht nur einer jungen Kriegerin zu. Man blickt auf die Maschine selbst, das Attraktionskino, das mitsamt der Hans-Zimmer-Dampfmusik fast rührend alle Stückln spielt. Eine Maschine, die ohne ihren technologischen Booster allerdings etwas ins Leere rattert.

Feine Unterschiede

Nostalgie spielt auch inhaltlich eine Rolle, denn nach dem Ersten Weltkrieg ist Diana (erneut Gal Gadot) diesmal im Orwell-Jahr 1984 angekommen. Der Blick zurück ist auch hier ein Blick, dem es um die feinen Unterschiede zur Gegenwart geht. Den ersten Schlagabtausch leistet sich Wonder Woman mit ein paar Bankräuberrüpeln in einer Shoppingmall, wo treffenderweise auch die Wiege des Blockbusterkinos liegt. Der damalige Zeitgeist wird aber auch an anderen Stellen abgepaust. Zu Dianas Widersacher steigt der schmierige Möchtegernunternehmer Maxwell Lord (Mandalorian-Star Pedro Pascal) auf, ein manischer Proponent der damals grassierenden Yuppie-Welle, der mit seinem "Mehr ist mehr"-Mantra wohl auch als Urtyp eines Ex-US-Präsidenten dienen soll.

Natürlich ist auch Mode allgegenwärtig, nicht nur wenn sich Chris Pine als Dianas Lebensliebe Steve rematerialisiert und Freude an Torheiten wie aufgekrempelten Sakkos und Bananentascherl hat. Pine leistet im komischen Part des In-die-falsche-Zeit-Gefallenen, den schon eine Rolltreppe entzückt, einen der besten Beiträge zur Unterhaltung. Dennoch vermisst man Gadots unzeitgemäße Aura aus dem ersten Wonder Woman-Film, wo sie mit antiken Ehrvorstellungen und einem inneren Glühen verzückte. Sie hat sich an das Leben mit Menschen leider zu sehr gewöhnt.

Unaufgeräumt, lieblos

Wonder Woman 1984 ist das, was man im Amerikanischen so schön als "messy" bezeichnet, eine eher nur notdürftig geleimte, disparate Sammlung an Ideen. Der weltentrückte Tonfall von Teil eins ist größtenteils verschwunden, das Buch splittert die Erzählung in zu viele Episoden auf, die Action wird lieblos dazwischengequetscht. Am beständigsten ist noch Jenkins’ popfeministisch-ironischer Blick auf männliche Nebenfiguren, die sich den Hals verrenken, sobald sie einer Frau ansichtig werden.

Einen besonderen Stellenwert hat dahingehend die tapsige Gemmologin Barbara Minerva, die sich nach der Begegnung mit Diana ersehnt, stark und sexy wie sie zu sein. Im Zuge ihrer Verwandlung kann Kristen Wiig ihre boshafte Seite ausspielen. Mit Wünschen sollte man vorsichtig sein. (Dominik Kamalzadeh, 17.2.2021)