Facebook wurde aufgrund des Vorwurfs manipulierter Reichweitenschätzungen geklagt.

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Möchten Unternehmen ihre Onlinereichweite ausbauen, kommen sie an Tech-Konzernen wie Facebook und Google kaum vorbei. Zumindest nicht, wenn sie ihre Werbekampagnen an möglichst viele Menschen ausspielen wollen. Ein am Mittwoch veröffentlichter Gerichtsakt zeigt jedoch: Facebook scheint Werbetreibende bezüglich der potenziellen Reichweite angelogen zu haben. Ein Facebook-Mitarbeiter warnte deshalb offenbar, dass das Unternehmen Einnahmen verbuchte, die "es nie hätte machen dürfen". Die Konzernführung habe davon gewusst, dennoch sei keine Korrektur erfolgt, berichtet die "Financial Times".

Umsatzeinbruch durch Anpassung

Der Vorschlag eines Mitarbeiters, die Leistungskennzahlen anzupassen, soll von Facebook abgewiesen worden sein, da der Einfluss auf die Konzerneinnahmen zu groß sei. Der Missmut über die unrealistischen Schätzungen soll allerdings mehrere Angestellte auf den Plan gerufen haben. "Der Status quo bei der Schätzung und Berichterstattung von Werbereichweiten ist grundlegend falsch", wird ein weiterer Kritiker in den Gerichtsakten zitiert.

Für die künstliche Überhöhung der Reichweite soll Facebook bewusst Fake-Accounts und Duplikate in die Berechnungen miteinbezogen haben. Auffällig sei dies unter anderem deswegen geworden, weil der Konzern in bestimmten US-Bundesstaaten eine potenzielle Reichweite angezeigt haben soll, die die dortige Bevölkerungszahl überschritt. Facebook argumentierte gegen diesen Vorwurf damit, dass es sich explizit nur um Schätzungen handle. Die Klageschrift hält allerdings dagegen, dass Werbetreibende und Kunden ebendiese angezeigten Daten nutzen, um ihr Budget einzuteilen und zu entscheiden, ob sie Anzeigen schalten wollen.

Facebook weist Vorwürfe von sich

Facebook-interne Untersuchungen sollen zudem schon Anfang 2018 ergeben haben, dass der Konzern mit einem Umsatzeinbruch von zehn Prozent rechnete, wenn Account-Duplikate aus den Berechnungen entfernt würden. "Facebook wusste seit Jahren, dass seine potenzielle Reichweite irreführend war – und hat diese Tatsache verschwiegen, um seinen eigenen Gewinn zu bewahren", zitiert die "Financial Times" die Klage.

Zwar wurde die Grundlage der angezeigten potenziellen Reichweite in der Zwischenzeit angepasst. Eine Schätzung ohne Fake-Accounts und Duplikate sei allerdings auch vergangenes Jahr nicht durchgesetzt worden. In einer Stellungnahme weist Facebook die Vorwürfe von sich und stellte klar, dass sich der Konzern energisch dagegen verteidigen wolle. (red, 18.2.2021)