Rechtskonservative US-Medienstars 2018 unter sich: Rush Limbaugh und Donald Trump bei einer Wahlveranstaltung in Missouri.

Foto: Reuters, Carlos Barria

Begonnen hat es mit einer Radio-Talkshow in Kalifornien, in Sacramento. Rush Limbaugh, zuvor ein mäßig erfolgreicher DJ, begann das Zeitgeschehen zu kommentieren. Forsch und polemisch, mal wie am Stammtisch, mal mit Wortwitz, mal mit verbalen Breitseiten. Vier Jahre später, 1988, bekam er einen Vertrag in New York. Von da an ging es steil aufwärts, bis er auf dem Höhepunkt seiner Karriere 650 Sender im ganzen Land mit seiner Rush Limbaugh Show belieferte und pro Woche fast 20 Millionen Hörer erreichte.

In Palm Beach, wo er am Mittwoch an Lungenkrebs starb, bewohnte er eine Villa direkt am Ozean, während er in seinen besten Zeiten 85 Millionen Dollar im Jahr verdiente.

Eine Erfolgsgeschichte wie aus einem Werbeprospekt für den American Dream, den Aufstieg allein aus eigener Kraft. Vor allem aber ist es eine Geschichte über die politische Spaltung, an deren Vertiefung der rechtskonservative Ideologe kräftig mitwirkte.

Politisches Infotainment

An jedem Werktag, drei Stunden lang, hielt Limbaugh seine Monologe. Mit diesen drei Stunden, schreibt der aus Nebraska stammende Schriftsteller Kurt Andersen, sei das "politische Infotainment" in der Wrestling-Arena gelandet, nach dem Prinzip, dass nun alles erlaubt sei.

Rechte Medienstars wie Limbaugh, dozieren die Politikwissenschafter Jacob Hacker und Paul Pierson in ihrem Buch Let Them Eat Tweets, hätten die Republikaner in Richtung eines Stammesdenkens getrieben.

In eine Wagenburg, die kaum noch Kompromisse mit den Demokraten, mit Angehörigen des verfeindeten Stamms, zulasse. In eine Blase, in der man an Informationen nur noch aufnehme, was ins eigene Weltbild passe.

Trump: "Brillant, absolut brillant"

Die Entwicklung wäre so nicht möglich gewesen, hätte die Federal Communications Commission, die für die Vergabe von Radio- und Fernsehlizenzen zuständige Bundesbehörde, 1987 nicht ihre Regeln geändert. Bis dahin waren die Sender im Interesse objektiver Berichterstattung verpflichtet, bei kontroversen Themen Pro wie Contra zu beleuchten. Nachdem die sogenannte Fairness-Doktrin auf Druck des Präsidenten Ronald Reagan kassiert worden war, schlug die Stunde parteiischer Moderatoren, die Gegenmeinungen nicht mehr abbilden mussten.

Limbaugh war der Pionier, dem etliche Nachahmer folgen, Don Imus, Mark Levin, Glenn Beck, Hugh Hewitt, Bill O’Reilly. Erst sein Erfolg im Radio, sagt Sean Hannity, aktuell der wohl Einflussreichste aus dieser Gruppe, habe Fox News möglich gemacht, den 1996 von Rupert Murdoch ins Leben gerufenen Nachrichtenkanal, in dem die amerikanischen Konservativen bald so etwas wie ihren Haussender sahen. Da war es nur folgerichtig, dass Hannity sein abendliches 60-Minuten-Programm im Fernsehen ausschließlich Limbaugh widmete, nachdem die Nachricht von dessen Tod am Mittwoch die Runde gemacht hatte.

Donald Trump ließ sich telefonisch aus Florida zuschalten, um den Verstorbenen als "brillant, absolut brillant" zu loben.

Tatsächlich hat der Radiomann den Boden für Trump bereitet, indem er das Ausgrenzende kultivierte, zugleich das Schroffe. Es war Limbaugh, der die Political Correctness verdammte und ihr mit einer Sprache begegnete, die keine Hemmungen kannte.

Frauen, die für Frauenrechte kämpften, nannte er "Feminazis". Umweltschützer wurden bei ihm zu Spinnern, die Bäume umarmen. Eine Studentin, die sich dafür einsetzte, dass Krankenversicherungen für Empfängnisverhütung bezahlen, beschimpfte er als Prostituierte, bevor er sie aufforderte, Videos von sich ins Netz zu stellen, die sie bei dem Sex zeigten, den sie dank der Pille habe. Schließlich werde er als Steuerzahler dafür zur Kasse gebeten.

Afroamerikaner, Latinos und Feministinnen, behauptete er, erwarteten staatliche Almosen, für die hart arbeitende weiße Männer aufkommen müssten. Wie später Trump wetterte Limbaugh gegen die angeblich unfairen "Mainstream-Medien", denen man die eigene Sicht – und damit die Wahrheit – entgegensetzen müsse.

Schließlich war es Limbaugh, der kurz nach dem Amtsantritt Barack Obamas erklärte, bislang habe der Mann nicht bewiesen, dass er amerikanischer Staatsbürger sei.

Als wäre der Radiotalker sein Stichwortgeber gewesen, wiederholte Trump den Versuch, den ersten dunkelhäutigen US-Präsidenten zum Fremdkörper zu stempeln. Obama sei vielleicht gar nicht auf amerikanischem Boden geboren worden, sodass er zu Unrecht im Oval Office sitze, wiederholte er das Motiv. Die Kampagne im Frühjahr 2011 gilt im Nachhinein als Probelauf für die Bewerbung fürs Weiße Haus.

Parallelen zu Trump

Noch etwas verband Limbaugh mit dem Milliardär, der sich in der Rolle des Arbeiterführers gefällt und den kleinen Leuten das Gefühl zu vermitteln versucht, er kämpfe gegen das Establishment für ihre Interessen. Auch er stammte aus gutsituierten Verhältnissen. Seine Eltern gehörten selbst zur Elite, zur politischen Elite des Bundesstaates Missouri – der Vater ein Anwalt mit glänzenden Kontakten, seine Mutter gut vernetzt in der Republikanischen Partei. (Frank Herrmann aus Washington, 18.2.2021)