Stunden vor der Entlassung von Forscherin Margaret Mitchell versprach Google neue Richtlinien für Diversität und Forschung

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Erst im Dezember hatte Google mit der Entlassung von Timnit Gebru, einer führenden Ethikforscherin der künstlichen Intelligenz (KI), für Kritik von seinen eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gesorgt. Wie Engadget berichtet, wurde nun auch Forscherin Margaret Mitchell, die zusammen mit Timnit Gebru das KI-Ethik-Team Googles gegründet und geleitet hatte, entlassen.

Richtlinienverstoß

In einer Erklärung begründete der Technologiekonzern die Entlassung Mitchells mit ihrem Verstoß gegen die interne Verhaltens- und Sicherheitsregeln Googles. Die KI-Forscherin habe laut der Stellungnahme "vertrauliche geschäftsrelevante Dokumente und private Daten anderer Mitarbeiter" an Personen außerhalb des Unternehmens getragen.

Wie Axios berichtete, hatte Mitchell ihre internen Nachrichten mithilfe automatisierter Skripte durchsucht, um Beispiele zu finden, die die diskriminierende Behandlung von Ex-Kollegin Gebru belegten, bevor ihr Konto gesperrt wurde.

Auf versöhnliche Ankündigung folgte Entlassung

Die KI-Forscherin wurde am Freitag, fünf Wochen nach ihrer Sperrung, per E-Mail entlassen. Am Donnerstag zuvor hatte Google in einer internen E-Mail angekündigt, seinen Umgang mit Diversität und Forschungsrichtlinien verändern zu wollen. Auch plane man in Zukunft neue Vorgänge für das Verlassen von Mitarbeitern einzuführen. Den Kontrast zwischen der versöhnlichen E-Mail und der folgenden Entlassung Mitchells kritisierte Gebru auf Twitter scharf und warf dem Unternehmen Heuchelei vor.

In der besagten internen E-Mail, die Mitchells Entlassung vorherging, hatte sich Jeff Dean, Chef der Google-KI-Sparte, zu Wort gemeldet, und Versäumnisse bei der Entlassung von Gebru eingeräumt: "Ich verstehe, wir hätten sensibler mit dieser Situation umgehen können und sollen", schrieb Dean. Auch könne er nachvollziehen, welchen Einfluss Gebrus abrupte Entlassung auf Mitarbeiterinnen und jene, die der Black-Community angehören, gehabt habe. (hsu, 20.02.2021)