Die regionale Verbreitung von NHS Covid-19 liegt bei 25 bis 33 Prozent.

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In Österreich war die Contact-Tracing-App "Stopp Corona" monatelang ein heißes Eisen in der Politik. Ende letzten Jahres warb die Regierung erneut dafür, von dem kostenlosen Tool für iPhones und Android-Handys Gebrauch zu machen, um Infektionsketten leichter ausfindig zu machen und damit mehr Ansteckungen zu verhindern.

Aus Großbritannien gibt es nun vorläufige Daten zum tatsächlichen Nutzen der dortigen App des National Health Service (NHS), die in England und Wales angeboten wird. Forscher der Oxford University und des Alan Turing Institute beziffern die Zahl der verhinderten Infektionen auf 224.000 bis 900.000 Menschen (Mittelwerte: 284.000 bzw. 594.000), je nachdem, ob man das Modell auf den App-Benachrichtigungen oder einem geografischen Ansatz aufbaut.

Zahlen

Rund 16,5 Millionen Menschen nutzen laut der Preprint-Studie die "NHS Covid-19 App", die zuerst als zentralisiertes System aufgesetzt war, mittlerweile aber dezentral funktioniert und die Schnittstelle von Google und Apple einsetzt. Je nach Region dürfte sie von einem Viertel bis einem Drittel aller Smartphone-Nutzer heruntergeladen worden sein.

Von allen Nutzern, die über einen wahrscheinlichen Kontakt mit einer infizierten Person oder einer Person unter Infektionsverdacht informiert wurden, dürften laut Schätzung im weiteren Verlauf 6,1 Prozent positiv getestet worden sein. Dank der App-Warnung konnten sie schon vor Erhalt des Testergebnisses frühzeitig ihr Social Distancing verschärfen bzw. sich sicherheitshalber in Quarantäne begeben. 72 Prozent hatten eingewilligt, dass ihre Kontakte über den positiven Test informiert werden.

Die Zahlen reihen sich ein in Ergebnisse aus Spanien und der Schweiz. Auch dort zeigten Untersuchungen, dass Contact-Tracing-Apps zur Unterstützung von manueller Kontaktnachverfolgung geeignet sind.

Kritik

Kritik kommt vom Medieninformatiker Florian Gallwitz, berichtet "Heise". Dieser verweist darauf, dass es die gleichen Forscher waren, die ursprünglich die Idee des Bluetooth-basierten Ansatzes umfassend bekannt gemacht hatten.

Zudem gibt es Diskrepanzen zu Daten aus Dänemark, wo die Ergebnisse von PCR-Tests nach einer App-Warnung direkt erfasst würden und keine Schätzung nötig sei. Hier zeigte sich bislang eine Quote von nur 0,9 Prozent. Für den frappanten Unterschied fehle bisher eine plausible Erklärung. (red, 22.2.2021)