Zebras in Ostafrika laben sich an einem Wasserloch. Hier verbreitet sich das Equine Herpesvirus (EHV) besonders leicht.

Foto: REUTERS/Thomas Mukoya

Wenn sich Tiere in Trockenzeiten an Wasserstellen drängen, kann das mit gewissen Gesundheitsrisiken einher gehen. Sie stecken sich dabei nicht nur direkt untereinander mit Krankheitserregern an, auch das Wasser selbst fungiert als Übertragungsweg. Ein internationales Forscherteam mit österreichischer Beteiligung konnte im Fachjournal "Science of the Total Environment" nachweisen, dass Viren im Wasser länger stabil und infektiös bleiben.

Aus früheren Studien weiß man bereits, dass für Zebras das Gedränge bei den Wasserstellen Stress bedeutet und sie dabei vermehrt Equine Herpesviren (EHV) an ihre Umgebung abgeben. Der Stress wirke wie eine Art Signal auf das Virus und ermögliche es ihm, in das Wasser zu gelangen, wo es dadurch mehr Individuen infizieren könnte, erklärte Alex Greenwood vom Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin. Er leitete die Studie, an der auch Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien teilnahmen.

EHV-Zucht im Labor

Um zu Überprüfen, ob Wasser ein Übertragungsweg für solche Viren sein könnte, nahmen die Forscher Proben aus Wasserlöchern in Regionen in Afrika und der Mongolei mit ausgeprägten Trockenzeiten und versuchten dann, EHV in diesem Wasser zu züchten. Diese Viren kommen sowohl in Afrika als auch in der Mongolei bei Wildtieren vor. Unter Zellkulturbedingungen konnten sie zeigen, dass EHV tatsächlich infektiös bleiben.

Für die Forscher könnte dies auch die Erklärung dafür sein, dass EHV eine überschaubare Evolution aufweisen und sich im Laufe der Zeit kaum verändert. Die in der Mongolei und in Afrika gefundenen EHV waren nahezu identisch mit jenen von Hauspferden.

Stabilität als Erfolgsfaktor

Dies lasse vermuten, dass die Stabilität von EHV im Wasser das Ergebnis eines langen evolutionären Prozesses ist, der dazu führte, dass solche Viren an die Nutzung von Wasser als Übertragungsweg angepasst sind, betonen die Forscher, die nun überprüfen wollen, ob auch andere Viren Wasser als Übertragungsweg nutzen. (red, APA, 22.2.2021)