Das auch noch: Daft Punk lassen es gut sein.

Foto: AP

2001 gaben Daft Punk via Vocoder auf einer ihrer beliebtesten Singles – Harder, Better, Faster, Stronger – noch das Motto aus, dass die Arbeit nie zu Ende sei: Mit den Worten "Work is never over" schließt der Hit des epochalen Albums Discovery. Nun ist sie aber vorbei, zumindest die Hack’n von Guy-Manuel de Homem-Christo und Thomas Bangalter. Nach 28 Jahren löst sich das Duo auf, wie es am Montag in einem mit Epilogue betitelten Video – es ist ein Ausschnitt aus ihrem Film Electroma von 2006 – bekanntgab.

Daft Punk

Darin gehen Daft Punk in die Wüste, wo der mit dem Goldhelm den mit dem Silberhelm – es war immer völlig egal, wer welcher ist oder ob sie überhaupt wahrhaftig in den Anzügen stecken – in stillem Einvernehmen in die Luft sprengt. Dann die Einblendung "Daft Punk: 1993–2021". Bumm, das hat gesessen. Könnten Discokugeln weinen, ständen Clubs jetzt weltweit unter Wasser.

Einen Grund für die Trennung gab die wortkarge Zweiheit nicht an, und trotzdem beschleicht einen das Gefühl, dass es ein großes Statement ist, das Ende einer Ära.

Das Party-Diptychon

Daft Punk waren ein popkulturelles Gesamtkunstwerk, ein Party-Diptychon, eine Idee in Ton und Bild. Als interstellare Roboter, die doch Human After All sein wollten, erreichten sie in ihrem Retrofuturismus eine gewisse Zeitlosigkeit. Generationen nach uns werden sich noch an den tanzenden Mumien im Around The World-Video (Regie: Michel Gondry) erfreuen.

Partizan Official

Dabei erfanden die zwei Franzosen eigentlich nichts, rafften aber alles zusammen, was eh schon cool war, und fügten ihm dann die "daft", also blödsinnige, Note hinzu. Im besten Sinne. Ihr Eklektizismus – ihre Einflüsse reichten von Primal Scream über Fleetwood Mac bis zum Discopapst Giorgio Moroder – war immer respektvoll, immer mit dem Zollen von Tribut verbunden.

Der Zauber an ihrer Musik mag auch daran liegen, dass Daft Punk nicht nur sampelten, sondern mit sogenannten Fake-Samples arbeiteten, also vorgefundenes Material neu aufnahmen und damit ohnehin perfekten Songs und Passagen frische Facetten abgewannen. Daft Punk vereinten (French) House, Disco, Funk und Pop nicht nur, sie destillierten die Essenz von guter Musik. Manche Menschen nennen sie deswegen Minimalisten, doch ist das Gegenteil der Fall: Was auch immer Daft Punk taten, war maximal.

Dancefloor in den Charts

Mit Übernummern wie One More Time brachten sie den Dancefloor in die Charts, mit ihrem Sound beeinflussten sie Legionen an Musikern von LCD Soundsystem (Daft Punk Is Playing at My House) bis zu Kanye West (Stronger), als Produzenten standen sie hoch im Kurs.

2013 gelang ihnen mit Random Access Memories noch einmal ein Riesenerfolg; fünf Grammys heimsten sie für das Album mit der Lead-Single Get Lucky ein, die so omnipräsent wie sonst nur Last Christmas zu Weihnachten war.

Jeden Moment hätte es seitdem wieder so weit sein können, dass Daft Punk neue Musik in den Kosmos werfen, man wusste es bei den beiden ja nie so genau. Doch es kam nichts mehr. Obwohl Daft Punk nun nicht mehr sind, werden sie doch ewig sein. (Amira Ben Soaud, 22.2.2021)