Sars-CoV-2-Partikel unter dem Elektronenmikroskop.

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Wie schwer Menschen an Covid-19 erkranken, hängt von ihrem Immunsystem ab. Geht es um die körperliche Abwehr, ist in der Pandemie meist von Antikörpern die Rede. Sie werden innerhalb von Tagen oder Wochen von den B-Zellen gebildet und bleiben eine Zeitlang erhalten – hierbei handelt es sich um die sogenannte humorale Immunantwort. Antikörper greifen Viren an, bevor diese Zellen befallen können. Sie arbeiten etwa auch in den Sekreten von Mund, Nase, Rachen, Lunge und Darm, umhüllen dort den Erreger und neutralisieren ihn.

Sind die Viren aber bereits in Zellen eingedrungen, kommt die zelluläre Immunantwort zum Tragen, denn Antikörper können die Viren dann nicht mehr erkennen. Hieran sind, neben den T-Zellen, sogenannte natürliche Killerzellen (NK-Zellen) beteiligt. Sie sind – wie B- und T-Zellen auch – eine Untergruppe der Lymphozyten und können virusinfizierte Zellen schon zu Beginn einer Infektion zerstören. Die NK-Zellen bilden etwa 15 Prozent der Lymphozyten, die im Blut zirkulieren. Sie entstehen aus lymphatischen Stammzellen im Knochenmark. In den meisten Fällen entwickeln Infizierte übrigens sowohl eine zelluläre als auch eine humorale Immunantwort.

Vier Prozent betroffen

Auf der Oberfläche besitzen NK-Zellen spezielle aktivierende Rezeptoren, etwa jenen mit der Bezeichnung NKG2C. Dieser kann mit einer infizierten Zelle kommunizieren und sie dadurch zerstören. Bei rund vier Prozent der Bevölkerung fehlt dieser Rezeptor jedoch aufgrund einer Gen-Variation, und bei rund 30 Prozent der Bevölkerung ist der Rezeptor nur teilweise vorhanden, heißt es nun in einer im Fachmagazin Genetics in Medicine veröffentlichten Studie von Forschenden des Zentrums für Virologie der Med-Uni Wien sowie der Klinik Favoriten.

Sie haben herausgefunden, dass genau jene Menschen auch vermehrt schwere Covid-Verläufe entwickeln. Personen, die mit Covid-19 hospitalisiert werden mussten, weisen signifikant häufiger die dem Fehlen des Rezeptors zugrunde liegende Gen-Variation auf als Personen mit milden Verläufen: "Besonders häufig war das Fehlen des Rezeptors bei Patientinnen und Patienten, die auf Intensivstationen behandelt werden mussten, unabhängig von Alter oder Geschlecht", so die Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl.

Große Versuchung

Ihrer Meinung nach ist es dennoch nicht sinnvoll, vorab genetisch untersuchen zu lassen, ob man vom Fehlen dieses Rezeptors betroffen ist – "auch wenn die Versuchung groß scheint", so die Virologin. Letztlich hätte das Wissen darüber keine Konsequenzen. "Wir können ohnehin alle nicht mehr tun, als uns vor einer Infektion so gut wie möglich zu schützen", so Puchhammer-Stöckl. Zudem spielen weitere genetische Faktoren beim Verlauf der Erkrankung eine Rolle.

Die Ergebnisse der Studie könnten aber jedenfalls wegweisend für die Entwicklung von neuen Medikamenten gegen Covid-19 sein. "Möglicherweise lässt sich in Zukunft an dieser Stelle medikamentös eingreifen, um schwere Verläufe zu verhindern." (Bernadette Redl, 24.2.2021)