Lisa Hirner ist erst 17 Jahre alt, aber schon eine Art Vorkämpferin.

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Oberstdorf – Es trifft sich wunderbar, dass, nur wenige Monate bevor Gian Franco Kasper (77) nach 23 Amtsjahren als Präsident des internationalen Skiverbandes Fis abtritt, die Geschlechterparität bei Nordischen Weltmeisterschaften zumindest nominell hergestellt wird. Am Samstag geht es in Oberstdorf um erste Medaillen für Nordische Kombinierinnen.

Dafür, dass der Schweizer Kasper einst den Skisprung aus anatomischen Gründen für Frauen als zu gefährlich befunden hatte, ist das flott gegangen. In Wirklichkeit hinkten die Nordischen hinterher. Und sie hinken ungeachtet der Oberstdorfer Premiere weiter. Olympisch werden die skispringenden und langlaufenden Frauen erst 2026.

Minimalistische Premierensaison

Immerhin könnte sich bis dahin der Weltcup eingespielt haben. Die Premierensaison bestand auch wegen der Pandemie aus genau einem Bewerb, der auch flachgefallen wäre, hätte ihn nicht der Österreichische Skiverband (ÖSV) nach der Absage von Lillehammer nach Ramsau geholt. Also hat sich Mitte Dezember des Vorjahres Tara Geraghty-Moats aus den USA – ohne es zu wissen – mit ihrem Erfolg vor der Norwegerin Gyda Westvold Hansen und der Japanerin Anju Nakamura zur ersten Gesamtweltcupsiegerin aufgeschwungen.

Hirner unterwegs in Ramsau.
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Die je zwei Weltcups in Lillehammer und Otepää, Estland, sind endgültig gestrichen. Nur so gesehen sind die 8800 Franken, also rund 8000 Euro, die Geraghty-Moats mit ihrem Sieg verdiente (6000 Franken für den Gesamtsieg, 2800 Franken für den Einzelerfolg) akzeptabel. Bei den Männern ist jeder Weltcupsieg 8000 Franken wert. Zum Gesamtweltcupsieger, der nochmals rund 1600 Franken kassiert, wird sich wieder der Norweger Jarl Magnus Riiber krönen. Das passt insofern, als sich die Kombinierer in Analogie zu den Zehnkämpfern der Leichtathletik gern Könige der des Nordischen Sports nennen lassen.

Sehr junges Team

Zumindest wie Schneeköniginnen freuen sich vier Österreicherinnen auf ihre Premiere bei der WM. Es ist ein sehr junges Team, das Chefcoach Bernhard Aicher in Oberstdorf über die Normalschanze und die fünf Loipenkilometer schickt. Lisa Hirner ist mit 17 Jahren die Zweitjüngste, gilt aber dennoch als Zugpferd. Die Eisenerzerin, aus einer äußerst sportlichen Familie stammend – Onkel Adolf und Vater Günther Hirner waren etwa satisfaktionsfähige Skispringer –, ist überzeugt davon, dass die weibliche Kombination in kurzer Zeit den Stellenwert erreichen kann, den die Skispringerinnen bereits erreicht haben. "Bei uns ist die Entwicklung schnell gegangen, innerhalb von vier Jahren praktisch. Mittlerweile kann man unsere Springen und Rennen schon gut ansehen."

Die Bronzemedaillengewinnerin der jüngsten Juniorinnen-WM in Lahti erhofft einen Schub durch die WM und eine ordentliche nächste Weltcupsaison. Mehr Wettkämpfe bot zuletzt der Kontinentalcup, "der hat das gleiche Niveau, aber einen anderen Namen. Unsere Preisgelder sind noch tiefer, es sollte aber von Jahr zu Jahr bessere werden, wenn’s populärer wird."

Die WM bietet zumindest im TV eine erste, ganz große Bühne. Dass keine Zuseher an der Schanze und der Loipe dabei sein können, bedauert Hirner zwar pflichtschuldig, "aber eine erste WM ohne Menschenmenge könnte für mich persönlich sogar ein Vorteil sein". Wegen der Nervosität wär’s.

Ohnehin wird es einen perfekten Wettkampf brauchen, um in Medaillennähe zu kommen. Das gilt auch für die erst 16-jährige Oberösterreicherin Sigrun Kleinrath, die im Weltcup unmittelbar vor Hirner Fünfte wurde, die Tirolerin Annalena Slamik (17) und die Salzburgerin Claudia Purker (21), die als einzige als Umsteigerin (vom Spezialspringen) zum Team stieß. (Sigi Lützow, 26.2.2021)