John Geddert mit Jordyn Wieber bei Olympia 2012 in London.

Foto: AP/ Gregory Bull

Washington – Der frühere Erfolgstrainer John Geddert, gegen den im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal im US-Kunstturnen ermittelt wurde, hat sich kurz nach Erhebung der Anklage das Leben genommen. Dies bestätigte Michigans Attorney General Dana Messels am Donnerstag. Sie nannte Gedderts Suizid ein "tragisches Ende einer tragischen Geschichte".

Zuvor war am Donnerstag verkündet worden, dass Geddert unter anderem wegen Menschenhandels und krimineller sexueller Handlungen angeklagt wurde. Die Anklageschrift gegen Geddert, der die US-Frauen bei Olympia 2012 zu Gold geführt hatte, umfasste 24 Punkte.

Geddert wurde eine große Nähe zum ehemaligen Teamarzt Larry Nassar vorgeworfen, einem überführten Sexualverbrecher, der im Dezember 2017 wegen des Besitzes kinderpornografischen Materials eine 60-jährige Haftstrafe erhalten hatte. Der Mediziner soll zudem über Jahrzehnte junge Turnerinnen unter dem Deckmantel ärztlicher Aufsicht missbraucht haben. Nassar arbeitete in einem Trainingskomplex, der in Gedderts Besitz war.

Messels schrieb bei Twitter: "Bei diesen Vorwürfen geht es um verschiedene Arten von verbalem, physischem und sexuellem Missbrauch, begangen von dem Beklagten gegen verschiedene junge Frauen." Messels dankte den "Überlebenden, die mit uns bei den Ermittlungen kooperiert und mutig ihre Geschichte erzählt haben".

Geddert soll unter anderem Nassars Machenschaften gedeckt haben. Weder der ehemalige Trainer noch sein Anwalt hatten sich zu den Anklagepunkten geäußert. Zudem wurde Geddert zweier sexueller Übergriffe beschuldigt. In beiden Fällen geht es um namentlich nicht genannte Athletinnen im Alter von 13 und 16 Jahren.

Auch habe Geddert die jungen Sportler unter harten, teils unwürdigen Bedingungen arbeiten lassen. Dabei hätten die Athletinnen zum Teil Verletzungen davon getragen, Geddert hätte Zwang und Androhung von Gewalt genutzt, um sie gefügig zu machen. (sid, 25.2.2021)