In Japan gehören Roboter vielfach bereits zum Alltag. Aber vieles lässt sich noch nicht automatisieren.

Foto: Reuters/Issei Kato

Es sind Fragen, die sich Wissenschafter, Politiker und Arbeitnehmer – diese zumeist besonders sorgenvoll – seit vielen Jahren stellen: Wie viele und vor allem welche Jobs wird die Automatisierung in Zukunft vernichten? Und welche Arbeitsplätze entstehen neu?

Durch die Corona-Pandemie haben die Skeptiker wieder Oberhand gewonnen: Um Infektionsherde in Zukunft besser zu verhindern und die Effizienz zu erhöhen, würden Unternehmer zunehmend Arbeitsplätze durch Roboter und Automatisierungstechniken ersetzen, so die Prognosen. Supermärkte und Geschäfte, die Kassierer durch Selbstzahlkassen ersetzen, Hotels, die Putzroboter einsetzen, und Maschinen, die beinahe alle Arbeitsschritte in der Industrie übernehmen – mit Corona werde kaum ein Stein auf dem anderen bleiben, und Millionen an Jobs würden auch nach der Pandemie nicht auf den Arbeitsmarkt zurückkehren, so die Vorhersagen. Könnten sie sich bewahrheiten?

Japans Roboterbegeisterung

Nicht unbedingt. Denn entgegen der generellen Angst, dass Roboter unsere Arbeitsplätze vernichten, könnten sie genauso gut zu mehr Arbeit und besserer Bezahlung führen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von Wissenschaftern, die sich die Entwicklung der Automatisierung in Japan von 1978 bis 2017 angesehen haben.

Das Land gilt seit jeher als roboterbegeistert: Mehr als 250.000 Industrieroboter sind dort rund um die Uhr im Einsatz, hinzu kommen tausende humanoide Unterhaltungsroboter, Tierroboter, soziale Roboter und Überwachungsroboter. Können wir von der Geschichte und Einstellung Japans zu den Maschinen lernen?

Niedliche Roboter

Japan hatte schon von Beginn an ein sehr spezielles Verhältnis zu Robotern. Die heimische Produktion der Maschinen startete bereits in den 1970er-Jahren – früher als in den meisten anderen Industrienationen. Ganz anders als Medien im Westen, die Roboter oft als jobstehlende Terminatoren darstellen, jederzeit bereit, die Revolution von Maschine gegen Mensch einzuleiten, kommen Roboter in der Popkultur Japans häufig als niedliche und liebenswerte Wesen vor. Roboteringenieure und Wissenschafter im Land sehen die Technologie eher als Hilfe und Ergänzung denn als Ersatz für uns Menschen.

Es ist eine Hilfe, die vor allem Trends wie der schrumpfenden und alternden Bevölkerung entgegenwirken soll. Geht es nach den Befürwortern, sollen Roboter etwa in Altersheimen und Krankenhäusern zum Einsatz kommen, in denen es bereits jetzt an Personal mangelt.

Dafür wurden bereits Technologien wie Telenoid entwickelt, ein bein- und armloser Roboter, über den ein Mitarbeiter mit den Bewohnern und Bewohnerinnen kommunizieren kann. Auch in Restaurants, in der Industrie und bei Rettungsdiensten werden die Roboter eingesetzt. In Zeiten von Pandemien sollen die Maschinen Menschen gegen Einsamkeit helfen und als Rede- und Spielgefährten dienen.

Laut Entwicklern kommt Telenoid gut bei den Bewohnern an. Kritiker finden, dass der Roboter zu gruselig aussieht.
Foto: APA/AFP/YOSHIKAZU TSUNO

Mehr Arbeitsplätze

Anstatt Jobs zu vernichten, könnten die Roboter fast wie Magneten wirken, die Arbeitskräfte in der Region halten, schreiben die Forscher in ihrer Studie. Eine einprozentige Erhöhung beim Einsatz von Robotern führe zu einer Erhöhung der Beschäftigung in der Bevölkerung um 0,28 Prozent. Jeder einzelne Roboter, der pro tausend Arbeitern und Arbeiterinnen hinzugefügt werde, erhöhe die Beschäftigung um 2,2 Prozent.

Gleichzeitig gehe mit den Robotern auch die Bezahlung für die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen nach oben, was die Wissenschafter mit den positiven Effekten der Maschinen auf die Produktivität der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zurückführen. Die höhere Produktivität habe wahrscheinlich zu den steigenden Exporten bei Maschinen und in der Industrie beigetragen, was wiederum zu mehr Arbeitsplätzen im Land führte, argumentieren die Forscher.

Umschulungen

Den Wissenschaftern und Wissenschafterinnen ist aber auch klar: Ganz ohne Arbeitsplatzverluste für bestimmte Bevölkerungsgruppen kann es nicht gehen, weshalb die Angst einiger Arbeitnehmer vor der Automatisierung durchaus begründet ist.

Die Lösung für viele Experten und Expertinnen ist aber nicht, die Automatisierung und Technologisierung aufzuhalten, sondern mit Umschulungen, Weiterbildungen und neuen Unterstützungsmodellen die sozialen Umwälzungen in der Bevölkerung abzufedern. Und vielleicht könnten wir dann am Ende den maschinellen Begleitern auch hierzulande ein wenig Liebenswürdigkeit und Gefallen abgewinnen. (Jakob Pallinger, 1.3.2021)