Die Demonstration zum Frauentag im Vorjahr in Mexiko-Stadt. Die Farben der Frauenbewegung (Lila, Grün und Weiß) sind von der britischen Women's Social and Political Union aus dem Jahr 1908 entliehen.

Foto: REUTERS/Henry Romero

Zwar haben bereits die Gewerkschafterinnen in New York im Jahr 1911 "Bread and Roses" gefordert – aber damit waren keine Blumensträuße gemeint, wie sie zur heutigen Zeit am Weltfrauentag verteilt werden. Der Slogan der tausenden streikenden Textilarbeiterinnen hatte damals zum Ziel, dass jede Frau einen angemessenen Lohn – oder Brot – sowie menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen – oder Roses – erhält.

Bereits ein Jahr zuvor hatte die deutsche Sozialistin Clara Zetkin auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen einen jährlichen Frauentag gefordert, an dem der Kampf der Frauen um Gleichberechtigung in den Vordergrund gerückt werden sollte. Zur damaligen Zeit hatten nur finnische Frauen das Wahlrecht – und weltweit war es Frauen erst seit dem Jahr 1893 in Neuseeland erlaubt, ihre Stimme abzugeben.

Neue Kernthemen nach 1918

Am 19. März 1911 war es schließlich so weit, und in der Schweiz, Dänemark, Deutschland und Österreich-Ungarn gingen tausende Frauen und Männer für die Forderung nach einem freien, geheimen und gleichen Wahlrecht auf die Straße. In Wien marschierten an dem Tag rund 20.000 Menschen über den Ring. Etwas mehr als sieben Jahre später wurde die Forderung dann zumindest in Österreich Realität – mit dem Zerfall der Habsburger-Monarchie am 12. November 1918 erhielten auch die Frauen das Wahlrecht.

Mit diesem Meilenstein verlor die feministische Bewegung aber ihren Antrieb und musste sich um neue Forderungen formieren. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, die Einführung des Achtstundentags und das Recht auf sichere Abtreibungen kristallisierten sich bald als Kernthemen heraus, mit denen die neuentstandene Wählerschicht von den Parteien für sich gewonnen werden wollte.

Frauentag unter den Nazis und in der DDR

Mit dem Verbot der sozialdemokratischen und kommunistischen Parteien in Deutschland und Österreich unter der nationalsozialistischen Herrschaft und auch bereits im Austrofaschismus wurde schließlich auch der Frauentag abgeschafft. Das Bild der selbstbestimmten Frau wollte so gar nicht zum Nazi-Ideal der Hausfrau und Mutter passen. Dabei war das Frauenbild zu der Zeit sehr ambivalent und weibliche Arbeitskraft in der Rüstungsindustrie gefragt.

In den 1950er-Jahren wurde der Frauentag vor allem zu einer politischen Veranstaltung, bei der zwar Frauen geehrt wurden, die Ehrungen aber die männlichen Führungskräfte vornahmen. Vor allem in der DDR und in Osteuropa wurde er auf solche Art zelebriert. Die deutsche Feministin Alice Schwarzer nannte ihn deshalb einmal den "sozialistischen Muttertag".

Die Februarrevolution im März

Dabei ehrt das Datum 8. März den Kampfgeist der russischen Frauen, die mit ihren Protesten im Jahr 1917 die Februarrevolution einleiteten, die schließlich zur Abdankung des Zaren führte. Februarrevolution deshalb, weil Russland damals noch den julianischen Kalender verwendete – mit der Umrechnung auf den gregorianischen Kalender fiel der Beginn der Frauenstreiks auf den 8. März. Die Vereinten Nationen legten das Datum im Dezember 1977 offiziell als Weltfrauentag fest, der seit 2019 etwa auch im deutschen Bundesland Berlin ein offizieller Feiertag ist. (Bianca Blei, 8.3.2021)