Der Burj Khalifa in Dubai wurde im April 2008 noch in der Bauphase das höchste Gebäude der Welt. Eröffnet wurde der 828 Meter hohe Wolkenkratzer im Jänner 2010.

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Seite 2018 geht beim Bau des Jeddah Towers, der einen Kilometer hoch werden sollte, nichts mehr weiter. Möglicherweise bleibt der Turm eine Ruine.

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Der Varso Tower in Warschau ist zwar rein von der Gebäudehöhe her "nur" 230 Meter hoch, mit seinem 80 Meter hohen Antennenaufbau ist er aber nun das höchste Gebäude der EU.

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Welches Gebäude ist das höchste der Welt? Seit mehr als zehn Jahren lautet die Antwort auf diese Frage: der Burj Khalifa in Dubai. Mit seinen 828 Metern ist er sogar das höchste Bauwerk der Welt, denn auch keiner der zahlreichen Sendemasten und Aussichtstürme, die bis dahin die Kategorie "Bauwerk" dominiert hatten, überragt ihn.

Mit seiner Fertigstellung 2009 und seiner Eröffnung 2010 ließ der Burj (arabisch für "Turm") mit 163 nutzbaren Etagen (insgesamt sind es sogar 189) das bis dahin höchste Bauwerk, den CN Tower in Toronto (553 Meter), weit hinter sich. Letzterer ist heute übrigens nur noch die Nummer acht im weltweiten Ranking.

Eigentlich sollte auch der Burj Khalifa an der Spitze längst schon wieder abgelöst sein. Denn 2013 begann die Saudi Binladin Group in der saudiarabischen Hafenstadt Jeddah, also an der Westküste der arabischen Halbinsel, mit dem Bau des Jeddah Towers. Der sollte noch wesentlich höher als der Burj Khalifa werden, nämlich etwas mehr als einen Kilometer hoch. Und der Bau des von Adrian Smith + Gordon Gill Architecture geplanten gigantischen Turms mit 167 Stockwerken und 530.000 Quadratmetern Gesamtfläche hätte 2017 abgeschlossen werden sollen. Doch es kam anders.

Baustelle "on hold"

Im Jänner 2018 wurden die Arbeiten an dem Wolkenkratzer, der ursprünglich Kingdom Tower genannt wurde (das Stadtentwicklungsprojekt rundherum wurde später von Kingdom City in Jeddah Economic City umbeannnt), bei einer Höhe von 256 Meter eingestellt. Gründe dafür sollen finanzielle Probleme sein, auch im Zusammenhang mit der 2017 durchgeführten Antikorruptionsaktion. Damals wurden auf einen Schlag 381 Personen verhaftet, auch der Chef der Binladin Group befand sich darunter.

Wie es nun mit dem Bau des einen Kilometer hohen Turms, der u.a. Büros, Wohnungen, ein Einkaufszentrum, ein Hotel und die höchstgelegene Aussichtsplattform der Welt beherbergen sollte, weitergeht, ist völlig offen. Genaueres weiß man auch beim österreichischen Schalungsbauer Doka nicht, der zur Umdasch Group gehört und 2014 einen Auftrag "im unteren bis mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich" für den Bau des Towers an Land zog.

Mittlerweile ist bei Doka, wo man generell sehr unter eingebrochener Auftragslage leidet und deshalb im Herbst den Abbau von 300 Stellen in Amstetten bekanntgab, Ernüchterung eingekehrt. Das Projekt Jeddah Tower sei "on hold", sagt ein Sprecher, und das dürfte noch länger so bleiben. Mehr wisse man in Amstetten auch nicht, der Auftrag wird direkt vor Ort abgewickelt. Ob schon etwas von den bisher erbrachten Leistungen bezahlt wurde? Kein Kommentar.

Zweiter 1000-Meter-Turm in Kuwait City

Und so wird der Burj Khalifa wohl noch sehr lange das höchste Bauwerk der Welt bleiben. Generell scheint aus dem in den 1990er-Jahren gestarteten Wettbewerb, wer den höheren Turm bauen kann, ordentlich die Luft draußen zu sein.

Neben dem Jeddah Tower wäre laut dem Council on Tall Buildings and Urban Habitat (CTBUH) zwar auch in Kuwait City noch ein mehr als 1.000 Meter hoher Turm geplant, dessen Realisierung ist aber ungewiss.

Neuer höchster Turm in der EU

In Europa ist die Liste der höchsten Wolkenkratzer fest in russischer Hand. Das höchste Gebäude Europas ist seit Jänner 2018 das Hochhaus des Lakhta Centers in St. Petersburg, sechs Moskauer Türme folgen auf den Plätzen.

Und in der EU gibt es seit kurzem einen neuen Spitzenreiter, das liegt allerdings hauptsächlich daran, dass die Briten die EU verlassen haben. "The Shard" in London war bis vor kurzem mit 310 Metern Gesamthöhe das höchste Gebäude der EU. Der noch in Bau befindliche Varso Tower in Warschau erreicht bis zum Dach zwar nur eine Höhe von 230 Metern, bekam aber kürzlich einen nicht weniger als 80 Meter hohen Antennenaufbau, was ihn mit seiner "architektonischen Höhe" von 310 Metern nun zur Nummer 1 in der EU macht.

Der 53-stöckige Gewerbeturm wurde von Foster+Partners geplant, die Fertigstellung ist für 2022 vorgesehen. Dann wird man auch die beiden Aussichtsplattformen auf 205 und 230 Metern Höhe nutzen können.

Wenn man nur die "feste Höhe" ohne Aufbauten betrachtet, ist und bleibt derzeit der Commerzbank Tower in Frankfurt/Main mit 259 Metern höchstes Gebäude der EU. (Martin Putschögl, 7.3.2021)