Kanzler Kurz war auf Impfmission in Israel.

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Die gute Nachricht zuerst: "Österreich"-Reporter in New York geimpft. Vom dortigen "Krone"-Reporter hat man nichts dergleichen gehört. Niemand muss also fürchten, die Amerika-Berichterstattung des Fellner-Blattes müsste leiden. Aber einfach war’s nicht. Nach Wochen frustrierender Terminjagd auf der digitalen Plattform des New Yorker Spitalswesens habe ich doch plötzlich Glück. Ich fahre mit der Subway in die Bronx. Es stehen 30 Menschen bereits an. Es folgt der Check-in, aber bald geht es Stich auf Stich. Die "Impferin" holt das Pfizer/Biontech-Präparat. Dann geht alles in Sekunden. Der Oberarm wird desinfiziert. Es folgt –wer hätte das gedacht? – die Spritze. Ich spüre nichts. Nur ein Glücksgefühl. Wenn das die Leser/-innen von "Österreich" nicht überzeugt, sich impfen zu lassen, hilft nichts mehr. Das Blatt spendet Glücksgefühl selten.

Der Bundeskanzler fährt in Sachen Impfstoff nicht mit der Subway in die Bronx, dafür aber nach Israel. Es handelt sich dabei um nicht weniger als um den Start zur Impf-Mission. Aber schon vor der Israel-Reise verstärkt der Impfmissionar die Bemühungen um einen Austro-Impfstoff. Er will dabei so viel Expertise wie möglich im Gepäck haben, wenn er mit der dänischen Premierministerin Mette Frederiksen nach Tel Aviv fliegt, um mit Israels Benjamin Netanjahu eine gemeinsame Impfstoffproduktion zu besprechen.

Auf ein Jaukerl nach Nowosibirsk

Damit Putin, der eben die Außenministerin des ersten Kabinetts Kurz zur Gazprominenten befördert hat, nicht gekränkt ist, streckt Kurz indes auch die Fühler nach Russland aus, um eventuell eine Produktion des Sputnik-Vakzins nach Österreich zu holen. Der russische Botschafter Dmitri Ljubinski hat mit den Kurz-Leuten am Montag bereits darüber gesprochen. Womit die Abfüllung der Österreich-Leute mit Sputnik so gut wie geritzt ist. Ob Sputnik so wie die chinesischen Masken dann auch in Österreich produziert oder nur umgefüllt wird oder ob die Österreicher auf ein Jaukerl nach Nowosibirsk reisen müssen, ist noch offen, aber kein Problem.

Denn Österreich mischt ja da an vorderster Front mit, wofür "Österreich" einen handfesten Beweis liefert: Anschober-Berater Clemens Martin Auer – er gilt als ÖVP-nahe – ist bekanntlich Vize-Chef der EU-Impfbeschaffungskommission. Darum hat in Österreich mit dem Impfstoff bisher alles so gut funktioniert. Bevor die Produktion anläuft, sollte man unbedingt auf Penninger nicht vergessen, der seit langem ein Rezept in der Lade hat.

"Dirty Campaigning"

Die schier unglaubliche Leistungsfähigkeit des Bundeskanzlers zeigt sich daran, dass er neben seiner Impf-Mission auch noch Zeit hat, sich gegen das "Dirty Campaigning" des Chefredakteurs von "Zackzack" zu wehren, dessen Tätigkeit er eher als Hickhack empfindet. Sein Stil dabei ist laut "Presse" neu: Angriffe auf die WKStA vermied Sebastian Kurz dieses Mal allerdings, brachte aber sehr wohl zum Ausdruck, dass es ihn wundere, dass Walach innerhalb von zwei Tagen einen Termin von der WKStA zur Zeugeneinvernahme bekomme. So neu war der Stil dann doch nicht. In "Österreich" beklagte er: "Als Kanzler würde ich nicht so schnell einen Termin kriegen." Was vielleicht daran liegt, dass sich die Staatsanwaltschaft nach allem, was bisher geschah, von ihm keine Aufklärung erwartet.

Um eine Abregung in dieser schweren Zeit war "Kurier" -Leitartikler Richard Grasl bemüht, aber nur halbherzig. Einerseits wird angezeigt, denunziert und verschworen, was das Zeug hält, aber wenn dann in vielen Jahren von der Justiz alles geklärt ist, liegen die Beteiligten längst am Schlachtfeld, egal ob schuldig oder nicht. Aber bitte nur zur Klarstellung: Der Maskenskandal könnte – wenn die Vorwürfe stimmen – ein riesiger Wirtschaftskrimi werden. Bei öffentlichen Aufträgen muss es maximale Transparenz geben, verwandtschaftliche Verhältnisse gehören nicht in die Bestbieter-Bewertung. Und Parteispenden gegen konkrete Gesetze oder Vorteile sind Korruption und strafbar.

"Beim Staatsanwalt anzünden"

Das war aber mutig. Dabei verstellen die aufgeregten Debatten den Blick auf die wichtigeren Dinge. Wenn der Kanzler Journalisten zum Hintergrundgespräch bittet, erwarten wir uns eine neue Strategie für mehr Impfstoff oder wie man eine Pleitewelle verhindert. Stattdessen beklagt sich der Regierungschef über einen sich Chefredakteur nennenden Parteigänger einer politischen Internet-Plattform, der ihn beim Staatsanwalt anzünden wollte.

Aber keine Sorge, wenn die österreichische Sputnik-Produktion angelaufen ist, muss sich kein "Österreich"-Reporter in der Bronx impfen lassen. (Günter Traxler, 7.3.2021)