Was die Aufregung rund um das Oprah-Interview von Harry und Meghan deutlich gezeigt hat, ist der Doppelstandard, mit dem das britische Königshaus auf Anschuldigungen gegen seine Mitglieder reagiert: In dem Moment, als klar wurde, dass Meghan – ähnlich wie Lady Diana – Kratzer im Image der royalen Familie hinterlassen werde, holte der Palast zum Gegenschlag aus. Auch Meghan sei keine Heilige, Vorwürfe gegen die Herzogin wegen Mobbings von Personal aus dem Jahr 2018 sollen untersucht werden.

Harry und Meghan zu Gast bei Oprah Winfrey.
Foto: AP/Joe Pugliese

Doch was ist mit den Anschuldigungen gegen andere Royals? Etwa gegen jene, denen Meghan Rassismus vorwirft und die sie bei ihrem Wunsch nach Behandlung wegen psychischer Probleme nicht unterstützt haben sollen? Auch hier wären Nachforschungen angebracht.

Die Nähe von Königinnensohn Prinz Andrew zum US-Investor Jeffrey Epstein, dem Missbrauch von Minderjährigen vorgeworfen wurde, hatte nur interne Folgen. Andrew verlor 2011 seinen Posten als britischer Sonderbeauftragter, 2019 schließlich alle Aufgaben im Namen des Königshauses. Dreimal soll Andrew eine 17-Jährige missbraucht haben. Doch auch hier: keine öffentliche Stellungnahme, keine Untersuchung der Vorwürfe. Bis heute kooperierte Andrew nicht mit den US-Behörden. Aber vielleicht hat das damit zu tun, dass der Prinz keine Kritik am Königshaus geäußert hat? (Bianca Blei, 8.3.2021)