"Ich erkenne den Unterschied nicht", sagte Palmers-Chef Tino Wieser zum STANDARD. Auch bei Lenzing gibt man sich überfragt, wenn es um den Unterschied zwischen den China-Masken und der eigenen Ware geht.

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Es wirkt schon reichlich bizarr: Der krisengeschüttelte Maskenhersteller Hygiene Austria, das arg zerrüttete Krisenprojekt von Palmers und Lenzing, gab zwar zu, die wachsende Nachfrage auch mit Masken aus China abgedeckt zu haben. Doch was jene Masken aus dem fernen Osten eigentlich von jenen unterscheidet, die mit Recht als "made in Austria" angepriesen werden konnten, das können oder wollen die handelnden Personen nicht sagen. Was sich sicher sagen lässt: Es sind zwei unterschiedliche Modelle im Umlauf.

"Ich selbst bin seit einem Jahr im Maskengeschäft, ich erkenne den Unterschied nicht", sagte Palmers-Chef Tino Wieser in einem Interview mit dem STANDARD zur China-Masken-Diskussion. Auch bei Lenzing wird man auf Nachfrage nicht gescheiter. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft will dazu noch nichts sagen und verweist auf das laufende Verfahren. Beim Verein für Konsumenteninformation ist man noch auf der Suche nach Hinweisen.

Wer ein paar Masken der Hygiene Austria zu Hause hat, dem könnten bereits die zwei unterschiedlichen Modelle aufgefallen sein. Nicht jede Maske gleicht der anderen.

Die offensichtlichen Unterschiede

Optisch stechen Unterschiede in die Augen: Die kleine Fläche, an der das Gummiband mit der Maske verschweißt ist, ist bei manchen Masken rund, bei anderen rechteckig. Es gibt Masken, deren Rand mit einer Doppelreihe kleiner Löcher perforiert ist, und solche, deren Rand gerippt ist. Auch bei den Strukturen rechts und links der Nase gibt es Unterschiede. Die obere strichlierte Linie ist bei der einen Variante nicht nur grober, sie zählt auch fünfzehn und nicht nur zwölf aneinandergereihte Rechtecke. Der Nasenbügel ist nur bei einem Modell völlig umschlossen perforiert. Nicht zuletzt ist auch der Stempel auf der einen Variante größer und klarer lesbar als auf der anderen.

Laut Insidern soll es sich hierbei um die "Made in Austria"-Variante der FFP2-Masken handeln. Markant sei beispielsweise die Doppelreihe kleiner Löcher am Rand oder die runden Eingänge bei den Gummibändern.
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Laut Informationen, die DER STANDARD von einem Insider erhalten hat, soll es einfach sein, die chinesische von der österreichischen Ware zu unterscheiden. So sollen die FFP2-Masken mit geripptem Rand und rechteckigen Schweißflächen die chinesischen sein. Wieser meint, dass sich niemand Sorgen um den Schutz machen müsse. "Wir haben die Masken übers Wochenende erneut testen lassen", erklärt der Palmers-Chef.

Allerdings berichtet der Informant auch, dass ab Herbst die Produktion von Mund-Nasen-Schutz in Wiener Neudorf stärker auf FFP-Masken umgerüstet worden sei. Im Oktober sei nur eine FFP-Maschine im Einsatz gewesen. Die zusätzlichen Maschinen seien gebraucht gekauft worden – dass die mit unterschiedlichen Maschinen in Österreich produzierten Masken unterschiedlich aussehen, konnte nicht widerlegt werden.

Die Masken aus China seien wiederum am gerippten Rand erkennbar, meint ein Insider. Die Schweißflächen sind auf diesem Modell außerdem rechteckig.
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Dem STANDARD liegt jedenfalls eine Maskenpackung vor, die vor einigen Wochen im Supermarkt geordert wurde. Zehn von zehn Stück sollen nach der Insidertheorie der chinesischen Variante entsprechen. Eine 20er-Packung, die erst am vergangenen Wochenende bestellt wurde, enthält nun ausschließlich jene Variante, die laut einem ehemaligen Mitarbeiter des Werks in Wiener Neudorf als "made in Austria" tituliert wird. (Jan Michael Marchart, Aloysius Widmann, 10.3.2021)