Trotz Insolvenz erhofft man sich eine große Zukunft für "Shadow".

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Während Google, Nvidia und Sony bei ihren Gamesstreaming-Diensten den Netflix-Ansatz verfolgen, geht der französisch-amerikanische Anbieter Blade mit seinem Service "Shadow" einen anderen Weg. Hier zahlen Spieler monatlich für den Fernzugang zu Highend-Gaming-Hardware. Also quasi einen virtuellen Windows-Rechner, auf dem sie Dienste wie Steam nutzen können und ihre dort bereits erworbenen Games via Streaming installieren und spielen können.

Das soll größere Freiheit bieten, als auf die Spielebibliothek anderer Anbieter angewiesen zu sein, und gleichzeitig die Anschaffung eines eigenen Rechners mit teurer Ausstattung obsolet machen.

Kosten für Infrastruktur zu hoch

Ein Konzept, das – so geht aus einem Blogeintrag des Unternehmens hervor – einerseits sehr gut funktioniert, aber andererseits auch nicht. Von "Gamesindustry" aufgespürte Gerichtsdokumente zeigen, dass Blade Insolvenz angemeldet hat. Man wurde vom eigenen Erfolg gefressen, schreibt die Firma. Heißt: Der Nutzeransturm war groß, die Kosten für den Betrieb der Infrastruktur konnte man aber nicht decken.

Der ebenfalls französische Infrastrukturanbieter 2CRSI fordert von Blade 3,7 Millionen Euro, die dieser ihm mittlerweile schulden soll. Andernfalls droht man mit dem Einzug der noch nicht abbezahlten Gaming-Hardware.

Neustart angestrebt

Gerade aber weil man nicht an mangelndem Interesse gescheitert ist, will Blade mit Shadow weitermachen. Die Firma soll einer Neuorganisation unterzogen werden. Zudem begibt man sich auf die Suche nach frischem Investorengeld in Frankreich und den USA. Damit sollen die Schulden abbezahlt und wieder Ressourcen für die Weiterentwicklung des Dienstes lukriert werden. Man will in einigen Wochen mehr zum Stand der Dinge sagen.

Für bestehende Nutzer des Basisdiensts Shadow Boost soll sich zumindest vorläufig nichts ändern. Auch jene, die sich für Shadow Boost vorangemeldet haben, sollen ab dem zugesicherten Datum Zugriff bekommen. Die Vorbestellungen für die angekündigten Varianten Shadow Ultra und Shadow Infinite in Europa bleiben erhalten. Die geplante Veröffentlichung dieser zwei Varianten in Kalifornien und New York wird aber auf Eis gelegt, bis die neuen Eigentümerverhältnisse feststehen.

Blade konnte zuletzt Ende 2019 rund 33 Millionen Dollar an Investitionen für Shadow einsammeln. Damals meldete der Dienst, 65.000 User zu haben. Interessenten erhalten nicht sofort Zugang, sondern über eine Warteliste. Die Freischaltung erfolgt nach und nach, basierend auf den vorhandenen Technikressourcen. (gpi, 10.3.2021)