Teslas Software für autonomes Fahren soll weniger weit fortgeschritten sein als behauptet.

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Vergangenen Freitag gab Tesla-CEO Elon Musk auf Twitter bekannt, dass der Elektroautobauer den Umfang seines Betaprogramms zum Testen von Software für autonomes Fahren verdoppeln will. Marktreif soll sie demnach noch dieses Jahr sein. Nun wurde jedoch ein umfangreicher Schriftwechsel wischen Tesla und der Kalifornischen Kraftfahrzeugbehörde (DMV) veröffentlicht, der Zweifel am eng getakteten Zeitplan des US-Konzerns aufwerfen soll, berichtet "Ars Technica". Denn Musks langjähriges Ziel, schon bald fahrerlose Autos auf die Straßen zu schicken, scheint ferner zu sein als behauptet.

Bis Ende 2021, versprach Musk noch im Dezember, sollte es so weit sein. Denn er sei "sehr zuversichtlich", dass die Tesla-Fahrzeuge bis dahin dank Tests Level fünf erreichen würden. Im jetzt aufgetauchten Schriftverkehr – der zwischen Dezember 2019 und Dezember 2020 stattfand – gibt Tesla hingegen zu, dass sich die derzeitige Beta trotz der "Full Self-Driving"-Bezeichnung nicht wirklich für den vollständig fahrerlosen Betrieb eigne. Gleichzeitig stellte der Konzern klar, dass man erst zu einem unbestimmten Zeitpunkt in der Zukunft damit beginnen werde, "echte autonome Funktionen" zu testen.

Eingeschränkte Funktionalität

Der DMV fragte Tesla dabei um Details zum Betaprogramm, da der Konzern Fahrer derzeit dazu auffordert, das Geschehen stets aktiv zu überwachen, um bei Bedarf schnell eingreifen zu können. Die Behörde wollte nun wissen, ob Tesla geplant habe, diese Anforderungen zu lockern, sobald die Software für die breite Öffentlichkeit zur Verfügung steht.

Im November betonte der Autobauer in einer Antwort, dass die Funktionalität der Beta-Software begrenzt sei, und dass die Software "nicht in der Lage ist, statische Objekte und Straßentrümmer, Einsatzfahrzeuge, Baustellenbereiche, große unkontrollierte Kreuzungen mit mehreren Einfahrten, ungünstiges Wetter" oder Straßen zu erkennen, die noch nicht kartographiert wurden.

Im Dezember informierte Tesla die Behörde zudem im Rahmen eines Nachtrags, dass der Funktionsumfang auch bei Veröffentlichung einer zukünftigen Vollversion für die Kundenflotte gleich bleiben werde. "Wir werden keine signifikanten Erweiterungen erwarten", die "die Verantwortung für das Fahren gänzlich auf das System verlagern würden", schrieb der Konzern.

Level zwei versus Level vier

Das eingesetzte System solle dabei weiterhin als fortgeschrittene Fahrerassistenzfunktion auf Level zwei gelten. Per Definition bedeutet das jedoch auch, dass das System ständig von Menschen kontrolliert werden muss. Zum Vergleich: Die Fahrzeuge des Taxidiensts Waymo verwenden bereits Level-vier-Systeme.

Wenn Tesla tatsächlich noch dieses Jahr eine Vollversion der eigenen Software für vollständig autonomes Fahren veröffentlichen will, bliebe dem Konzern allem Anschein nach also nicht mehr allzu viel Zeit für die Weiterentwicklung und Verifizierung durch die zuständigen Behörden, befürchten die Tech-Berichterstatter. Denn bei Betrachtung des Schriftverkehrs mit dem DMV zeigt sich, ganz so weit scheinen die Technologien des Konzerns noch nicht zu sein. (red, 11.3.2021)