Was ist eine Familie? Ein neuer Test von Netflix definiert diese als Personen, die im selben Haushalt wohnen – und könnte damit der verbreiteten Praxis des Account-Sharing ein Ende bereiten.

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Wer sich Geld sparen will, der teilt sich sein Netflix-Konto mit anderen. Eine Praxis, die ebenso beliebt wie bisher vom Streaminganbieter geduldet ist. Das Schlüsselwort in dieser Feststellung ist allerdings "bisher". Denn all das könnte bald ein Ende finden.

Durchgreifen

Netflix hat damit begonnen, gegen das Teilen der Login-Informationen vorzugehen, wie betroffene Nutzer in sozialen Medien berichten. Fotos zeigen einen Dialog, der beim Login-Versuch dazu auffordert, sich ein eigenes Konto zuzulegen, falls man nicht mit dem Hauptabonnenten zusammenwohnt. Wer sich trotzdem einloggen will, muss zusätzlich einen Code eingeben, der via Mail oder SMS an den Besitzer verschickt wird.

Dass es dabei um durchaus relevante Zahlen geht, ist unbestritten. So spricht CNBC unter Berufung auf Marktforscher davon, dass ein Drittel aller Netflix-Abonnenten ihren Zugang mit Personen außerhalb des eigenen Haushalt teilen. Bisher hat das Unternehmen diese Praxis ignoriert. Angesichts der wachsenden Konkurrenz im Streamingbereich sucht man jetzt aber offenbar nach neuen Wegen, die Abozahlen zu steigern.

Unklare Zukunft

Ob diese Rechnung aufgeht, ist noch einmal eine andere Frage. Immerhin ist es in der Theorie einfach vorzurechnen, wie viel Potenzial an neuen Kunden es noch gibt. In der Praxis könnte eine solche Verschärfung aber auch dazu führen, dass sich die Betroffenen ganz von Netflix abwenden. Genau das will Netflix nun offenbar herausfinden. In einer Stellungnahme gegenüber US-Medien bestätigt Netflix die Verschärfung nämlich, spricht aber von einem – zunächst – auf ein paar hundert Nutzer beschränkten Test.

In diesem Zusammenhang streicht der Streaminganbieter zudem den Sicherheitsaspekt hervor. Es solle mit dieser Maßnahme sichergestellt werden, dass nur autorisierte Nutzer – und nicht etwa Dritte über gestohlene Login-Informationen – Zugriff auf ein Konto haben.

Umdenken?

Der Status als "Test" lässt jedenfalls die Option offen, dass die Maßnahme wieder zurückgenommen wird. Bleibt man hingegen dabei, wäre das eine deutliche Kurskorrektur. Noch vor wenigen Jahren hatte Netflix-Chef Reed Hastings betont, dass es nun mal Familien gebe, die weit auseinander leben. Und deren gemeinsame Netflix-Nutzung sei zumindest bei den teureren Abo-Optionen auch ganz legal. Insofern werde man das Teilen von Passwörtern mit Dritten nie perfekt kontrollieren können, und mit dieser Realität könne man auch gut leben. Genau diesen Nutzern würde die aktuelle Änderung aber massiv Steine bei der gemeinsamen Netflix-Nutzung in den Weg legen. (apo, 12.3.2021)