Im Kopf spielen sich schon Horrorszenarien ab. Ein falscher Handgriff, und alles fliegt in die Luft. Da hilft dann auch Gutzureden über den Hörer nix mehr.

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Erst wenn sie einmal kaputt ist, denkt man drüber nach, wie sie funktioniert. Präsent, ja fast schon aufdringlich hängt sie da in der Küche, in ihr lodert das kleine Flämmchen, das den Kessel darüber und das Wasser darin erhitzt – und für das sorgt, was Komfort bringt: Wärme.

Die Rede ist von der Therme. Wenn die einmal vermeintlich kaputt ist, dann steht man da. Denn so schnell traut man sich nicht, diesen Kasten aufzuschrauben und zu schauen, was das Problem sein könnte.

Der Installateur des Vertrauens hat erst in ein paar Tagen Zeit, sagt aber nach der Studie des zugesandten Fotos: "Das kriegen Sie auch alleine hin" und erklärt kurzerhand, dass theoretisch nur die Flamme ausgegangen ist und jetzt wieder entfacht werden muss.

Im Kopf spielen sich schon Horrorszenarien ab. Ein falscher Handgriff, und alles fliegt in die Luft. Da hilft dann auch Gutzureden über den Hörer nix mehr.

Daheim angekommen, das Stabfeuerzeug vorher in der Trafik gekauft, Warnungen an Freunde und Familie ausgesprochen ("Wenn ich mich nicht melde, bin ich in die Luft geflogen") – und wieder das Telefon am Ohr: "Ich brauche Sie zur seelischen Unterstützung", sage ich dem Installateur.

"Jo, eh", antwortet der gewohnt emotionsgeladen.

Frühaufsteher

Er erklärt: "Den Entsicherungsknopf drücken, dann die Zündung zehn Sekunden halten, die Flamme durch das Schauloch entfachen, noch ein bisschen die Zündung gedrückt halten – und dann sollte es wieder gehen."

Und tatsächlich – leider ist das Ende spektakulär unspektakulär – funktioniert es einwandfrei, zu hören ist das vertraute Gluckern im großen Heizkörper an der Wand, und die Wohnung wird warm.

Jetzt schnell noch einen Termin für die Wartung ausmachen:

"Ich könnte am Donnerstag bei Ihnen sein ...", sagt er.

"Ja, perfekt", antworte ich.

"... um 6 Uhr in der Früh!"

Jesus. (Thorben Pollerhof, 12.03.2021)