Als Videojockey konzipierte er bereits Bühnen-Visuals für Musikacts wie Justin Bieber, Katy Perry oder Nicki Minaj. In der Popwelt kennt man ihn, auf Instagram folgen ihm fast zwei Millionen User.

Foto: AFP / Scott Winkelmann

Beeple ist Mike Winkelmann, und Mike Winkelmann ist Beeple. Urplötzlich steht der US-amerikanische Künstler und Informatiker mit dem lustigen Künstlernamen ganz oben auf der internationalen Kunstagenda. Innerhalb von nur zwei Wochen schaffte er es, unter die Top drei der teuersten lebenden Künstler aufzusteigen. Vor ihm erzielten nur Werke der Kunstgiganten David Hockney und Jeff Koons solch hohe Auktionspreise.

Beeples Collage Every days – The First 5000 Days wurde jetzt um fast 70 Millionen Dollar (58,86 Mio. Euro) bei Christie’s veräußert. Das Besondere: Erstmals geschah dies mit einem digitalen Kunstwerk.

Da dieses ja unendlich oft kopiert werden könnte, erhält der Käufer mit dem Originalwerk ein "Non-Fungible Token" (NFT) und wird in einer Blockchain – quasi einem virtuellen Register – eingetragen. Somit soll es einzigartig bleiben. Der neue Rekordverkauf von Beeples Bild gilt als Krönung des aktuellen Hypes um sogenannte Kryptokunst.

So. Aber wer ist nun Mike Winkelmann? Der 39-Jährige lebt gemeinsam mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in einem Vorort in South Carolina. Sie ist Lehrerin, er Grafikdesigner. Als Auto fährt er einen "fucking Toyota Corolla piece of shit", zitieren ihn amerikanische Medien. Generell scheint er der vulgären Sprache und Selbstironie nicht abgeneigt und bezeichnet seine Kunst gerne als "art crap" oder "art shit".

Comichaft-surreal: Beeples Collage "Every days – The First 5000 Days".
Foto: AP

Okay und "kind of blows my ass"

Manches davon sei in Ordnung, anderes "kind of blows ass". Also extrem nervig, aber er arbeite daran, schreibt Beeple auf seiner Website. Dort finden sich unzählige digitale Zeichnungen, Kurz filme und Videoloops. Als Videojockey konzipierte er bereits Bühnen-Visuals für Musikacts wie Justin Bieber, Katy Perry oder Nicki Minaj. In der Popwelt kennt man ihn, auf Instagram folgen ihm fast zwei Millionen User.

Nebenbei fertigt er seit 2007 täglich ein digitales Bild an, oft comichaft-surreale Szenen, und stellt sie ins Internet. Keinen Tag hat er bisher ausgelassen, insgesamt sind es 5064 Einzelwerke. Aus diesen ist nun die 70-Millionen-Dollar-Collage entstanden. Begonnen hat die Versteigerung übrigens bei einem Gebot von 100 Dollar, nach einer Stunde waren es bereits eine Million.

Für Beeple alias Mike Winkelmann wird sich jedenfalls einiges ändern. Erstmals fährt er mit seiner Familie nach Disneyland. Den Toyota kann er nun auch loswerden. Seine Reaktion auf Instagram: "holy fuck". (Katharina Rustler, 12.3.2021)