Aufgrund des Tigray-Konfliktes flohen viele Flüchtlinge in den Sudan.

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Addis Abeba/Washington – Äthiopien hat den von US-Außenminister Antony Blinken geäußerten Vorwurf der "ethnischen Säuberungen" in der Konfliktregion Tigray zurückgewiesen. Blinkens "unverblümte Anschuldigungen" seien ein "völlig unbegründetes und unberechtigtes Urteil" gegen die Regierung des Landes, erklärte das äthiopische Außenministerium am Samstag.

Blinken hatte am Mittwoch vor dem US-Kongress gesagt, im Westen der Region Tigray habe es "Fälle ethnischer Säuberung" gegeben. Diese müssten gestoppt und die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Dementi

"Nichts während oder nach dem Ende des Einsatzes der Sicherheitskräfte in Tigray" könne als "gezielte oder absichtliche ethnische Säuberung gegen irgendjemanden in der Region" betrachtet werden, erklärte das äthiopische Außenministerium.

Zugleich betonte das Außenministerium in Addis Abeba, es wolle mit der US-Regierung eng zusammenarbeiten und die "wichtigen bilateralen Beziehungen in den kommenden Jahren weiter stärken".

Rückblick

Am Donnerstag hatte bereits ein Regierungssprecher der Region Amhara im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP den Vorwurf zurückgewiesen. Die äthiopischen Truppen hatten Anfang November eine Offensive gegen die in Tigray regierende Volksbefreiungsfront TPLF begonnen. Dabei stützte sich Regierungschef Abiy Ahmed auf Truppen der Region Amhara, um den Westen und Süden Tigrays nach dem Abzug der TPLF abzusichern. Vertreter Amharas richteten in zahlreichen Städten Übergangsverwaltungen ein.

Dieser Einsatz war heikel, da viele ethnische Amharas der einst vorherrschenden TPLF vorwerfen, sich Anfang der 1990er Jahre das fruchtbare Land illegal einverleibt zu haben – obwohl es eigentlich unter Amhara-Verwaltung hätte stehen müssen. (APA/AFP, 13.3.2021)