Den letzten Tag vor den neuerlichen beschränken nutzen die Menschen in Italien noch. Mit einem militärisch organisierten Impfprogramm soll dafür gesorgt werden, dass es sich um den letzten Lockdown handelt.

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Die Szenen vom Wochenende erinnerten ein wenig an die Zeit vor ziemlich genau einem Jahr, als Italien als erstes Land Europas einen harten, landesweiten Lockdown verfügte: Vor den Coiffeuren bildeten sich am Samstag und Sonntag lange Schlangen, die Shopping-Meilen in den Städten gerieten zu einer einzigen, großen Menschenansammlung. Der Grund: Am Samstag hat Gesundheitsminister Roberto Speranza das Regierungsdekret unterzeichnet, mit dem ab heute Montag erneut ein großer Teil des Landes "dicht" gemacht wird. Nicht nur die Figaros, sondern auch Restaurants, Bars, Schulen und viele Läden bleiben bis mindestens Osterdienstag zu.

In Italien, wo ein Ampelsystem gilt, wurden elf Regionen auf die maximale Gefahrenstufe rot gestellt, der Rest – darunter die autonome Provinz Südtirol – ist orange. Die Hauptstadtregion Latium und Rom wurden übergangslos direkt von der gelben in die rote Zone katapultiert. In dem Meer von unzähligen Restriktionen bleibt einzig Sardinien eine weiße Insel. In den neuen roten Zonen leben 43 der 60 Millionen Italiener. Für die Ostertage wurde außerdem ein genereller, landesweiter Lockdown beschlossen. Die Osterfeiern und damit auch der Oster-Tourismus fallen damit, wie schon im Vorjahr, ins Wasser – mit den entsprechenden schwerwiegenden Folgen für die ganze Branche. Auch an Ostern hier rettet sich einzig Sardinien.

Britische Virus-Variante

Die Verschärfung kam angesichts steigender Fallzahlen nicht unerwartet: Bereits in der Woche vom 1. bis 7. März hatte sich der landesweite Inzidenzwert auf 226 Fälle je 100 000 Einwohner erhöht. Hauptverantwortlich für den Anstieg der Fallzahlen ist in erster Linie die hochansteckende britische Virus-Variante, die in Italien bereits für über 60 Prozent der Neuinfektionen verantwortlich ist. "Ich bin mir bewusst, dass die Maßnahmen Auswirkungen auf die Bildung unserer Kinder, die Wirtschaft und auch auf den psychischen Zustand von uns allen haben werden", erklärte Regierungschef Mario Draghi beim Besuch eines Impfzentrums am Flughafen Fiumicino bei Rom. Sie seien aber notwendig, damit die Situation nicht noch schlimmer werde.

Letzter Lockdown?

Gesundheitsminister Speranza hofft nun aber, dass es sich beim neuen Lockdown gleichzeitig um den letzten handeln wird. "Die nächsten Wochen werden nicht einfach sein – das weiß jeder, der in einem Krankenhaus arbeitet. Aber wir können endlich mit Zuversicht in die Zukunft blicken: In den letzten Tagen haben wir die Zahl der täglich verimpften Dosen auf 200'000 erhöhen können, und bis Ende März rechnen wird damit, dass wir auf 300'000 Impfungen täglich kommen werden", betonte Speranza am Sonntag gegenüber der Römer Zeitung "La Repubblica". Es sei zwar schwer zu sagen, wann genau die Wende kommen wird – "aber die Resultate der Impfkampagne werden sich schon bald zeigen", sagte der Minister. Der Druck auf die Spitäler werde spürbar nachlassen.

Mit der Ernennung des Armee-Generals Paolo Figliuolo, zuvor Chef-Logistiker der italienischen Streitkräfte, hatte Premier Draghi die Impfkampagne deutlich beschleunigt. Laut dem am Samstag von Figliuolo vorgestellten neuen Impfplan werden die Dosen nun durch Einheiten der Armee, der Carabinieri, der Feuerwehr und des Zivilschutzes bis in die abgelegensten Provinzen verteilt und dort generalstabsmäßig verimpft; zum Spritzendienst abkommandiert werden nicht nur Spital- und Hausärzte, sondern auch Zahn- und Sportmediziner. Auf diese Weise soll die Zahl der täglichen Impfungen bis Mitte April auf 500'000 gesteigert werden. (Dominik Straub, 14.3.2021)