Am Freitag kam es zum ersten Treffen der erneuerten Quad zwischen Japan, den USA, Indien und Australien.

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Alles begann eigentlich in den Monaten nach dem verheerenden Tsunami im Indischen Ozean von 2004. Damals bündelten Japan, Australien, Indien und die USA spontan ihre Kräfte, um Soforthilfe zu leisten. Mehr als 40.000 Truppen und humanitäre Helfer wurden zu viert aufgestellt. Zusätzlich organisierten sie über die sogenannte "Tsunami Core Group" Hubschrauber, Schiffe und Transportflugzeuge. Ursprünglich geschah das ohne großen geostrategischen Hintergedanken, sondern einfach "weil sie die Ressourcen und den Willen hatten zu handeln", wie es Marc Grossman, damals US-Vertreter in der Gruppe, formulierte.

Rund 16 Jahre später, nämlich am vergangenen Freitag, trafen sich hochrangige Vertreter der vier Länder wieder, Corona-bedingt virtuell. Die "Quad"-Gruppe (Quadrilateraler Sicherheitsdialog) hat sich zu einer informellen Allianz zwischen Japan, Indien, Australien und den USA entwickelt, die für einen "freien und offenen Indo-Pazifik" eintritt. Sie versteht sich als "Sicherheitsdiamant", wie es Japans Ex-Premier Shinzo Abe formulierte, und als Verfechter von Demokratien in Asien. Und das impliziert, wenn auch nicht offiziell: ein Gegengewicht zu China aufzubauen.

Erstes USA-China-Treffen

So ist es kein Zufall, dass das erste Quad-Treffen seit Jahren gerade jetzt stattfand. Am Donnerstag werden in Alaska erstmals seit der Angelobung Joe Bidens hochrangige Vertreter der USA und Chinas zusammenkommen, nämlich US-Außenminister Antony Blinken und sein chinesischer Amtskollege Wang Yi. Im Vorfeld tourt Blinken außerdem gerade durch Japan und Südkorea, auf seiner ersten Auslandsreise im Amt.

Die Beziehungen zwischen den beiden Weltmächten sind frostig. Bidens Vorgänger Donald Trump hat eine aggressive China-kritische Agenda forciert, Biden will diese nun, wenn auch in neuem Gewand, fortsetzen.

Und da kommt die schon vor über zehn Jahren angedachte Quad gerade recht. Die Idee geht eigentlich auf Japans Ex-Premier Abe zurück, der die gelungene Zusammenarbeit nach dem Tsunami vertiefen wollte. Schon 2007 sprach er von einem "Asiatischen Bogen der Demokratie", ein erstes Treffen fand im gleichen Jahr in Manila statt.

Allianz ohne Zähne

Doch die Initiative hat nie wirklich Fahrt aufgenommen. Australien zog sich unter dem China-freundlichen Premier Kevin Rudd bald zurück, auch Abes Nachfolger wollten China nicht zu sehr auf die Zehen steigen. 2017 änderte sich das. Trump war US-Präsident, und in Japan saß wieder Abe im Regierungssessel. China hatte in den zehn Jahren davor seinen Einfluss in der Region stark vergrößert; teilweise, so die internationale Kritik, durch Druck und indem es Nachbarstaaten in Schuldenfallen brachte.

"Wir werden zurückschlagen, wenn nötig, wenn China Zwang und Aggression anwendet", ließ US-Außenminister Blinken dieser Tage daher schon einmal von Tokio aus wissen. Regeln statt Zwang, Demokratie statt Autokratie in Asien – die Ansage der erneuerten Viererallianz ist klar.

Gemeinsame Impfstrategie in Asien

Im Detail gehen die Interessen auseinander. Für Japan und Australien haben die Auseinandersetzungen im Südchinesisches Meer oberste Priorität, für Indien naturgemäß der Indische Ozean. Jüngst arbeiteten die vier Staaten aber an einer gemeinsamen Verteilungsstrategie für Impfstoffe in Asien, um Chinas Impfdiplomatie Paroli zu bieten. In Sachen Myanmar haben die vier in einer gemeinsamen Stellungnahme die "Wiederherstellung der Demokratie" gefordert.

2020 gab es eine erste gemeinsame Militärübung, was Spekulationen nährte, dass sich das Bündnis in eine Art "asiatische Nato" entwickeln könnte. Schon Trumps Vizeaußenminister Stephen Biegun hatte diese Vision angetrieben. Im vergangenen Jahr hat er das Ziel formuliert, dass sich in Zukunft auch weitere Staaten anschließen könnten, zum Beispiel Südkorea, Neuseeland oder Vietnam. Auch das aus der EU ausgetretene Großbritannien hat im Jänner Interesse an der Allianz signalisiert.

Sri Lanka: Kein kalter, aber ein "kühler Krieg"

Andere Länder der Region stehen der Quad jedoch skeptisch gegenüber. Sri Lanka, dessen Machthaber als China-freundlich gelten, zeigte sich besorgt über die Militarisierung im Indischen Ozean: Die Quad könnte "einen wenn schon nicht kalten, dann zumindest kühlen Krieg" im Indischen Ozean anzetteln, sagte der singhalesische Außenminister vergangenen Herbst. Denn wenn die Quad aufrüstet, muss China nachziehen.

Peking beobachtet die Initiativen naturgemäß seit Jahren argwöhnisch. Immer wieder fanden chinesische Diplomaten scharfe Worte gegen die Allianz. Vor zwei Wochen sprach die staatliche "Global Times" daher weder von einer "asiatischen Nato" noch von einem "Diamanten": Ein "Klub des leeren Geredes" sei die Quad. (Anna Sawerthal, 17.3.2021)