Auch die Männer bekommen Kinder, für sie wird es als Problem für ihren Job allerdings nicht thematisiert.

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Es war wieder einmal der klassische "Warum Frauen wirklich weniger verdienen"-Kommentar, der zwei Tage nach dem Frauentag offenbar geschrieben werden musste.

In seiner Kolumne für die Wiener Wochenzeitung "Falter" erklärte Peter Michael Lingens, was genau nun den Gehaltsunterschied ausmacht. Immerhin begann er nicht damit, wie so oft, dass dieser in Wahrheit ja viel, viel kleiner sei als gemeinhin behauptet. Er führt den um Teilzeit bereinigten Gender-Pay-Gap von 14,7 Prozent an. Allerdings, und da sind wir schon mittendrin, läge die Schere zu einem großen Teil an der Berufswahl. Trotz aller Bemühungen, sie für Technikberufe zu begeistern, wählen Frauen nach wie vor die schlechter bezahlten Berufe.

Von Töpfen und Autos

Womöglich, gibt der Kolumnist zu bedenken, gibt es ja doch unterschiedliche Interessen und Fähigkeiten. Frauen sind vielleicht schlechter im räumlichen Denken, aber besser bei der Kommunikation – und so weiter. Kann ja sein, Tierversuche hätten auch gezeigt, dass weibliche Äffchen eher zu Geschirr und Töpfen und männliche zu Autos und Bällen greifen.

Es gebe aber noch einen Grund, wie sich der Gehaltsunterschied erklären ließe, so der Schluss des Kolumnisten: Frauen fallen länger aus, wenn sie ein Kind bekommen. Das sei vor allem bei Frauen in Spitzenpositionen ein Problem. Als Beleg dafür dient Lingens Justizministerin Alma Zadić, die ob ihrer Babypause das Ressort nicht gegen die Angriffe der ÖVP verteidigen konnte. Das Problem ist also nicht, dass Zadić in den drei Monaten womöglich nicht gut vertreten wurde, sondern dass sie schlicht nicht präsent war. Wer eine Spitzenposition einnimmt, hat also immer anwesend zu sein. Ist man das nicht, etwa weil man ein Kind bekommt – tja, dann wird es schwierig mit dem Spitzenjob.

Elternschaft und Arbeit

Zumal Mütter die Karenz "länger und mehr als Väter in Anspruch nehmen", wie in der Kolumne ausgeführt wird. Nun, es ist allerdings nicht so, dass die Kinder es so bestimmt hätten, dass sie mehr die Mama brauchen. Wir selbst haben es uns so eingerichtet, dass die Kinderbetreuung mehr Frauen übernehmen und Väter viel Zeit mit ihren Kindern versäumen. Das ist eine Frage der Kultur und nicht der Natur. "Solange Frauen Kinder bekommen, werden sie daher seltener als Männer Vorstandsvorsitzende sein", schreibt aber Lingens gegen Ende seiner Kolumne. Und? Wollen wir das einfach so lassen?

Wir könnten umgestalten

Wie die Jobs – auch die Spitzenjobs – aussehen, das bestimmen keine fremden Mächte. Die Strukturen in der Arbeitswelt sind nicht vom Himmel gefallen. Sie wurden von Menschen gemacht, genauer gesagt: von Männern. Dabei ging man von Vollzeitjobs aus, die Männer ausüben – und die optimalerweise eine Frau haben, die alles andere daheim unentgeltlich macht, was sonst noch so im Leben zu tun ist. Die entscheidende Frage ist also, ob man diese Ordnung weiter in die Zukunft tragen will oder nicht. Eine Ordnung mit Präsentismus in Firmen und dem Bewusstsein – und dem Druck – für Einzelne, dass sie nie lange fehlen dürfen, weil sonst der Laden nicht läuft. Eine Ordnung, in der Väter die Spitzenjobs bekommen und dafür das kurze Zeitfenster mit ihren kleinen Kindern verpassen.

Wollen wir uns passend machen oder doch lieber darüber nachdenken, wo wir was anders machen könnten? Für mehr Lebensqualität und besserer Verteilung von Arbeit? Oder wollen wir es einfach so lassen, wie es ist, und schauen, wer damit besser zurechtkommt?

Vielleicht wäre das ein guter grundsätzlicher Gedanke, dem nachzugehen sich auszahlen würde. (Beate Hausbichler, 18.3.2021)