Der junge Held Burling (Zweiter von links, winkend) und der alte Pokal.

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Ins Heulen hunderter Nebelhörner mischte sich der Jubel hunderttausender Neuseeländer. Maori-Krieger zollten mit Aufführungen des rituellen Tanzes Haka ihren Respekt, und Premierministerin Jacinda Ardern würdigte die Nationalhelden. Der neuerliche Sieg des Team New Zealand beim America’s Cup versetzte die Segelnation in einen wahren Freudentaumel. Das Team NZ habe "uns alle erneut so stolz gemacht", sagte Ardern. "Ein Land, ein Team, fünf Millionen glückliche Fans", prangte auf dem offiziellen Account des America’s Cup, der in der vergangenen Woche im Hauraki Gulf vor Auckland seine 36. Auflage erlebte.

Nach stotterndem Beginn und einem 2:3-Rückstand hatten sich die Neuseeländer mit ihrer von Peter Burling gesteuerten Yacht Te Rehutai gegen die Luna Rossa aus Italien und deren Steuermann Jimmy Spithill doch deutlich mit 7:3 durchgesetzt. Der Australier Spithill verpasste damit eine Sensation wie 2013, als er das US-Team Oracle bei der legendären Aufholjagd vor San Francisco nach einem 1:8-Rückstand noch zum 9:8-Sieg über die Kiwis geführt hatte.

America's Cup

Ein tiefer Schluck

In Auckland stand Skipper Peter Burling im Mittelpunkt. Der 30-Jährige aus Tauranga, 150 Kilometer südöstlich von Auckland gelegen, tat, schon gebadet in Champagner und mit Konfetti im nassen Haar, einen tiefen Schluck aus dem Auld Mug, dem rund vier Kilogramm schweren, versilberten Pokal. Die Wandertrophäe war 1848 während der Regentschaft von Königin Victoria der Royal Yacht Squadron gestiftet und von dieser verloren worden.

Zum vierten Mal nach 1995, 2000 und 2017 hat ein Team New Zealand die älteste internationale Sporttrophäe der Welt gewonnen. "Es ist absolut unwirklich, es bedeutet für uns die Welt", sagte Burling.

Die segelnden "All Blacks" genießen Kultstatus und sind beim America’s Cup die dominante Kraft der jüngeren Vergangenheit. Großen Anteil daran hat Grant Dalton, der als Skipper von Rennyachten mehrmals die Welt umsegelt hat. 2003, nach einem ebenso deprimierenden wie peinlichen 0:5 von Titelverteidiger Neuseeland im Hauraki Gulf gegen die Alinghi aus der Schweiz, übernahm Dalton das Management des Teams, das durch eine staatliche Finanzspritze in Höhe von fast drei Millionen Euro vor dem Konkurs gerettet werden musste.

2007 setzte es vor Valencia eine weitere Niederlage gegen Alinghi, 2013 folgte vor San Francisco das grausame 8:9 nach 8:1-Führung gegen Oracle, eine Schmach, für die sich das Team New Zealand 2017 vor den Bermudas revanchieren konnte. Schon damals hieß der Skipper Peter Burling. "Die Bermudas waren ein Meilenstein. Aber das hier ist so viel größer, weil es zu Hause passiert ist", sagte der sechsmalige Weltmeister und 49er-Olympiasieger von 2016.

Um 46 Sekunden hängte die Te Rehutai von Team New Zealand (rechts) Prada-Pirellis Luna Rossa in der finalen Wettfahrt ab.
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Noch ein Schluck

Gegenspieler Jimmy Spithill, zusammen mit dem Italiener Patrizio Bertelli Skipper der Luna Rossa des Prada-Pirelli-Teams, segelte an seinem dritten Triumph im America’s Cup vorbei, nahm die Niederlage aber durchaus sportlich. Das Team New Zealand habe eben "ein fantastisches Paket entwickelt" und sei ein "verdienter" Sieger. "Ich denke, wir müssen mit den Kiwis ein Bier trinken gehen und ihnen unseren Respekt zollen", sagte der 41-Jährige aus Sydney.

Die Zukunft des America's Cup blieb am Tag des neuseeländischen Triumphs zunächst offen. Aufgrund des ungewöhnlichen Regattacharakters, in dem das siegreiche Team nach der Stiftungsurkunde aus dem 19. Jahrhundert die Rahmenbedingungen für die Folgeauflage diktiert, bleibt abzuwarten, wie das Team New Zealand die 37. Edition gestalten will. Sparzwang gibt es keinen, von Premierministerin Ardern wurde großzügige staatliche Unterstützung zugesagt.

Feststehen dürfte, dass der viermalige Segelolympiasieger Sir Ben Ainslie mit dem Ineos Team UK von Multimilliardär Sir Jim Ratcliffe einen neuen Anlauf auf die Herausfordererrolle nehmen wird. Großbritanniens Segler jagen den America’s Cup, seit sie ihn bei der Premiere 1851 vor der Isle of Wight an den Schoner America des New York Yacht Club verloren haben. (Sigi Lützow, 17.3.2021)