Foto: Reuters/Mike Blake

Gemeinsam mit rechtsextremen Gruppierungen attackieren Verschwörungserzähler in den USA offenbar zunehmend "kritische Infrastruktur, um Angst zu schüren, elementare Dienstleistungen zu stören und ökonomischen Schaden in den USA und im Ausland zu verursachen". Das geht laut "The Intercept" aus einem detaillierten Geheimdienstbericht der New Yorker Polizei hervor, den die Berichterstatter ergattern konnten. Im Rahmen des am 20. Jänner ausgestellten Dokuments wird hervorgehoben, dass dabei insbesondere die anspruchsvolle Planung der Angriffe auffalle.

Eine Gruppe brach demnach am 14. Dezember letzten Jahres in einen Funkturm in Fairview im Bundesstaat West Virginia ein. Nachdem die Personen das Hauptstromkabel durchtrennt hatten, entfernten sie die Batterien des Haupt- und des Notstromgenerators. Der Schaden belief sich auf mehr als 28.000 US-Dollar, zudem hatten Menschen in West Virginia, Pennsylvania und Maryland vorübergehend keinen Empfang mehr.

Die Ausbeutung ziviler Unruhen

Ähnliches passierte wenige Tage später, nämlich am 19. Dezember desselben Jahres, in Tennessee. Ein Unbekannter schlich sich dort in einen Mobilfunkmast, indem er die Umzäunung des Geländes aufschnitt. Anschließend durchtrennte die Person die Glasfaserkabel des Standorts. Dies führte zu einer "erheblichen Unterbrechung des Dienstes für etwa zwölf Stunden".

Ein dritter Fall beschreibt eine von Neonazis geführte Chatgruppe, deren Mitglieder "die Ausbeutung ziviler Unruhen durch Angriffe der Infrastruktur des Landes stark unterstützen". Offenbar wollte eines der Mitglieder "Zerstörung, wo das System nicht in der Lage ist, sie zu reparieren". Dabei sprach er offenbar von Angriffen auf US-Brücken, Eisenbahnen und Stromnetze, berichtet "The Intercept".

Misstrauen schüren

Laut den Ermittlern sind für diese und weitere Angriffe Personen verantwortlich, die von "extremistischen Verschwörungstheorien motiviert sind und darauf aus sind, ein allgemeines Misstrauen gegenüber der Regierung zu schüren". Außerdem wird betont, dass eine Bedrohung insbesondere von Rechtsextremen ausgehe: "In den letzten Monaten haben White Supremacists, Neonazis, rechtsextreme Telegram-Gruppen und Verschwörungserzähler betont, wertvolle kritische Infrastruktur angreifen zu wollen."

Viele rechtsextreme Gruppen würden nämlich dem Prinzip des Akzelerationismus folgen, laut dem die Beschleunigung des Zusammenbruchs der Gesellschaft einen politischen Wandel herbeiführen würde. Dabei soll der Angriff auf kritische Infrastruktur eine gängige Taktik und Vorgehensweise sein, die weltweit von militanten Gruppen eingesetzt wird.

Eine Autobombe in Nashville

Am detailliertesten wird im Bericht zudem das Attentat in Nashville beschrieben, bei dem am 25. Dezember 2020 acht Menschen verletzt worden waren, nachdem ein Attentäter vor einem Gebäude des US-Mobilfunkers AT&T eine Autobombe gezündet hatte. Zwar gebe es keine Hinweise darauf, dass er Teil einer rechtsextremen Gruppe war, doch wird ihm Paranoia gegenüber 5G-Mobilfunknetzen attestiert. Es sei außerdem eine Audiowarnung gefunden worden, die Passanten dazu aufforderte, das Gebiet zu evakuieren. Dies weise wahrscheinlich auf die "Absicht hin, eher strukturelle Schäden als Massenopfer" verursachen zu wollen.

Gleichzeitig habe das Ministerium für Innere Sicherheit am 5. und 6. Jänner drei geheimdienstliche Berichte ausgestellt, in denen vor Angriffen auf Funktürme in New York, West Virginia und Tennessee gewarnt wird. Auch diese Dokumente sind dem "Intercept" zugänglich. Zwar seien entsprechende Drohungen nicht ungewöhnlich, es würde jedoch hervorstechen, dass gleich drei Berichte innerhalb einer Woche ausgestellt wurden. Zudem fallen sie zeitlich auf den Tag des Sturms auf das US-Kapitol.

5G-Mythen und das Coronavirus

Verschwörungserzählungen rund um den neuen Mobilfunkstandard 5G scheinen gerade im Laufe der Pandemie immer größere Beliebtheit zu genießen. Anhänger glauben nämlich, dass die neue Technologie das Coronavirus verursacht habe, weil die elektromagnetischen Wellen der 5G-Türme das menschliche Immunsystem schädigen würden, so die Erzählung. Infolgedessen gab es laut Berichten allein im April letzten Jahres mehr als 30 Angriffe auf Funktürme in London.

Daraufhin veröffentlichte das Ministerium für Innere Sicherheit der USA im Mai einen Warnung vor "Aufrufen zu Gewalt gegen Telekom-Mitarbeiter", die wegen Verschwörungserzählungen gestiegen sein soll, berichtet ABC News. Im Dezember folgte das Verteidigungsministerium mit einer Bedrohungsanalyse, in der die Anti-5G-Verschwörungsmythen als Gefahr einstuft wurden. (mick, 18.3.2021)