Der Lohn für die harte Arbeit: die Kristallkugel für den Slalomweltcup.

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Katharina Liensberger völlig unbekümmert unterwegs zum zweiten Weltcupsieg, der letztlich nötig war, um Shiffrins siebenten Triumph in der Disziplinwertung zu verhindern.

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Liensberger und die Dominatorin der vergangenen Jahre: Mikaela Shiffrin (re).

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Lenzerheide – Mit einer Demonstration der Extraklasse hat Weltmeisterin Katharina Liensberger im Slalom von Lenzerheide eine Woche nach ihrer Premiere in Aare nicht nur ihren zweiten Weltcupsieg in Folge fixiert, sondern am letzten Drücker auch noch die Kristallkugel für die Disziplinwertung gewonnen.

Die 23-jährige Vorarlbergerin bewies beim Weltcupfinale Nervenstärke und setzte sich mit zwei Laufbestzeiten in 1:49,77 Minuten mit respektablen 1,24 Sekunden Vorsprung auf die US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin und 1,95 vor der Schweizerin Michelle Gisin durch, und zog in der Disziplinwertung noch an Petra Vlhova vorbei. Die Slowkin (3,15) kam nicht über Rang sechs hinaus, fiel damit in der Riesenslalomwertung auch noch knapp hinter Shiffrin zurück, fixierte aber den Triumph im Gesamtweltcup, der erstmals überhaupt an die Slowakei geht. Vergangene Saison hatte die 25-Jährige nach sechs Erfolgen von Shiffrin (dazwischen hatte 2016 nur einmal die Schwedin Frida Hansdotter triumphiert) erstmals die Slalomkugel gewonnen.

Shiffrin (re) und Gisin (li) gratulierten herzlich.
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Liensberger hat die erste kleine Kristallkugel der ÖSV-Damen seit Eva-Maria Brems Erfolg im Riesentorlauf-Weltcup 2015/16 und die erste Slalomkugel seit Marlies Schild (nun Raich) 2011/12 geholt. Letzte ÖSV-Kugelgewinnerin im Gesamtweltcup war Anna Fenninger (nun Veith) 2014/15.

Liensberger "super dankbar"

"Ich bin es schlussendlich, die das vollbracht hat", sagte Liensberger im ORF. Doch "wir haben das gemeinsam heute gewinnen können. Ich bin dem ganzen Team super dankbar", sagte sie in Richtung des Betreuerstabes, ihrer Familie, der Sponsoren und Fans, hob aber auch ihren eigenen Mentaltrainer Stefan Prusina hervor. Der habe ihr vor dem Rennen gesagt, "dass wir es gemeinsam machen und dass wir es schaffen können". Außerdem habe er sich "um die Mika und die Petra gekümmert", sagte die 23-Jährige geheimnisvoll und lachte.

Dabei habe sie in der Nacht nicht durchgeschlafen. "Ich war schon sehr nervös, aber irgendwie habe ich es dann doch geschafft, die Nervosität in eine gute Anspannung umzuwandeln", erzählte Liensberger. "Nach dem ersten Durchgang war ich dann befreit, weil ich gewusst habe, ich kann mir nichts vorwerfen."

Hätte Shiffrin gewonnen, hätte sich die US-Amerikanerin zum siebenten Mal die Slalomkugel gekrallt. Liensberger habe daher gewusst, "dass ich gewinnen muss". Die Wertigkeit ihrer Erfolge in dieser Saison seien für sie schwer zu beschreiben. "Ich vergleiche nicht gern. Erfolge sind etwas Schönes, wenn man auf etwas hinarbeitet, was erreichen will. Ich habe mir natürlich Ziele gesetzt. Die WM hat schon einen sehr hohen Stellenwert gehabt, aber die ganze Saison zeigt einfach die Konstanz und die Ausdauer und das Durchhaltevermögen." In Cortina d'Ampezzo hatte Liensberger im Februar WM-Gold im Slalom und im Parallelbewerb gewonnen.

Feiertag für den ÖSV.
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Die Basis legte sie bereits mit einem formidablen ersten Durchgang, in dem sie Shiffrin um sieben Zehntelsekunden distanzierte. Vlhova hatte nach einem Fehler im oberen Teil als Sechste bereits einen Rückstand von 1,84 Sekunden. Den Verlust der Riesenslalomkugel wird sie verschmerzen können, weil sie sich mit der großen Kugel trösten kann. "Das bedeutet eine Menge, weil ich Geschichte geschrieben habe", sagte sie. "Natürlich bin ich heute ein bisschen enttäuscht, wie das Rennen gelaufen ist, aber gleichzeitig habe ich den Gesamtweltcup gewonnen. Das ist überragend, weil es wirklich, wirklich schwer war."

Drittbeste Laufzeit im Finale für Gallhuber

Katharina Gallhuber (3,86) belegte unmittelbar vor Chiara Mair Rang zwölf. "Es war wirklich wie eine Achterbahnfahrt. Ich bin sicher sehr gewachsen dadurch, es war nicht ganz einfach", resümierte Gallhuber ihre Saison. Die Niederösterreicherin schaffte im Finale hinter Liensberger und der aufstrebenden Slowenin Andreja Slokar immerhin die drittbeste Laufzeit. Katharina Huber schied in der Entscheidung aus, Franziska Gritsch war bereits im ersten Lauf gescheitert.

Liensberger wird den Gesamtweltcup als beste Österreicherin abschließen. Derzeit liegt sie auf Platz fünf. Im Riesentorlauf am Sonntag könnten die Italienerinnen Marta Bassino und Federica Brignone noch vorbeiziehen. Die Kugel in der Disziplin hatte sich Bassino bereits vor zwei Wochen in Jasna gesichert.

Ihre Karriere beendet hat indes die Italienerin Irene Curtoni (35), die sich nach einem Einfädler kurz vor dem Ziel verabschiedete. (honz, APA, 20.3.2021)

Weltcup-Slalom in Lenzerheide

Ergebnis

1. Katharina Liensberger (AUT) 1:49,77
2. Mikaela Shiffrin (USA) +1,24
3. Michelle Gisin (SUI) +1,95
4. Kristin Lysdahl (NOR) +1,99
5. Sara Hector (SWE) +3,11
6. Petra Vlhova (SVK) +3,15
7. Paula Moltzan (USA) +3,35
8. Andreja Slokar (SLO) +3,36
9. Martina Dubovska (CZE) +3,57
10. Nastasia Noens (FRA) +3,59
11. Laurence St-Germain (CAN) +3,85
12. Katharina Gallhuber (AUT) +3,86
13. Chiara Mair (AUT) +3,92

14. Lena Dürr (GER) +4,05
15. Camille Rast (SUI) +4,11
16. Ana Bucik (SLO) +4,27
17. Federica Brignone (ITA) +4,38
18. Kristina Riis-Johannessen (NOR) +4,89
19. Sophie Mathiou (ITA) +6,89

2. Durchgang

1. Katharina Liensberger (AUT) 55,90
2. Andreja Slokar (SLO) +0,08
3. Katharina Gallhuber (AUT) +0,30
4. Mikaela Shiffrin (USA) +0,34
5. Nastasia Noens (FRA) +0,45
6. Chiara Mair (AUT) +0,68
7. Michelle Gisin (SUI) +0,71
8. Camille Rast (SUI) +0,73
9. Sara Hector (SWE) +0,85
10. Paula Moltzan (USA) +1,08
11. Martina Dubovska (CZE) +1,15
12. Kristin Lysdahl (NOR) +1,29
. Lena Dürr (GER) +1,29
14. Petra Vlhova (SVK) +1,31
15. Federica Brignone (ITA) +1,48
16. Ana Bucik (SLO) +1,59
17. Kristina Riis-Johannessen (NOR) +2,16
18. Sophie Mathiou (ITA) +2,58
19. Laurence St-Germain (CAN) +2,65

Ausgeschieden im 2. Durchgang: Katharina Huber (AUT), Irene Curtoni (ITA)

1. Durchgang

1. Katharina Liensberger (AUT) 53,87
2. Kristin Lysdahl (NOR) +0,70
3. Mikaela Shiffrin (USA) +0,90
4. Laurence St-Germain (CAN) +1,20
5. Michelle Gisin (SUI) +1,24
6. Petra Vlhova (SVK) +1,84
7. Sara Hector (SWE) +2,26
8. Paula Moltzan (USA) +2,27
9. Martina Dubovska (CZE) +2,42
10. Irene Curtoni (ITA) +2,44
11. Ana Bucik (SLO) +2,68
12. Kristina Riis-Johannessen (NOR) +2,73
13. Lena Dürr (GER) +2,76
14. Federica Brignone (ITA) +2,90
15. Nastasia Noens (FRA) +3,14
Weiter:
16. Chiara Mair (AUT) +3,24
19. Katharina Gallhuber (AUT) +3,56

20. Katharina Huber (AUT) +3,59

Ausgeschieden im 1. Durchgang: Franziska Gritsch (AUT), Marta Bassino (ITA), Erin Mielzynski (CAN)

Weltcup-Gesamtwertung (nach 30 Rennen):

1. Petra Vlhova (SVK) 1392
2. Lara Gut-Behrami (SUI) 1256
3. Michelle Gisin (SUI) 1085
4. Mikaela Shiffrin (USA) 995
5. Katharina Liensberger (AUT) 863
6. Marta Bassino (ITA) 840
7. Federica Brignone (ITA) 817
8. Sofia Goggia (ITA) 740
9. Corinne Suter (SUI) 735
10. Wendy Holdener (SUI) 535
11. Tamara Tippler (AUT) 483
12. Ester Ledecka (CZE) 453
13. Tessa Worley (FRA) 450
14. Elena Curtoni (ITA) 412
15. Breezy Johnson (USA) 367

Slalom Damen (9):

1. Katharina Liensberger (AUT) 690
2. Mikaela Shiffrin (USA) 655
3. Petra Vlhova (SVK) 652
4. Michelle Gisin (SUI) 491
5. Wendy Holdener (SUI) 415
6. Lena Dürr (GER) 235
7. Kristin Lysdahl (NOR) 227
8. Laurence St-Germain (CAN) 224
9. Chiara Mair (AUT) 193
10. Martina Dubovska (CZE) 188
11. Paula Moltzan (USA) 185
12. Katharina Truppe (AUT) 138
13. Sara Hector (SWE) 125
14. Ana Bucik (SLO) 125
15. Franziska Gritsch (AUT) 116

Mannschaft Damen (30):

1. Schweiz 4695
2. Österreich 3897
3. Italien 3693
4. USA 2052
5. Norwegen 1523
6. Slowakei 1392
7. Slowenien 883
8. Frankreich 821
9. Deutschland 794
10. Kanada 712

Nationencup (64):

1. Schweiz 9917
2. Österreich 8991
3. Italien 5579
4. Frankreich 4790
5. Norwegen 4569
6. USA 3203
7. Deutschland 2632
8. Slowenien 1594
9. Slowakei 1509
10. Kanada 1089

Die Gesamtsiegerinnen im alpinen Ski-Weltcup der Damen seit 1967:

1967 Nancy Greene (CAN)
1968 Nancy Greene (CAN)
1969 Gertrud GABL (AUT)
1970 Michele Jacot (FRA)
1971 Annemarie PRÖLL (AUT)
1972 Annemarie PRÖLL (AUT)
1973 Annemarie PRÖLL (AUT)
1974 Annemarie MOSER-PRÖLL (AUT)
1975 Annemarie MOSER-PRÖLL (AUT)

1976 Rosi Mittermaier (GER)
1977 Lise-Marie Morerod (SUI)
1978 Hanni Wenzel (LIE)
1979 Annemarie MOSER-PRÖLL (AUT)
1980 Hanni Wenzel (LIE)
1981 Marie-Theres Nadig (SUI)
1982 Erika Hess (SUI)
1983 Tamara McKinney (USA)
1984 Erika Hess (SUI)
1985 Michela Figini (SUI)
1986 Maria Walliser (SUI)
1987 Maria Walliser (SUI)
1988 Michela Figini (SUI)
1989 Vreni Schneider (SUI)
1990 Petra KRONBERGER (AUT)
1991 Petra KRONBERGER (AUT)
1992 Petra KRONBERGER (AUT)
1993 Anita WACHTER (AUT)

1994 Vreni Schneider (SUI)
1995 Vreni Schneider (SUI)
1996 Katja Seizinger (GER)
1997 Pernilla Wiberg (SWE)
1998 Katja Seizinger (GER)
1999 Alexandra MEISSNITZER (AUT)
2000 Renate GÖTSCHL (AUT)

2001 Janica Kostelic (CRO)
2002 Michaela DORFMEISTER (AUT)
2003 Janica Kostelic (CRO)
2004 Anja Pärson (SWE)
2005 Anja Pärson (SWE)
2006 Janica Kostelic (CRO)
2007 Nicole HOSP (AUT)
2008 Lindsey Vonn (USA)
2009 Lindsey Vonn (USA)
2010 Lindsey Vonn (USA)
2011 Maria Riesch (GER)
2012 Lindsey Vonn (USA)
2013 Tina Maze (SLO)
2014 Anna FENNINGER (AUT)
2015 Anna FENNINGER (AUT)

2016 Lara Gut (SUI)
2017 Mikaela Shiffrin (USA)
2018 Mikaela Shiffrin (USA)
2019 Mikaela Shiffrin (USA)
2020 Federica Brignone (ITA)
2021 Petra Vlhova (SVK)