Covid-19-Station in Niš.: In Serbien wurden sehr viele Menschen geimpft, die Infektionen steigen jedoch.

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Sie hatte einen Test in der Tasche und dachte wohl, dass sie alle erforderlichen Maßnahmen getroffen habe. Die Bosnierin, die mit 60 weiteren Passagieren am Samstag nach Deutschland reiste, überquerte auch problemlos die kroatische, die slowenische und die österreichische Grenze. Erst an der Grenze zu Deutschland fischten sie Beamte aus dem Reisebus. Denn ihr Covid-19-Test war zwar tatsächlich vorhanden – aber positiv.

Die infizierte Dame und all jene Reisenden, die keine Aufenthaltserlaubnis in Deutschland haben, wurden wieder zurückgeschickt. Die Geschichte ist auch deshalb beachtenswert, als sich viele gebürtige Südosteuropäer wohl in den nahenden Osterfeiertagen aus Mitteleuropa in ihre ehemaligen Heimatländer begeben werden und mit einem Anstieg des Reiseverkehrs und damit auch mit einer erhöhten Ansteckungsgefahr zu rechnen ist.

Wie im November

Dabei schnellen in der Region gerade die Infektionszahlen während dieser dritten Welle in die Höhe. Die Situation in Bosnien-Herzegowina gleicht bereits jener im November. Die ohnehin mangelhafte Krankenversorgung auf dem Balkan gerät an die Belastungsgrenze.

In Serbien und Bulgarien, jenen beiden Balkanstaaten, die gemessen an der Bevölkerungszahl am ehesten mit Österreich zu vergleichen sind, kann man die Belastung deutlich sehen. In Bulgarien befinden sich 8.660 Personen, die an Covid-19 erkrankt sind, im Spital, 690 von ihnen liegen auf Intensivstationen. Zuletzt starben innerhalb von nur 24 Stunden 53 Menschen an der Erkrankung.

Verschärfte Maßnahmen

Einige Spitäler in der Hauptstadt Sofia sind so überfüllt, dass sie gar keine Patienten mehr aufnehmen können. Die Gesundheitsbehörden warnen vor einem Kollaps wegen Personalmangels in den kommenden Tagen, wenn sich der Trend nicht umkehrt. Am Montag traten verschärfte Maßnahmen in Kraft, doch es wird noch dauern, bis diese Wirkung zeigen.

Offensichtlich haben sich einige Bulgaren bereits zum zweiten Mal infiziert. Selbst der Immunologe Andrej Čorbanow, ein Impfskeptiker, der auch nicht an die immunisierende Wirkung von Antikörpern glaubt, liegt nun im Krankenhaus.

Čorbanow tritt am 4. April bei den Parlamentswahlen Seite an Seite mit dem Schlagersänger Slawi Trifonow und seiner Populistenpartei "Es gibt solche Leute" an. Auch im Nachbarstaat Serbien waren innerhalb von nur 24 Stunden mehr als 4.232 Tests positiv – etwa ein Drittel aller durchgeführten Abstriche.

Impfprogramm in Serbien schreitet voran

Trotzdem hat die Regierung in Belgrad die Maßnahmen gelockert. Die Cafés, Restaurants und Shoppingcenter bleiben jedoch geschlossen. In Serbien, wo bereits aufgrund des guten Managements der Regierung bereits über eine Million Menschen eine Impfung bekommen haben, liegen über 5.500 Patienten mit Covid-19 im Spital. Zuletzt hat man in Belgrad schon damit begonnen, Flüchtlinge und Asylwerber zu impfen. Ausländer ohne Aufenthaltserlaubnis können aber nicht mehr wie bisher geimpft werden.

In Rumänien liegen bereits über 1.300 Personen mit der Erkrankung auf Intensivstationen – so viele wie noch nie zuvor. Das osteuropäische Land ist beim Impfen aber relativ schnell. Am Montag hatten bereits über 1,7 Millionen Personen ein Vakzin erhalten, im Verhältnis zur Bevölkerung etwa ebenso viele wie in Österreich.

Das Land hat sich auch bereits mit Griechenland auf eine Art grünen Impfpass, der das Reisen ermöglicht, geeinigt. So sollen mit einer Bescheinigung Personen, die entweder geimpft sind oder Antikörper des Virus in sich tragen, wechselseitig die beiden Staaten besuchen dürfen. Der Deal wurde zwischen den Tourismusministerien der beiden Länder vereinbart.

Schlimme Lage in Athen

In Griechenland verschlimmert sich allerdings die Situation. Die Regierung hat praktische Ärzte und Lungenfachärzte gebeten, in den Covid-19-Stationen auszuhelfen. Doch weil sich so wenige meldeten, will Gesundheitsminister Vassilis Kikilias Privatärzte nun per Dekret abziehen und in öffentlichen Krankenhäusern einsetzen.

Im EU-Staat Kroatien sieht es vergleichsweise besser aus. Von den über 2.500 Personen, die zuletzt getestet wurden, waren 150 infiziert, etwa 100 Patienten hängen an Beatmungsgeräten. Im Kosovo hat man hingegen noch nicht einmal mit dem Impfen begonnen. Mit dem Antritt der neuen Regierung hoffen viele nun auf raschere Maßnahmen.(Adelheid Wölfl aus Sarajevo, 23.3.2021)