Bisher konnten Schleppboote das Schiff noch nicht befreien.

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Kairo – Ein verunglücktes Containerschiff hat am Mittwochabend weiter den Suezkanal blockiert. Zehn Schlepper bemühten sich zunächst vergeblich, das etwa 400 Meter lange Schiff aus seiner Querlage in einer der wichtigsten Wasserstraßen der Welt zu befreien. Der Branchendienstleister GAC korrigierte am Nachmittag frühere Angaben, wonach die Ever Given wieder zum Teil flottgemacht worden sei. Einem Insider zufolge sollten die Arbeiten in der Nacht fortgesetzt werden, soweit das Wetter es erlaube.

Die querliegende Ever Given könnte den Suezkanal noch Wochen blockieren. Der Ölpreis legte wegen des Unglücks um etwa sechs Prozent zu. Der Eigentümer, die japanische Leasingfirma Shoei Kisen Kaisha, teilte am Donnerstag mit, es sei "extrem schwierig", das 400 Meter lange und 59 Meter breite Schiff wieder flott zu bekommen. Die Kanalbehörde erklärte offiziell, die Durchfahrt sei "temporär ausgesetzt".

Der 224.000 Tonnen schwere und 59 Meter breite Frachter gehört zu den größten Containerschiffen der Welt. Der Hafenbehörde zufolge war er im Zuge eines Sandsturms bei starkem Wind manövrierunfähig geworden, vom Kurs abgekommen und in der Nähe der Hafenstadt Suez auf Grund gelaufen.

Hier sieht man schön, wo das Problem liegt.
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Stau am Suezkanal

In beiden Richtungen stauten sich daraufhin Schiffe. Der Verband Deutscher Reeder warnte vor den Auswirkungen einer längeren Blockade. "Das ist wie die Vollsperrung einer großen deutschen Autobahn. Je länger das dauert, desto deutlicher werden die Auswirkungen zu sehen sein", sagte ein Sprecher. Auch nach der Blockade des Suezkanals komme vermutlich auf die Häfen eine weitere Ballung zu. Dann kämen alle Frachter auf einmal zur Abfertigung.

Nach Angaben von Experten und aus Schifffahrtskreisen dürften auf Shoei Kisen und die Versicherer Forderungen in Millionenhöhe zukommen. "Alles fällt auf das Schiff zurück", sagte David Smith, zuständig für die Seefahrt beim Versicherungsbroker McGill and Partners. Zwei Insidern zufolge ist die Ever Given bei japanischen Firmen versichert. In Branchenkreisen war von 100 bis 140 Millionen Dollar an Versicherungssumme allein für Schäden am Rumpf und den Maschinen die Rede. Zudem dürften die Besitzer der gestauten Schiffe einen Ausgleich fordern. Ein Anwalt, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte: "Das ist möglicherweise das größte Desaster mit einem Containerschiff, bei dem es keinen Knall gab."

Szenen vom Suezkanal
DER STANDARD

Wirtschaftliche Bedeutung

Die 193 Kilometer lange Wasserstraße ist die kürzeste Verbindung zwischen Europa und Asien und der entscheidende Korridor für Rohöl und Importwaren nach Europa. Er verbindet das Rote Meer mit dem Mittelmeer.

Durch den Suezkanal fließen rund zwölf Prozent des globalen Frachtvolumens und etwa 30 Prozent des Containervolumens. Im vergangenen Jahr passierten der Kanalbehörde zufolge fast 19.000 Schiffe und damit durchschnittlich fast 52 Schiffe pro Tag die Wasserstraße. Sie können bis zu 400 Meter lang sein und mehr als 20.000 Container transportieren.

Langer Umweg

Die alternative Route um die Südspitze Afrikas dauert gut eine Woche länger. Für Ägypten ist der Kanal eine wichtige Quelle von harten Währungen: Die Summe betrug 2020 etwa 5,6 Milliarden Dollar. (Reuters, red, APA, 25.3.2021)