Moped-Proteste in Myanmar gegen die Militärführung.

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Die Vereinigten Staaten planen offenbar, gegen zwei Firmen, die seit dem Putsch am 1. Februar von Myanmars Militär kontrolliert werden, Sanktionen zu verhängen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Quellen. Bei den beiden Unternehmen handelt es sich demnach um Myanmar Economic Corporation (MEC) und Myanma Economic Holdings Ltd (MEHL).

Das US-Schatzamt plant laut Reuters, jegliches Vermögen, das die Unternehmen in den USA besitzen, einzufrieren. Diese Maßnahme könnte schon am Donnerstag in Kraft treten. Ein Sprecher von MEHL sagte: "Das Unternehmen konzentriert sich auf das Geschäft und hat derzeit keine unmittelbare Antwort."

MEC und MEHL sind zwei große Holdinggesellschaften, die mehr als 100 Unternehmen besitzen und Einnahmen für das Militär in einer Größenordnung generieren, die jedes zivile Unternehmen in Myanmar in den Schatten stellt. Finanzinformationen über die beiden Unternehmen, die von der Zahlung von Einkommen- und Gewerbesteuer befreit sind, werden nicht bekannt gegeben. Die Mittel, die sie generieren, umgehen formelle Regierungskanäle, und es gibt Hinweisen darauf, dass Einnahmen in Milliardenhöhe aus Öl und Gas, Kupfer und Edelstein steuerlich nicht berücksichtigt werden.

Schüsse und Sponten-Demos

Im Osten des Landes haben Sicherheitskräfte nach Angaben von Augenzeugen indes erneut das Feuer auf Demonstranten eröffnet. In der Stadt Hpa-An im Teilstaat Karen (Kayin) hätten die Polizisten sowohl Gummigeschoße als auch scharfe Munition gegen Protest-Teilnehmer eingesetzt, sagte ein Demonstrant am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. Insgesamt seien rund 50 Schüsse gefallen, ein Student sei am Oberschenkel getroffen worden und werde medizinisch behandelt.

Demonstranten hatten am frühen Donnerstagmorgen (Ortszeit) damit begonnen, Sandsäcke als Barrieren auf den Straßen von Hpa-An zu errichten. Kurz darauf rannten zahlreiche Soldaten und Polizisten auf die Straße und versuchten, die Protestteilnehmer mit Blendgranaten auseinanderzutreiben.

Die Demonstranten ließen sich von der Polizeigewalt aber nicht abhalten. Im Verlauf des Tages gab es in der Stadt mehrere Spontan-Demonstrationen, bei denen die Teilnehmer zum Zeichen ihres Protests drei Finger in die Höhe streckten.

dpa-Journalist freigelassen

Ein in Myanmar festgenommener polnischer Journalist, der für die Deutsche Presse-Agentur tätig ist, ist nach knapp zwei Wochen wieder frei. Am Donnerstag startete Robert Bociaga (30) vom Flughafen von Yangon in Richtung Polen, wo er nach mehreren Zwischenstopps am Freitag landen soll. Er war am 11. März in Taunggyi, der Hauptstadt des Shan-Staats, von Soldaten inhaftiert worden, als er über die Proteste gegen die neue Junta nach dem Militärputsch von Anfang Februar berichtete.

"Wir sind sehr erleichtert, dass Robert Bociaga bald in Freiheit bei seiner Familie ist", sagte dpa-Chefredakteur Sven Gösmann. Gleichzeitig mahnte er, dass die Situation für Journalisten in Myanmar weiterhin wie für die gesamte Bevölkerung sehr gefährlich bleibe. "Wir appellieren an die Übergangsregierung, die Pressefreiheit und die Menschenrechte zu achten. Die Welt und auch dpa werden weiter genau hinsehen, was in Myanmar passiert", sagte Gösmann.

Der Fall sorgte auch international für viel Aufsehen. Unter anderem hatte Reporter ohne Grenzen die sofortige Freilassung Bociagas und aller weiteren in Myanmar festgenommenen Medienschaffenden gefordert. Die deutsche Botschaft in Yangon, die in Myanmar die konsularischen Interessen der polnischen Bürger vertritt, hatte laut Mitteilung sofortigen Zugang und Informationen über den Grund seiner Inhaftierung gefordert.

In Myanmar gehen Militär und Polizei seit dem Umsturz von Anfang Februar mit zunehmender Härte nicht nur gegen Demonstranten, sondern auch gegen Politiker, Aktivisten und Journalisten vor. Nach Schätzungen der Gefangenenhilfsorganisation AAPP wurden bisher mehr als 2.900 Menschen festgenommen. Mehr als 280 seien getötet worden, twitterte AAPP am Donnerstag. Ausländer galten bisher aber als relativ sicher. Am Mittwoch waren überraschend 600 Inhaftierte freigelassen worden. Hauptsächlich handelte es sich um Studenten. (APA, 25.3.2021)