Wissenschafterinnen und Wissenschafter von Pharmafirmen und Biotech-Unternehmen, die mit Hochdruck einen Impfstoff gegen Covid-19 entwickeln, Simulationsforscher, die den Pandemieverlauf berechnen, und Molekularbiologen, die Rachenabstriche auf das Virus testen. Die Expertise von Fachkräften in Mint-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) ist in der Corona-Krise stark gefragt.

Eine junge russische Forscherin bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs. Auch nach der Pandemie ist zu erwarten, dass Jobs im Biotech- und Pharmasektor gefragt sind.
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Bereits vor der Pandemie galt: Wer einen solchen Abschluss hat, hat gute Chancen am Arbeitsmarkt und wird in der Regel der Qualifikation entsprechend eingesetzt – zumal es in einigen Bereichen einen Fachkräftemangel gibt. Laut der im Februar erschienenen Studie "Entwicklungen im Mint-Bereich an Hochschulen und am Arbeitsmarkt" des Instituts für Höhere Studien (IHS) sind nur 2,3 Prozent derjenigen, die 2018 ihr Mint-Studium abgeschlossen haben, arbeitslos. Zwei Monate suchen Mint-Absolventen im Schnitt einen Job, zeigen Zahlen der Statistik Austria. Und mit knapp 3.000 Euro brutto bekommen sie auch ein gutes Einstiegsgehalt.

Doch wie stellt sich die Situation nun, in Zeiten von Einstellungsstopps und hoher Arbeitslosigkeit, für jene dar, die kürzlich ihr Studium absolviert haben? Die Jobplattform Stepstone hat dazu Stelleninserate in 22 Printmedien und 35 Jobbörsen in Österreich von der Personalmarktforschung Index Research untersuchen lassen. Insgesamt standen Berufseinsteigern im Vorjahr um 28 Prozent weniger Stellen zur Auswahl als noch 2019. Das ist deutlich weniger als am gesamten Stellenmarkt, der laut Stepstone um ein Fünftel zurückgegangen ist. Das mag auch daran liegen, dass Unternehmen derzeit zentrale Positionen vor allem an Berufserfahrene vergeben und das Onboarding für Einsteiger im Homeoffice als schwierig erachten.

Rückgang bei Stellenausschreibungen

Im Mint-Bereich ist die Lage – trotz weniger Jobs – vergleichsweise gut. Den geringsten Rückgang bei allen Ausschreibungen verzeichnen naturwissenschaftliche Einstiegsjobs in der Forschung und Entwicklung mit einem Minus von 5,2 Prozent. Die meisten Stellen richteten sich 2020 an junge IT-Fachkräfte, jedoch mit deutlichem krisenbedingtem Rückgang. Auch im technischen Bereich wird weiterhin gesucht.

Zwar kann die Zahl der offenen Stellen ein Indiz für eine hohe Nachfrage oder einen Engpass sein. Aber es gibt keine Datenbank aller offenen Stellen, nicht alle werden beim Arbeitsmarktservice (AMS) gemeldet, und viele werden ohne Ausschreibung besetzt, betonen die Autoren der IHS-Studie. Zudem seien die verschiedenen Branchen wegen unterschiedlicher Ausschreibungs- und Besetzungspraktiken nur bedingt zu vergleichen.

Laut IHS-Studie könnte die Corona-bedingte Arbeitslosigkeit einen Fachkräftemangel dort, wo es aktuell einen solchen gibt, entkräften. In Deutschland geht eine Prognos-Studie davon aus, dass 2022 4,6 Prozent der Nachfrage nach Ingenieuren mit Hochschulabschluss vom Angebot nicht gedeckt werden können. Ohne Krise wäre es eine Lücke von 6,1 Prozent. Mittel- und langfristig ändere die Krise aber wenig am Mangel. Auch in Österreich legen das Spezialauswertungen des AMS nahe, nicht alle, die jetzt am Arbeitsmarkt verfügbar sind, haben auch die geforderten Qualifikationen: Im Oktober gab es zum Beispiel weniger als einen Techniker mit höherer Ausbildung für Maschinenbau pro freie Stelle.

Verwissenschaftlichung

Wie sich die Mint-Branchen von der Krise erholen werden, ist ungewiss. Ob des Digitalisierungsschubs und Homeoffice wird eine gesteigerte Nachfrage nach Jobs in Informatik und Kommunikationstechnologie erwartet. Zudem sind künftig laut einem aktuellen AMS-Report Absolventen in Umwelttechnik und Data-Science gefragt, auch in Cloud-Computing, Ingenieurwesen und Medizininformatik liegen Jobs der Zukunft. Und auch der Biotech- und Pharmasektor könnte stark wachsen. Denn laut den IHS-Autoren sei es denkbar, dass es derzeit durch die Öffentlichkeitswirksamkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse zu einer "positiven Verwissenschaftlichung" der Gesellschaft kommt – und sich somit mehr Junge für Mint-Fächer begeistern. (set, 29.3.2021)