Partyurlaub geht derzeit nicht. Aber Österreichs Jugendliche trinken zu Hause auch genug, zeigt eine Studie.

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Wer Alkoholkonsum erforschen will, möge sich Österreich anschauen. Nicht nur sticht die Republik als Land der Vieltrinker hervor, auch die Datenlage sei hierzulande gut, schreiben Ökonomen der Universitäten in Linz und Passau in einer jüngst veröffentlichten Studie. Untersucht wird darin der Zusammenhang zwischen dem legalen Mindestalter fürs Trinken und dem Alkoholmissbrauch. Das Ergebnis: Je früher Jugendliche trinken dürfen, desto wahrscheinlicher steht ihnen ein Leben mit Alkoholproblem bevor. Besonders betroffen sind Jugendliche aus sozial schwächerem Umfeld.

Aber der Reihe nach. Die Forscher schauten sich Umfragen an, bei denen Teilnehmer gefragt wurden, ob sie in den vergangenen sieben Tagen Alkohol getrunken hatten. Das Ergebnis: Mit dem 16. Geburtstag steigt die Zahl der Bejahungen rasant an. Die Forscher führen den Effekt auf den Eintritt ins legale Trinkalter zurück. Auch die pro Kopf konsumierte Menge steigt mit dem 16. Geburtstag stark an.

Sozial schwächere Jugendliche

Die Daten zeigen, dass Jugendliche aus sozial schwächerem Umfeld statistisch gesehen stärker auf die gewonnene Freiheit, legal zu trinken, reagieren. Sie sind statistisch häufiger von Alkoholvergiftungen betroffen als Jugendliche mit ökonomisch gefestigterem Hintergrund. Zwar nähern sich die beiden Gruppen über die Zeit wieder an, ein statistischer Unterschied ist aber auch bei Anfang 20-Jährigen noch zu beobachten.

Bemerkenswert sei, schreiben die Forscher, dass Jugendliche auch dann nicht weniger konsumieren, wenn Familienmitglieder nachweislich alkoholkrank sind. Die Daten zeigen nämlich, dass Teenager, deren Eltern an alkoholbedingter Leberzirrhose leiden, sich beim Eintritt ins legale Trinkalter nicht von ihren Altersgenossen unterscheiden. Legale Mindestalter für den Alkoholkonsum seien möglicherweise keine effektive Maßnahme, um diese Gruppe zu schützen, konkludieren die Ökonomen. Denn die Daten könne man als Imitation des Trinkverhaltens der Eltern durch deren Kinder interpretieren.

Verfügbarkeit und Risiko

In ihrer Studie gehen die Ökonomen auch der Frage nach, warum der Alkoholkonsum mit dem 16. Geburtstag plötzlich so stark ansteigt. Es liege wohl nicht daran, dass das legale Mindestalter für Alkoholkonsum streng exekutiert wird, schreiben sie. Denn ein Experiment habe gezeigt, dass beispielsweise fast ein Viertel aller Shops in Oberösterreich Alkohol an Minderjährige verkauft. Fast 85 Prozent der unter 16-Jährigen gaben an, es sei einfach, an Alkohol zu kommen.

Der Grund sei vielmehr ein normativer. Mit dem 16. Geburtstag ändert sich die Haltung zum Alkohol. Der Rausch wird sozial akzeptiert, Eltern schauen nicht mehr so genau hin, ob und wie viel der eigene Nachwuchs trinkt. Zwar fügen die Ökonomen an, dass sich diese Hypothese schwer empirisch testen lasse. Aber es gebe durchaus Daten, die für sie sprechen würden. Denn Umfragen zeigen auch: Vor dem 16. Geburtstag schätzen Österreichs Jugendliche die Risiken des Alkoholkonsums höher ein als nach dem 16. Geburtstag.

Für die Studie griffen die Forscher auf "hochqualitative" Umfragen und umfangreiche öffentliche Gesundheitsregister zurück. (luis, 30.3.2021)