Über 20.000 Bitcoin soll Reynolds mit seinen Versprechen ergaunert haben, bevor er abtauchte.

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Weil er zahlreiche Menschen um mehr als 20.000 Bitcoin betrogen hat, soll ein Brite eine rekordverdächtige Strafzahlung leisten. Die US-amerikanische Commodity Futures Trading Commission (CFTC) war zuvor gegen den britischen Staatsbürger Benjamin Reynolds vor ein Bundesgericht gezogen.

Dieses, so wurde nun bekannt, erließ Anfang März eine Strafanordnung. Da es die Schuld des Beklagten als erwiesen ansieht, soll dieser einerseits rund 429 Millionen Dollar (rund 364 Millionen Euro) als Strafe sowie knapp 143 Millionen Dollar (rund 121 Millionen Euro) als Schadenersatz an 169 US-Kunden zahlen. Die Anzahl der tatsächlich Betroffenen könnte sogar höher sein.

Versprach hohe Gewinne durch Reinvestments

Vorgeworfen wird ihm, zahlreiche Menschen mit Profitversprechen dazu verlockt zu haben, ihm Bitcoin zu überweisen. Er gab sich als Unternehmer mit einem erfahrenen Team aus Finanzspezialisten aus und versprach, das ihm anvertraute Digitalgeld für seine Kunden mit hohen Gewinnen am Kryptomarkt zu reinvestieren.

Nachdem er zwischen Mai und Oktober 2017 Werbung in eigener Sache betrieben hatte, tauchte er schließlich ab. Wie sich während der Ermittlungen herausstellte, hatte er nicht einmal versucht, die Bitcoins zu investieren, sondern das Geld schlicht behalten. Nach aktuellem Marktwert sind 20.000 Bitcoins über 1,1 Milliarden Dollar wert.

Das Urteil bildet den Kurs zum Zeitpunkt seiner Betrugsmasche ab. 2017 machte die Krypto-Leitwährung Schlagzeilen mit massiven Kurssteigerungen, die im Dezember mit rund 20.000 Dollar – mittlerweile längst überholt – vorläufig kulminierten.

Abgetaucht

Die CFTC geht bereits seit Jahren gegen Reynolds vor. Die Klage wurde schließlich Anfang 2019 eingereicht, nachdem dieser auf mehrere Schreiben der Behörde nicht reagiert hatte. Auch die Verhandlung lief ohne seiner Anwesenheit ab.

Das zeigt auch auf, dass der Ärger in dieser Causa wohl noch nicht ausgestanden ist. Denn wo sich der Betrüger derzeit aufhält, ist unklar. Zudem warnt die CFTC, dass die Anordnung des Gerichts nicht automatisch bedeutet, dass Betroffene ihre Kryptoassets bzw. ihre Schadenersatzzahlung bekommen. Denn selbst wenn Reynolds aufgespürt werden kann, kann sich immer noch herausstellen, dass er nicht über die finanziellen Mittel verfügt, um die geforderten Summen zu begleichen. (gpi, 29.3.2021)