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Pro
von Siegfried Lützow

"Erst mundete der Rotwein mir, danach auch Schnaps, Likör und Bier – bis ich dann beim Kartenspiel rückwärts aus den Latschen fiel." William Shakespeare (Oder war’s Ralf König?) schildert anschaulich die Gefahren des Durcheinandertrinkens. Selbst die Bescheidung auf zwei Sorten Erfrischung kann ohne charakterliche Stärke flugs in die Katastrophe führen – der Verzehr von Herrengedecken endet selten in einem Damenspitzerl, ein Kavalierspitz ist das Mindeste.

Natürlich ist die Kombination mit dem Langen zur Löschung des Brandes oder auch des Widerwillens, den der Kurze verursacht hat, geeignet. Bei lustigen Trinkspielen ist das oft die einzige Möglichkeit, seine Chance zu wahren. Freilich ist das Herrengedeck auch der schnellen Wirkung halber beliebt, allerdings hebt Shakespeare warnend den Finger: "In meinem Schädel ist ein Rumpeln und ein Dröhnen, als ob Gewitter sich mit Erdstoß streitet, wes’ Naturgewalt die Stärk’re sei." Oder war’s Ralf König?

Kontra
von Gianluca Wallisch

Ich gebe es gerne zu: Kollege Lützow überrascht mich und imponiert mir immer wieder aufs Neue. Wie er das Herrengedeck anpreist und sich dabei frech auf den wohl größten Dichter ever beruft, ist gleichermaßen geistreich wie humorvoll – aber letztlich zum Scheitern verurteilt. Guter Versuch, lieber Sigi. Aber nicht gut genug.

Wenn man schon Zitate trinkfester Geistesgrößen bemühen will, dann bitte solche von Autoren, die in die Abgründe alkoholischer und anderer Räusche nicht nur kurz einmal hineingeschaut haben. Wem also mehr glauben als dem guten, alten Hunter S. Thompson, der für uns Leber- und Hirnzellen hingegeben hat, um zu dem Schluss zu kommen: "Gute Leute trinken gutes Bier." Punkt.

Der Korn, der Schnaps, der Scotch verdienen sich ein besseres Schicksal als mit schalem Bier verpanscht oder – horrende Vorstellung! – gleich im Stamperl als U-Boot im Bierglas versenkt zu werden. Also: Lasst uns gute Leute sein! (RONDO, 2.4.2021)