In der Welt von "Shadow and Bone" unterstehen Magiebegabte der königlichen Familie. Die Serie folgt zwei Waisenkindern, die genau das sind, sogenannte Grisha. In der Hauptrolle unter anderem: Jessie Mei Li. Ab 23. April auf Netflix.

Foto: Netflix

Vor ungefähr einem Monat sorgte Netflix für einen Aufschrei der Empörung unter zahlenden und nicht zahlenden Kunden. Die Ankündigung, das Teilen von Accounts künftig unterbinden zu wollen, stieß auf wenig Gegenliebe. Für ein Unternehmen, das seinen Erfolg am Lärmpegel in sozialen Medien bemisst, mag das ein überraschender und rechnerisch unlogischer Schritt sein. Jüngste Zahlen von Marktanalysten behaupten das Gegenteil. Wie vom US-Finanzdienstleister Citi berechnet, gehen Streamingplattformen durch das Passwort-Teilen insgesamt 25 Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr verloren. Allein Netflix gehen sechs Milliarden Dollar pro Jahr durch die Lappen. Bei einem Gesamtumsatz von 25 Milliarden Dollar 2020 keine Kleinigkeit. Würden sich alle anmelden, die bisher von einem geteilten Account profitiert haben? Ein Rundruf unter Bekannten kam zum sicher nicht repräsentativen Ergebnis: Wenn es sein muss, würden alle für ihr Netflix-Abo auch zahlen. Und zwar nur Netflix – nicht Disney Plus, nicht Amazon Prime, nicht Sky und schon gar nicht Apple TV+. Na dann.

Ich bin nicht ganz sicher, ob das so bleiben wird. Disney Plus prescht mit geballter Content-Kraft voraus. Netflix hält dagegen, der Algorithmus wird allerdings immer mehr zur Falle für sich wiederholende Selbstzitate, speziell im Seriensegment. Ein Trend, der sich im kommenden Quartal festigt. Inhaltlich geht sowieso alles in Richtung Eskapismus, eh okay. Aber der Reihe nach.

Fangen wir mit dem vielleicht besten Universum aller Zeiten an, denn in der Star-Wars-Welt kommt etwas Neues. Nach der Animationsserie "The Clone Wars" kommt jetzt The Bad Batch. Da geht es um die Clone Force 99, eine Art Klonkrieger-Spezialeinheit, die, wie der Name schon sagt, ein ziemlich übler Haufen ist und oft Befehle missachtet. Das kann also sehr lustig werden, vor allem, weil auch die ein oder andere Figur aus "The Mandalorian" wieder auftauchen soll, und es ist immer spannend zu sehen, was die Schreiberinnen und Schreiber aus den eigentlich ja ohne Individualität auskommenden Klonen machen. Am 4. Mai geht's auf Disney Plus los.

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In die Kategorie "OMG" fällt "Big Shot". Als Liebling in "Full House" stahl unser "lieber Onkel Jesse" John Stamos sogar dem niedlichen Nachwuchs die Show. Inzwischen ist er in Würde gealtert, und zwar so, dass er auch einmal den Stinkstiefel spielen darf. Wenigstens ein bisschen. Als grumpy old Basketballcoach gerät er in der Disney-Plus-Serie Big Shot an ein Team von süßen, aber leider nicht sehr toll spielenden Mädels einer Eliteschule. Die Betreuung läuft anfangs nicht gut, Coach Marvin ist nicht ganz freiwillig da, die vorlauten Damen lehnen ihn ebenfalls ab. Am Ende passt aber sicher alles. Disney Plus setzt nach "Mighty Ducks" noch eine "Um zu gewinnen, muss man hart kämpfen"-Story darauf. Hinter "Big Shot" steckt kein Geringerer als David E. Kelley, der schon Ally McBeal scheitern und siegen und zuletzt Nicole Kidman unter der Grausamkeit des Hugh Grant leiden ließ. Ab 16. April, Disney Plus.

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Kate Winslet stand bereits 2011 als faszinierende "Mildred Pierce" für HBO vor der Kamera. Die Serie wurde mit Emmys überhäuft. Das könnte nun auch in "Mare of Easttown" passieren. In der siebenteiligen Miniserie spielt sie den Detective einer amerikanischen Kleinstadt. Als jugendliche Basketballerin hat sie für den Ort Körber geworfen. Das ist lange her, als Cop wirkt sie inzwischen desillusioniert und wenig ambitioniert. Die Dinge beginnen sich jedoch zu ändern, als sie den Mord an einem Mädchen untersuchen muss, was die Bewohner der Stadt in Aufruhr versetzt – und Mare of Easttown ebenfalls. Sie spürt die Erwartung der Menschen und zweifelt, diese erfüllen zu können. Die Miniserie wird am 18. April auf HBO Max Premiere haben, ab 21. Mai ist sie auf Sky zu sehen.

Movie Coverage

Noch mehr, wenn auch nicht komplett in der Realität angekommen ist Tilo Neumann und das Universum, das am 22. April bereits auf TV Now startet. Tilo Neumann ist ein unglücklicher Gymnasiallehrer, dessen Frau ihn verlassen hat, und eine wütende Teenagertochter hat er auch noch. Nach einer durchzechten Drogennacht spricht dann plötzlich eine Stimme zu dem guten Mann – und die gehört, wie der Titel schon verrät, dem Universum. Und es bietet ihm einen Deal an: Hilf anderen, und dafür ich helfe ich dir, dein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Und wenn das nicht nach einer spannenden Prämisse klingt, dann weiß ich auch nicht. In der Hauptrolle: der großartige Christoph Maria Herbst, den die meisten als Stromberg kennen dürften.

Fantastischer geht es dann wieder in Shadow and Bone zur Sache. Diese Netflix-Serie basiert auf den Bestsellerromanen von Leigh Bardugo und lässt sich am ehesten bei "The Witcher" oder "Game of Thrones" einordnen. In der Welt von "Shadow and Bone" unterstehen Magiebegabte der königlichen Familie. Die Serie folgt zwei Waisenkindern, die genau das sind, sogenannte Grisha. In der Hauptrolle unter anderem: Jessie Mei Li. Außerdem lassen die ersten Trailer auf ein hohes Produktionsniveau hoffen. Am 23. April geht's los.

Netflix

Grey's Anatomy Man hat ja schon viele Katastrophen miterleben müssen im Seattle Grace Hospital, aber das übersteigt alles bisher Dagewesene. Kein Großbrand, Flugzeugabsturz, Terroranschlag sorgt für Überbelegung, sondern: Covid. Das Krankenhaus befindet sich mitten in der Corona-Krise, Ärzte und Pflegepersonal tragen Schutzanzüge und arbeiten am Limit, andauernd sterben Patienten. Ein beklemmender Blick auf gegenwärtigen Verhältnisse. Übriges: Die siebzehnte Staffel wird auch kaum die letzte sein, sowohl Showrunnerin Krista Vernoff als auch Dr. Grey, Ellen Pompeo, möchten weiterdoktern. Von mir aus dürfen sie. 26.4., ORF.

TV Promos

Wer Fan von "Der Club der roten Bänder" war, der sollte sich den 27. April, Achtung, ROT im Kalender markieren. Denn dann kommt mit Alive and Kicking das neueste Werk von Schöpfer Albert Espinosa. Wieder geht es um eine Gruppe Jugendlicher, diesmal aber in einer psychiatrischen Einrichtung. Es geht also viel um mentale Gesundheit und den Umgang damit, samt langwierigen Therapiestunden und heftigen Medikamenten. Für wen das gut klingt, der kann sich die Serie auf dem Bezahlsender Fox anschauen.

Muss man einen Serienerfolg wie ein Stück Zitrone so lange auspressen, bis kein einziger Tropfen Saft mehr rauskommt? Man muss. Elisabeth Moss' Interpretation von Margaret Mitchells The Handmaid's Tale löste in der ersten Serienrunde noch Schockwellen unter dem Publikum aus. Und wenn die Staffeln zwei und drei diesen hohen Level nicht ganz halten konnten, will man doch immer noch mehr sehen von Offreds Befreiungskampf. Am 28. April geht er in den USA in die vierte Runde. Staffel fünf soll auch schon bestellt sein. Negativer Eskapismus, in Zeiten wie diesen durchaus wohltuend.

Movie Coverage

Wer sagt der Top-Schauspielerin, dass Quentin Tarantino für das nächste Engagement abgesagt hat? Was macht man mit dem Schauspieler, der aus seiner Rolle als Weltkriegsdeserteur nicht mehr herausfindet? Und wie begegnet man überhaupt Schauspielerinnen und Schauspielern, die zu absonderlichen Allüren neigen? Die Idee zu Call My Agent! stammt vom Schauspieler und Produzenten Dominique Besnehard. Der war selbst jahrelang Chef einer Casting-Agentur und weiß, wovon er spricht. Am 28. April geht die fünfte Staffel an den Start, dicke Empfehlung. Sony & Amazon.

KinoCheck Comedy

Wir schreiben das Jahr 2143. Die schlechte Nachricht: Die Welt ist kein besserer Ort geworden. London liegt in Schutt und Asche. Die gute Nachricht: Immerhin man kann wieder in Bars abhängen! "More drinks", ruft Ash Harper in Intergalactic, sie hat einen Erfolg zu feiern. Die Rekrutin einer britischen Militäreinheit hat soeben mit einem fliegenden Miniflitzer eine brandgefährliche Verbrecherin unschädlich gemacht. Es läuft gut, sie hat Karrierepläne. Aber: Daraus wird vorerst nichts, schuld ist Mutter. Keine Psychofigur, auch kein sonstiger Science-Fiction-Korpus, sondern eine der Kommandantinnen dieser ziemlich kaputten Zukunftsgesellschaft. Ash Harper muss weg, landet in einem Raumschiff voller gemeiner Frauen und will da nur noch raus. Action, hohes Tempo und ein Sounddesign ergeben eine Serie, bei der einem nur vom Hinhören schwindlig wird. Ab 6. Mai bei Sky.

Sky Deutschland

Am 14. Mai startet auf Amazon Prime The Underground Railroad. Das ist eine zehn Folgen lange Miniserie, basierend auf den Ereignissen rund um die gleichnamige Untergrundgruppierung von Sklavengegnern. Denen gelang es zwischen 1810 und 1850, etwa 100.000 Sklaven aus den Südstaaten zu befreien. Dazu nutzten sie ein geheimes Netz aus Gleisen und Tunneln, klingt superspannend.

Movie Coverage

The Chi 4 Leben in der South Side von Chicago mit allen Höhen und Tiefen. Lena Waithe ("Dear White People") hat die Regeln Hollywoods geändert (zit. n. "Variety"), und Hollywood ist bereit, nach ihnen zu spielen: "Ich will seit jeher einfach nur Geschichten erzählen von Menschen, die mich interessieren. Ich freue mich, wenn ich dazu beitrage, die Film- und Fernsehlandschaft zu verändern. Aber mein Ziel war das nie." Ab 23. Mai, vorerst in den USA auf Showtime, später auf Amazon.

The Chi on SHOWTIME

Die klassische Marvel-Empfehlung: Loki. Die Serie rund um den Asgard-Bösewicht und Bruder von Thor startet am 11. Juni, und viele Fans sind schon ganz heiß drauf. Denn Loki mag wahrscheinlich jeder, auch wenn er als purer Bösewicht angefangen hat. Und die Trailer lassen auf eine heitere Zeit hoffen. Bis jetzt haben die Disney-Marvel-Serien ja ganz gut funktioniert, mal schauen, ob das auch weiterhin so bleibt.

Marvel Entertainment

Was uns persönlich da ein bisschen fehlt, ist der positive Eskapismus, heile Welt, Menschen, die uneingeschränkt das Richtige tun, das bräuchte es jetzt. Apropos: Wann kommt eigentlich Neues von Mrs. Maisel? Wir bleiben dran.

Bis dahin: Frohes Schauen! (Thorben Pollerhof, Doris Priesching, 9.4.2021)

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