Gerade ist die Karawane wieder weitergezogen. Nach Bali und Dubai ist jetzt offensichtlich Mexiko zum begehrtesten Ziel der Reise-Influencer geworden. Auf Instagram tauchen gerade tausende Bilder von der mexikanischen Karibikküste und vor allem aus Tulum auf. Die Gründe dafür sind vielfältig. Mexiko hat während der Pandemie nie wirklich seine Grenzen geschlossen und lässt grundsätzlich jederzeit Touristen ins Land. Bis heute verlangt es als eines der wenigen Länder weltweit bei der Einreise keinen negativen PCR-Test. Präsident Andrés Manuel López Obrador gehört zu den Staatschefs, die den Lockdown ablehnen und ungestörten Tourismus forcieren wollen.

Wie einfach es derzeit ist, nach Tulum in Mexiko zu kommen, machen Reise-Influencer vor.
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Für gar nicht so wenige Menschen – in erste Linie US-amerikanische Touristen – ist ein Karibikurlaub offenbar verlockender als die aktuelle Situation im Land. Die Intensivstationen sind voll, während die Infektionszahlen weiter steigen. Bis Ende März wurden laut Johns-Hopkins-Universität mehr als 2,2 Millionen Corona-Fälle und mehr als 200.000 damit in Verbindung gebrachte Todesfälle in Mexiko registriert.

Immer mehr Touristen aus den USA schätzen es ebenso wie manche Influencer, Urlaub von der Pandemie zu machen.
Foto: AP / Emilio Espejel

International erfolgreiche Influencer sind auch deshalb gerade nach Mexiko weitergetingelt, weil unter anderem Großbritannien die Vereinigten Arabischen Emirate auf die rote Liste der Herkunftsländer gesetzt hat. Seit Jänner gilt für den ehemaligen Instagram-Hotspot Dubai: Reiserückkehrer müssen sich in Großbritannien – und sowieso in Österreich – zehn Tage in Quarantäne begeben. Mexiko steht dagegen nicht auf der roten Liste Großbritanniens und vieler weiterer Länder.

Die österreichische Influencerin Petra Löscher in Mexiko. Sie hat etwas mehr als 100.000 Follower auf Instagram.

Die Reaktionen auf die Karawane der Influencer, die immer weiterzieht auf der Suche nach potenziellen Zielen für die Auszeit von der Pandemie, sind durchaus gemischt. Einige Follower auf Instagram regt es auf, dass Influencer oft in ärmere Länder reisen und Angestellte dort gesundheitlichen Gefahren aussetzen. Viele andere kommentieren deren Reiseverhalten nur mit dem offensichtlichen Wunsch nach Nachahmung: "Viel Spaß, wir wünschten, wir wären auch dort!"

Die Influencerin Tara Tabitha lässt über Instagram wissen: "Ich fühle mich der Karibik sehr verbunden." Unzählige Follower freuen sich für sie, dass sie dort ist.

Unbestritten ist, dass die Influencer gern eingesetzte Werber für den Tourismus auch nach der Pandemie sein werden. Studien gehen davon aus, dass der weltweite Influencer-Werbemarkt bis 2025 um das Vierfache auf rund 20 Milliarden Euro wachsen wird. Und Europas größter Reisekonzern TUI arbeitet schon seit Jahren mit Influencern zusammen. "Influencer gehören zur meinungsbildenden Schicht der Gesellschaft", sagte etwa der deutsche TUI-Sprecher Magnus Hüttenberend gegenüber der Deutschen Welle. Die Zusammenarbeit mit Influencern ist ein "essenzieller Teil" der Marketingstrategie des Unternehmens.

Immer mehr Kommunikationswissenschafter warnen aber vor einem dumpfen "Influencer-Bashing". Es verhält sich wohl ähnlich wie mit dem Rest der Bevölkerung: Auch der Großteil der Reise-Influencer scheint in der Pandemie zu Hause geblieben zu sein. Viele rufen sogar aktiv dazu auf, die notwendigen Spielregeln einzuhalten, obwohl ihnen selbst über Nacht die Lebensgrundlage weggebrochen ist. (red, 2.4.2021)