Unter anderem in Marburg wird der Biontech/Pfizer-Impfstoff hergestellt.

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Die Debatte über die Impfstoffe gegen Covid-19 findet in Europa kein Ende. Nach Lieferengpässen, Impfstopps und überhaupt dem Streit über einen Verteilungsschlüssel innerhalb der Europäischen Union gibt es aber auch positive Nachrichten: Erst vor wenigen Tagen wurden zwei neue Produktionsstandorte für Impfstoffe von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) genehmigt.

Einer davon ist das Werk im deutschen Marburg, das eines der größten für die Herstellung der mRNA ist und den Impfstoff für Biontech und Pfizer herstellt. Für den britisch-schwedischen Impfstoff von Astra Zeneca produziert das jüngst zugelassene Werk des Unternehmens Halix im niederländischen Leiden.

Eine Übersicht, an welchen Standorten der Impfstoff selbst produziert oder später auch nur abgefüllt und abgefertigt wird, ist nicht so leicht zu erlangen. Zwar steht in den Informationsblättern der EMA zu den zugelassenen Vakzinen, welche Unternehmen die biologisch aktiven Substanzen herstellen, doch sind nicht die Abfüllstationen erfasst.

Qualitätssicherung

Dokumentiert sind aber jene Standorte, an denen die jeweiligen Impfdosenchargen für die Logistik freigegeben werden – also die Qualitätssicherungsstellen. Die sind meist bei Abfüllstationen, die innerhalb der EU liegen, am gleichen Standort integriert. Wenn die Charge aber außerhalb der EU endabgefertigt wird, dann benötigt der Hersteller eine solche Endkontrollstelle in der Union, damit die Dosen im Binnenmarkt eingesetzt werden dürfen.

Mehr Dosen

Während in Europa – und sowieso weltweit – die Impfkampagnen an Fahrt gewinnen, bauen die Impfstoffhersteller ihr Produktionsnetzwerk aus. Biontech und Pfizer haben erst am Mittwoch angekündigt, dass es ihnen bis Ende des Jahres möglich sein wird, 2,5 Milliarden Impfdosen herzustellen. Zuvor hatten sie mit zwei Milliarden gerechnet.

Möglich macht es etwa, dass ab Juli der Biontech/Pfizer-Impfstoff auch am Frankfurter Standort des französischen Pharmaunternehmens Sanofi abgefüllt wird. Und auch andere Hersteller setzen auf neue Partnerschaften an neuen Standorten. So wird das Vakzin von Johnson & Johnson ab Mitte Juni an einer neu eröffneten Stätte des Unternehmens Reig Jofre in Barcelona abgefüllt. Thierry Breton, der EU-Kommissar für den Binnenmarkt, begutachtete die Fabrik öffentlichkeitswirksam vor einer Woche.

Mehr Kontrolle bei Export

Erst vor kurzem hat die Europäische Kommission beschlossen, die Ausfuhr von Impfstoffen aus der Union stärker zu überwachen. So wurde mit einer neuen Verordnung festgelegt, dass der Export von Vakzinen dann untersagt werden kann, wenn das Bestimmungsland seinerseits die Ausfuhr von Impfstoffen oder deren Bestandteilen einschränkt bzw. untersagt. Ausschlaggebend ist nun auch, ob im Bestimmungsland eine schlechtere Infektions- oder Impflage als in der EU herrscht.

Bis Mitte März bewilligte die Union den Export von rund 43 Millionen Impfdosen. Diese wurden an 33 Länder ausgeliefert. Die meisten Dosen gingen nach Großbritannien, nämlich 10,9 Millionen.

Auf den Plätzen danach folgen:

  • Kanada (6,6 Millionen Dosen)
  • Japan (5,4 Millionen Dosen)
  • Mexiko (4,4 Millionen Dosen)
  • Saudi-Arabien, Singapur, Chile (jeweils 1,5 Millionen Dosen)
  • Hongkong (1,3 Millionen Dosen)
  • Südkorea, Australien (jeweils 1,0 Millionen Dosen)

    (Bianca Blei, Michael Matzenberger, 5.4.2021)