Seit Beginn der Proteste wurden mehr als 500 Menschen getötet.

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Zahlreiche Menschen in Myanmar haben am Freitag mit einem "Blumenstreik" der hunderten Opfer der Militärgewalt gedacht. Aktivisten hatten dazu aufgerufen, an öffentlichen Orten wie Parks und Bushaltestellen Blumen als Zeichen der Trauer niederzulegen. Am Donnerstag hatte der UN-Sicherheitsrat die anhaltende Gewalt in Myanmar verurteilt. Das Militär solle äußerste Zurückhaltung üben, forderte das mächtigste Gremium der Vereinten Nationen.

Auf zahlreichen Fotos in sozialen Netzwerken waren am Freitag bunte Sträußen oder einzelne Rosen zu sehen, begleitet von Gedenksprüchen für die "gefallenen Helden", wie die getöteten Demonstrantinnen und Demonstranten genannt werden. Auf einer Brücke in der größten Stadt Yangon stand ein großes Schild, auf dem in Blumen geschrieben stand: "Myanmar blutet."

Mindestens 543 Todesopfer

Nach neuen Schätzungen der Gefangenenhilfsorganisation AAPPP wurden seit dem Putsch vor zwei Monaten mindestens 543 Menschen getötet. Laut der Hilfsorganisation Save the Children sind mehr als 40 Kinder unter den Opfern. Die Einsatzkräfte gehen seit Wochen brutal gegen jeden Widerstand vor.

Telekomfirmen teilten mit, das Militär habe das Internet weiter eingeschränkt. Bereits seit Wochen wird der Zugang landesweit jede Nacht weitgehend gesperrt, auch tagsüber gab es zuletzt Beschränkungen. Aktivisten haben Apps in Umlauf gebracht, mit denen sich die Menschen auch offline über die Entwicklungen informieren konnten.

Forderung nach Sanktionen

Der Myanmar-Experte Richard Horsey warnte in einem Bericht für die NGO International Crisis Group vor einem Staatskollaps. "Das Regime zeigt keine Anzeichen dafür, dass es die Krise beenden will. Die Außenwelt hat nur begrenzten Handlungsspielraum, muss jedoch Waffenembargos und Sanktionen gegen das Militär verhängen und sich auf enorme humanitäre Hilfen vorbereiten", schrieb er auf Twitter.

Am Donnerstag hatte der UN-Sicherheitsrat die Gewalt verurteilt und das Militär zu äußerster Zurückhaltung aufgefordert. Er bekräftigte auch seine Forderung nach einer Freilassung der Regierungschefin Aung San Suu Kyi und des Präsidenten Win Myint. Die Stellungnahme dürfte an der Lage jedoch kaum etwas ändern. Vor allem China hat sich Diplomatenangaben zufolge gegen schärfere Formulierungen gesperrt.

Entmachtete Regierungschefin vor Gericht

Suu Kyi war am Donnerstag erneut vor Gericht erschienen. Dabei ging es nur um verfahrenstechnische Fragen und die formelle Ernennung von acht Verteidigern. Ein weiterer Gerichtstermin ist für 12. April angesetzt. Die körperliche Verfassung der 75-Jährigen sei gut, sagte ihr Anwalt Khin Maung Zaw. Suu Kyi wurde nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen, seit sie am 1. Februar abgesetzt und unter Hausarrest gestellt wurde.

Die Friedensnobelpreisträgerin sieht sich einer Reihe von strafrechtlichen Anschuldigungen gegenüber, darunter Besitz von Funkgeräten ohne die erforderliche Genehmigung, Verletzung von Corona-Bestimmungen und Aufforderung zum öffentlichen Aufruhr. Zudem soll sie umgerechnet 500.000 Euro und mehr als elf Kilogramm Gold als Schmiergeldzahlungen angenommen haben. Bei einem Schuldspruch könnte sie lebenslang von allen politischen Ämtern ausgeschlossen werden. (APA, 2.1.2021)