Montenegros Regierungschef Zdravko Krivokapić (Bild) hat am Montag seinen Justizminister Vladimir Leposavić entlassen.

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Podgorica/Sarajevo – Montenegros Regierungschef Zdravko Krivokapić hat am Montag seinen Justizminister Vladimir Leposavić entlassen. Grund war eine Aussage des Ministers zum Völkermord von Srebrenica, bei dem im Bosnien-Krieg im Juli 1995 rund 8.000 muslimische Bosniaken von serbischen Truppen ermordet worden waren. Leposavić hatte erklärt, dass er den Völkermord anerkennen würde, "wenn dieser unzweideutig bewiesen" werde.

Rücktrittsaufforderung nicht nachgekommen

Der Minister sprach außerdem dem UNO-Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien, wo mehrere Urteile wegen des Völkermords von Srebrenica verhängt wurden, "seine Legitimität" ab. Wie Krivokapić am Montag erläuterte, habe er zuerst Leposavić aufgefordert, selbst zurückzutreten. Da dieser sich geweigert habe, habe er ihn des Amtes entheben müssen, so der Regierungschef. Es wäre unzulässig, dass ein Justizminister seine privaten Standpunkte verbreite.

Der 35-jährige Jurist Leposavić gehört zu keiner Regierungspartei. Der Anwalt war im Dezember als Experte zum Justizminister bestellt worden. Vor Jahren war er allerdings in einigen rechtsnationalistischen Parteien aktiv.

Massaker 1995

In der einstigen ostbosnischen muslimischen Enklave Srebrenica waren im Juli 1995 von serbischen Truppen rund 8.000 bosniakische (muslimische) Stadteinwohner brutal ermordet worden. Ihre Leichen wurden später in Massengräbern entdeckt, nach mehr als 1.000 Vermissten wird weiterhin gesucht. (APA, 5.4.2021)