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Demut – das ist nicht unbedingt eine Eigenschaft, die man mit dem bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef Markus Söder verbinden würde. Am Sonntag aber, als er seine Bereitschaft zur Kanzlerkandidatur für die Union endlich bekannt gab, da übte er sich gleichzeitig darin. Es war kein forsches "Ja, ich will" oder "Ich bin besser als Laschet" von ihm zu hören. Söder weiß natürlich, dass dies keine Punkte gebracht hätte. Lautes Poltern der kleinen Schwester CSU ist in der CDU noch nie gut angekommen.

Also ging der Bayer die Sache listig an und legte die Entscheidung in die Hände der CDU. Das ist kein unkluger Schachzug, denn so kann man ihm nicht vorwerfen, er habe sich keck vorgedrängt. Jetzt hat die CDU die Qual der Wahl – oder auch den Schwarzen Peter.

Der Druck auf Laschet ist mit Söders Ankündigung enorm gestiegen. Seine Umfragewerte sind schlecht, die beiden Wahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg Mitte März, hat die CDU krachend verloren. Schon durch Söders unausgesprochene Bereitschaft wirkte Laschet wie ein Getriebener. Wurden die Chancen des CDU-Chefs für Kanzlerkandidatur und Kanzleramt ausgelotet, schwang immer mit, dass man ja erst mal Söders Entscheidung abwarten müsse. Der Bayer hatte das Heft in der Hand.

Nun hat die CDU tatsächlich und nicht mehr nur theoretisch eine Alternative zu Laschet. Votiert sie für Söder und nicht für "ihren" Laschet, dann wäre die Niederlage für Laschet sehr viel größer als für Söder, wenn er nicht zum Zug kommt. Denn eigentlich – und im politischen Lehrbuch – sollte eine Partei ja hinter ihrem eigenen Vorsitzenden stehen. Auf das "Urteil" dürfte Laschet also um einiges nervöser warten auf Söder. (Birgit Baumann, 11.4.2021)