Ziemlich ruhig ist es um den zuvor so schillernden Alibaba-Gründer Jack Ma geworden. Seit einem Zerwürfnis mit der Regierung im Herbst wird der Milliardär kaum mehr öffentlich gesehen.
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Es ist eine Rekordstrafe geworden, hätte aber dennoch viel schlimmer kommen können. Trotz einer umgerechnet 3,2 Milliarden Euro schweren Geldbuße der chinesischen Wettbewerbsaufsicht SAMR für den Onlineriesen Alibaba herrschte an der Börse Erleichterung. Die Aktie des Amazon-Pendants aus dem Reich der Mitte stieg nach der am Wochenende gefällten Entscheidung um zeitweise neun Prozent. Schließlich war zuvor sogar über die Zerschlagung von Alibaba in mehrere Unternehmensteile spekuliert worden.

Wird damit nach monatelanger Eiszeit ein Tauwetter zwischen Alibaba und dessen Gründer Jack Ma und den chinesischen Behörden eingeleitet? Oder folgt das dicke Ende noch? "Jetzt, wo die Strafe feststeht, verringert sich die Unsicherheit des Marktes über Alibaba ", bleibt Analyst Kenny Ng vom Finanzdienstleister Everbright Sun Hung Kai auch nach der Entscheidung eher vage.

Eiszeit seit November

Seit November ist die Gangart der Behörden gegenüber Alibaba und Ma äußert ruppig. Auslöser war eine öffentliche Kritik Mas, womit er unmittelbar vor dem geplanten Börsengang der Finanztochter Ant Financial den Bogen überspannte. Die Behörden würden Innovationen bremsen, Chinas Staatsbanken setzte er mit Pfandleihern gleich. Darauf untersagte die Aufsicht Ant Financial den Schritt an die Börse – es hätte der bisher weltgrößte werden sollen. Stattdessen bekam auch die Finanzfirma die Daumenschrauben der Aufsicht zu spüren.

Gegen Alibaba selbst wurde kurz darauf ein Marktmissbrauchverfahren eingeleitet – welches nun zu der Rekordstrafe in Höhe führte. Wegen Verstößen gegen das Kartellrecht wurde die Geldbuße auf vier Prozent des Umsatzes des Jahres 2019 festgesetzt – die bisher höchste Strafe der Kartellbehörden gegen einen Internetriesen. Begründet wurde die Entscheidung mit dem Vorgehen Alibabas, Händler dazu zu zwingen, sich exklusiv für seine Plattform zu entscheiden. Dies beeinträchtige Innovation und Entwicklung, zudem würden Rechte und Interessen Verbraucher geschädigt.

Bußgeld zu verkraften

Zu Wochenbeginn verabreichte Alibaba eine Beruhigungspille: Durch die Rekordstrafe ändere sich grundsätzlich nichts am Geschäftsmodell, beteuerte Vizechef Joe Tsai. Auch Experten zufolge lässt sich die Milliardenstrafe für Alibaba leicht verkraften. Allein in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres habe der Konzern einen Milliardengewinn eingefahren. Anscheinend wollen die Behörden Chinas Aushängeschild der Internetwirtschaft zumindest derzeit nicht ernsthaft beschädigen.

Die hohe Strafe sei eine wirksame Maßnahme, um Plattformen unter Kontrolle zu bringen, wird in einem Kommentar des kommunistischen Parteiorgans Volkszeitung erklärt. Sie ändere nichts an der Unterstützung des Staats für solche Handelsdrehscheiben, die eine wichtige Rolle in der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung spielten. Vielmehr solle mit der Geldbuße die gesunde und anhaltende Entwicklung gefördert werden.

Strenge Auflagen für Ant

Auf Alibaba folgte die Abrechnung mit Ant Financial, das sich auf Anordnung der Notenbank als Finanzholding neu aufstellen muss. Zudem muss der Finanzdienstleiter, zu dem auch der Bezahldienst Alipay gehört, bei der Kreditvergabe strenge Auflagen wie eine Bank erfüllen und unfairen Wettbewerb sowie Liquiditätsrisiken in seinen Finanzfonds beseitigen.

Dies war der nächste Denkzettel für Jack Ma, der nach der Eskalation im November für etwa zwei Monate von der Bildfläche verschwunden war – aber auch weiterhin dürfte die Zeit markiger Sprüche und schillernder Auftritte, wie sie Ma zuvor oft vorgelebt hatte, der Vergangenheit angehören.

Die jüngsten Turbulenzen haben Ma auch vom Thron des reichsten Chinesen gestoßen. Einer jährlichen Studie zufolge, der "Hurun Global Rich List", wurde er vom ersten auf den vierten Platz durchgereicht, geht aus der im März veröffentlichten chinesischen Version der Forbes-Liste hervor. Federn musste trotz des jüngsten Kurssprungs auch die Alibaba-Aktie lassen: Seit dem Hoch im Herbst hat sie ein Viertel eingebüßt, der Börsenwert beträgt etwa 650 Milliarden US-Dollar. (Alexander Hahn, 13.4.2021)