Bemühen wir uns, ein Sanierungskomitee mit den besten Köpfen zusammenzustellen, um Wirecard, diesen quasiösterreichischen Dax-Versager, wieder auf die Beine zu bringen und in hellem Glanz erstrahlen zu lassen.

Foto: Reuters / Michael Dalder

Die Sache mit Wirecard wurmt mich schon lange. Wenn Sie nicht mehr wissen sollten, was "Wirecard" ist, helfe ich Ihnen gern auf die Sprünge. Wirecard war das Geisteskind der Österreicher Markus Braun und Jan Marsalek. Die Firma produzierte irgendwas, von dem kein Schwein wusste, was es war, B & M schafften es aber, das Irgendwas an die Börse zu bringen und viel Geld damit zu machen.

Dann kam der weniger erbauliche Teil. Es gab unschöne Gerüchte, und in der Bilanz fehlte die eine oder andere Milliarde. Die Aktie hatte einst von unten an der 200-Euro-Marke gekratzt, jetzt kratzt sie von oben an der 20er-Marke, allerdings an der von zwanzig Cent. Die Aktionöre schauen in die Röhre und sitzen auf Mörderverlusten, Braun sitzt in U-Haft, und Marsalek sitzt nicht mehr neben Wolfgang Sobotka, sondern weiß der Teufel wo, vielleicht in einer lauschigen russischen Datscha.

Wirtschaftsstandort besudelt

Wieso mich dies wurmt? Weil ich als Patriot nicht den heimischen Wirtschaftsstandort durch diese leidige Geschichte besudelt wissen möchte. Daher mein Vorschlag: Bemühen wir uns, ein Sanierungskomitee mit den besten Köpfen zusammenzustellen, um Wirecard, diesen quasiösterreichischen Dax-Versager, wieder auf die Beine zu bringen und in hellem Glanz erstrahlen zu lassen.

Zum Glück sind bald ein paar Spitzenkräfte auf dem freien Markt. Thomas Schmid würde man als neuem Wirecard-CEO den Turnaround todsicher zutrauen, nachdem er den Börsenwert unserer Staatsbeteiligungen freihändig um fünf Milliarden nach oben getrieben hat.

Fragen Sie nur Herrn Hanger. Der Abgeordnete, der das Herz der Österreicher mit einem einzigen TV-Auftritt im Sturm erobert hat, kann Ihnen Schmids Vorzüge stundenlang erörtern. Als Aufsichtsratsvorsitzende, die Schmid wählt, käme Karin Kneissl in Betracht. Zwar lässt schon Putin der Rosneft-Aufsichtsrätin jährlich eine halbe Million Flocken herüberwachsen, aber zu einem bisschen Extraknete würde sie gewiss nicht Nein sagen.

Karl-Heinz Grasser wäre mein Wunschkandidat als Wirecard-Werbegesicht, weil er sich in der analogen Rolle schon für Meinl European Land bewährt hat. Hoffentlich ist er nicht indisponiert. Sie sind mir dankbar für diese patriotischen Sanierungsvorschläge? Keine Ursache. In dieser Kolumne geht es immer konstruktiv zu, und das verlässlich jede Woche. (Christoph Winder, 18.4.2021)