Die Abkürzung CCC steht übersetzt sinngemäß für: "Der Preis bewirkt Wunder". In Westeuropa haben sich diese für den polnischen Schuhriesen bisher nicht erfüllt.

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Wien – Der polnische Schuhriese CCC steigt in Österreich hart auf die Bremse. 2013 trat der Konzern an, um die Karten im Markt neu zu mischen und Rivalen wie Deichmann den Kampf anzusagen. Nur sechs Jahre später eröffnete er hierzulande seine 50. Filiale. Jetzt ziehen die Polen die Reißleine. Wie DER STANDARD erfuhr, verhandelt CCC über einen Ausstieg aus den Mietverträgen.

In die Fußstapfen der Handelskette wollen Landesgenossen: Diskonter Pepco, der ein enges Filialnetz über Osteuropa spannte, plant die Mehrheit der Standorte in Einkaufszentren und -straßen zu übernehmen. Vermieter berichten, dass die Verträge mit dem Unternehmen bereits weitgehend fixiert seien.

Einzelne seiner großen Geschäfte will CCC zu sogenannten Off-Price-Stores umrüsten, die Markenartikelanbieter preislich unterbieten. Diese sind eine boomende Nische, vor allem in Zeiten der Krise. Platzhirsch Tk Maxx machte sich in ihr breit. CCC wirbt aus seinem Pool dem Vernehmen nach nun um erfahrene Manager, mit deren Hilfe er – wie Tk Maxx – modische Aktionsware bieten will. Kolportierter Name des neuen Konzepts: Halfprice.

Kurze Abenteuer

Er habe wie viele andere Einzelhändler alle Hände voll zu tun, die Corona-Krise zu bewältigen, sagt CCC-Österreich-Chef Gerald Zimmermann auf Anfrage. Die Situation sei nicht einfach. Stellungnahme zu dem von Branchenkennern und Vermietern beschriebenen geplanten Rückzug und Umbau seines börsennotierten Konzerns gibt er keine ab.

CCC, größter Schuhhändler der CEE-Länder mit eigener Produktion in Polen, brachte die rasante Expansion in Westeuropa bisher wenig Glück. Der Einstieg bei Karl Vögele in der Schweiz war offenbar einige Nummern zu groß. Zwei Jahre lang währte das Abenteuer. Nun sucht die dortige Schuhkette nach hohen Verlusten neue Investoren. CCC Germany, die bis 2018 zur polnischen Handelsgruppe gehörten, meldete im Vorjahr Insolvenz an.

Hartes Pflaster

In Österreich wollte CCC innerhalb von zehn Jahren 70 bis 100 Filialen eröffnen. Doch der Verdrängungskampf war härter als erwartet. Die Strategie der günstigen Eigenmarken ging auf Dauer nicht auf. Marktführer Deichmann blieb stets einen Schritt voraus. Und die Folgen der Pandemie erwischten CCC wie viele andere Unternehmen auf dem falschen Fuß.

"Seit Corona sank der Stellenwert von Mode ins Bodenlose", sagt Zimmermann. Selbst offene Geschäfte zählten seither nur noch die Hälfte der Kunden. Die Wirtschaft wurde aus seiner Sicht von der Politik zu stark geknebelt. Die Forderung nach Zurittstests für den Einzelhandel sei unverständlich. "Der Handel ist nicht der Ort, an dem man sich ansteckt."

CCC sei zwar online gut aufgestellt. Verkauf übers Internet ersetze jedoch keinen Filialbetrieb. Der Vertrieb über Click & Collect rechne sich nicht, dafür fehlten die Kunden.

Volle Lager, leere Kassen

CCC zählt in Österreich 430 Mitarbeiter und sperrte seit dem Beginn der Krise fünf Standorte zu. Auch Filialen vieler Mitbewerber stehen auf dem Prüfstand, Mietverträge werden nachverhandelt. Salamander etwa gab im Zuge der Pandemie eine Handvoll Geschäfte auf, darunter eine gute Lage im Herzen Wiens.

Viele Lager seien voll, die Kassen leer, resümiert Friedrich Ammaschell, Sprecher der Schuhbranche. "Der Handel braucht eine Verlängerung des Ausfallbonus und des Fixkostenzuschusses für saisonale Ware."

Diskonter auf dem Vormarsch

Während klassische Anbieter straucheln, stehen neue in den Startlöchern. Allen voran Pepco. Die rechtliche Basis dafür wurde bereits geschaffen: 2020 gründete die polnische Billigkette eine Österreich-Gesellschaft. Pepco wächst mit einer breiten Palette an Sortiment, von Kindermode und Spielzeug bis zu Kleinmöbeln und Haushaltsware. Seit 2004 wurden mehr als 2000 Filialen aus dem Boden gestampft. Bis 2023 sind in Europa weitere 1000 Standorte geplant. Österreich könnte einmal mehr als Sprungbrett in den Westen dienen. (Verena Kainrath, 17.4.2021)